Bürgen?

Hallo…ich bin 26Jahre und verdiene im Monat 1.500Netto. Ich habe eine Kreditkarte die noch mit etwas mehr als 2.000€ belastet ist sowie einen Dispokredit bei der Bank den ich aber genullt habe und montatlich zurück bezahle. Ausserdem ist meine Auto in einem Jahr abbezahlt. Sonst besitze ich nichts. Das ist meine Lebenssituation.

Mein Vater steckt mit seinem Unternehmen in Schwierigkeiten aufgrund von überlappenden Rechnungen von Lieferanten und Kunden, ansonsten hat sich sein Umsatz vom Vorjahr sogar verdoppelt, es ist wirklich verzwickt und hat mich gefragt ob ich zur Not Bürgen würde. Natürlich! …allerdings weiss ich nicht ob ich das mit meiner Lebenslage überhaupt darf.
Es ginge um 30.000€. Kann mir jemand sagen ob ich überhaupt in Frage komme? Bitte ich möchte so gern helfen.

Mit lieben Grüßen Bea

Hallo Bea,

ob Du als Bürge akzeptiert wirst, kann Dir hier keiner sagen. Das entscheidet die Bank Deines Vaters.

Aufgrund der von Dir geschilderten finaziellen Situation, in der Du Dich befindest, nehme ich an, dass Du als Bürge nicht in Frage kommst, da Du es selbst kaum schaffst, finanziell über die Runden zu kommen. Das ist jetzt nicht böse gemeint.

Dir sollte bewusst sein, dass Du als Bürge für die ganze Summe haftest. Wenn das Unternehmen Deines Vaters insolvent gehen sollte, hast Du 30.000 Euro Schulden. Diese mit 1500 Euro netto monatlich abzuzahlen wird nicht gerade leicht.

Vielleicht kann Dein Vater ja Forderungen gegen Kunden verkaufen. Das geht zwar nur mit Abschlag, dafür kommt aber auch wieder Geld herein.

Übrigens: Dass sich der Umsatz verdoppelt hat, ist zwar ein gutes Zeichen, heisst aber noch lange nicht, dass das Unternehmen profitabel ist.

Gruß

Willi

Danke Willi für die schnell antwort (das geht ja fix hier *freu*)

Ich hab mir schon fast sowas gedacht und ja ich komm schon so kaum über die Runden.
Mir ist eingefallen das ich eine Lebensversicherung am Laufen habe kann ich nicht da ran kommen? Oder vielleicht einen weiteren Kredit aufnehmen? Wahrscheinlich würde mir aber keine Bank 30.000€ Kredit geben oder??! Nicht ohne Sicherheiten und da beisst sich die Ratte dann wieder in den Schwanz (um das mal Blumig auszudrücken).
Bei meinen Eltern hängt da das Haus und alles dran…wie kann ich nur helfen?

Bea

Hallo Bea,

zuerst sollte einmal Dein Vater mit seiner Bank offen reden. Vielleicht lässt sich da ja was machen.

Eine Lebensversciherung zu kündigen, sollte immer der letzte Weg sein. Da sie vermutlich noch nicht so lange läuft, würdest Du bei einer Kündigung viel von dem eingezahlten Geld verlieren.

Ich nehme an, dass der Rückkaufwert bei der LV noch nicht so hoch ist. Das kannst Du aber nachschauen. Du müsstest eine jährliche Übersicht der Versicherung bekommen. Vielleicht würdest Du einen Kredit damit bekommen, aber da kommt es eben auf den Rückkaufwert an.

Vielleicht haben Deine Eltern noch eine Lebensversicherung, die sie als Sicherheit nehmen könnten.

Gruß

Willi

Hallo…ich bin 26Jahre und verdiene im Monat 1.500Netto. Ich
habe eine Kreditkarte die noch mit etwas mehr als 2.000€
belastet ist sowie einen Dispokredit bei der Bank den ich aber
genullt habe und montatlich zurück bezahle. Ausserdem ist
meine Auto in einem Jahr abbezahlt. Sonst besitze ich nichts.
Das ist meine Lebenssituation.

Schreckt mich jetzt nicht wirklich…

Mein Vater steckt mit seinem Unternehmen in Schwierigkeiten
aufgrund von überlappenden Rechnungen von Lieferanten und
Kunden, ansonsten hat sich sein Umsatz vom Vorjahr sogar
verdoppelt, es ist wirklich verzwickt und hat mich gefragt ob
ich zur Not Bürgen würde. Natürlich! …allerdings weiss ich
nicht ob ich das mit meiner Lebenslage überhaupt darf.
Es ginge um 30.000€. Kann mir jemand sagen ob ich überhaupt in
Frage komme? Bitte ich möchte so gern helfen.

Die Bonität als Bürge wird die Bank deines Vaters beurteilen und sonst niemand. Ich gebe nur zu bedenken, dass eine Bürgschaft deine eigene Kreditwürdigkeit in weiterer Folge einschränkt solange diese Bürgschaft besteht, ausserdem gehst du ein nicht abzuschätzendes Risiko ein. Umsatzverdopplung ist schön - das Umsatz nicht gleich Gewinn ist, erklärt einem bei Bedarf die Bank/Steuerprüfer/Buchhalter/Masseverwalter/Konkursrichter…

Mit lieben Grüßen Bea

lG aus Wien Michl

Tipp: Bürgschaft nur nach gewissenhafter Prüfung
> Bei meinen Eltern hängt da das Haus und alles dran…
> wie kann ich nur helfen?

Vielleicht kann auf das Haus eine Hypothek eingetragen werden?

Ansonsten:
Wie schon gepostet wurde, bleibst Du auf den 30.000€ sitzen, falls Dein Vater trotzdem pleite geht.
Das offenbar sehr hohe Risiko würde ich nicht ohne zwingenden Grund eingehen.

Beispielsweise würde ich mich bei Steuerberater und IHK über die Aussichten der Branche Deines Vaters informieren.

Hallo vielen Dank an dir und an alle…ich werde das mal in Angriff nehmen. Die Entscheidung ob er sowas überhaupt vorschlägt ist in einer Woche. Da urteilt die Bank wie es weiter geht. Er hat mich gefrag und ich kann ja nicht nein sagen. Wir sind eine Familie und müssen zusammen halten, mir ist auch nicht wohl bei der Sache soviel Schulde auf mich zu nehmen. Bis jetzt konnt ich immer alles überblicken aber dann?
Auf jeden Fall vielen Dank

Abseits der Frage ob du als Bürge in Frage kommst, würde ich schauen ob „Factoring“ für die Forderungen deines Vaters gegenüber Kunden eine Alternative wäre.

So gut wie jede Bank hat ein hauseigenes Spezialisnstitut für so etwas, von freien Anbiertn mal gans abgesehen.

Macht natürlich nur Sinn, wenn die Erträge aus den Rechnungsforderungen höher sind als die Abschläge zu denen von den Instituten angekauft wird.

Eventuell ist dabei auch als Vorteil zu sehen, dass man so auch sein Mahnwesen outsourcen kann und oftmals auch der Ausfall zu 100% versichert ist und natürlich steht die Liquidität quasi sofort zur Verfügung…

Ich würde es zumindest via Hausbank oder sonst einem Anbieter mal prüfen lassen ob das interessant ist.

Gruss HighQ

Hallo Bea,

Schulden würdest Du bei einer Bürgschaft erst einmal nicht übernehmen. Erst wenn das Unternehmen Deines Vaters insolvent gehen sollte, kann die Bank die Sicherheit verwerten. Erst dann hättest Du Schulden.

Gruß

Willi

P.S.:

Doch, man kann auch als Tochter in solch einer Situation „Nein“ sagen. Ich glaube nicht, dass es Deinem Vater gut gehen würde, wenn er insolvent wäre und Du 30.000 Euro Schulden von ihm hättest. Familie hin, Familie her. Hat das Unternehmen ein gutes Geschäftsmodell und es braucht nur kurzfristig Geld zum überbrücken, dann sind die Chancen größer, dass die Bank hilft. Steht es aber um das Unternehmen insgesamt nicht gut, dann wäre dieser Hahn wohl eher zu. Dann kann es aber auch sein, dass die 30.000 Euro nur die Insolvenz hinauszögern.

Hallo,

natürlich kannst du nein sagen. Gerade bei solchen Geldangelegenheiten in der Familie sollte man sich gut überlegen ob man zustimmt.

Eine Bürgschaft ist immer riskant. In der momentanen wirtschaftlichen Lage noch riskanter. Willst du wirklich in ein paar Monaten oder Jahren 32.000 Euro zurückzahlen für die du nie eine Gegenleistung gesehen hast. Das ist eine ganz schöne Belastung. Überlege es dir gut.

Gruß

Samira

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hallo bea,

mein beitrag wird dir wahrscheinlich nicht gefallen.

eine firma mit so knappen finanzen, die die aussenstände nicht durch eine bank vorfinanzieren lassen kann, steht auf sehr wackeligen beinen. da genügt dann der ausfall einer einzelnen kundenforderung, um alles zusammenbrechen zu lassen.

bevor du eine riskante bürgschaft übernimmst, mußt du - dir zuliebe - das gespräch mit dem steuerberater von vaters firma suchen. nur er kann dich darüber aufklären, ob die firma mit deiner bürgschaft zu retten ist.

auch wenn’s traurig ist, du hilft deinem vater nicht, wenn die insolvenz nur verzögert wird. am ende ist das haus weg - und du hast einen berg schulden. die bank wirds freuen, aber dein vater wird sich große vorwürfe machen, dich auch noch in die misere hineingezogen zu haben.

also, auf gar keinen fall ohne weitere infos eine bürgschaft übernehmen. und lasse dich bloß nicht von der bank überreden, die nehmen liebend gern jede weitere absicherung an - und drehen dann trotzdem die mühle zu.

h.

Hallo,

eine Bürgschaft ist nicht nur eine Unterschrift auf einem Papier, oder ein regulärer Kredit, den man in planmäßigen Raten zurückführt, wenn sich das Risiko verwirklichen sollte, sondern ist etwas, was dann jetzt und sofort zu bezahlen ist, und bei dem man damit rechnen muss, dass dies auch mit Zwangsmaßnahmen durchgesetzt wird. D.h. stell Dir vor, was passiert, wenn sich das Risiko verwirklicht: Vermutlich Auto weg, und Pfändung bis zum Freibetrag auf die nächsten vielleicht zehn Jahre. Dazu Kündigung und Ausschluss aller weiteren Finanzierungsmöglichkeiten.

In der Zeit bist Du in einer Lebensphase in der Du ggf. Familie gründen möchtest, eine eigene Immobilie haben willst, … Und selbst wenn Du dann die Schulden los bist, bleibt Dir noch ein Weilchen ein Schufa-Eintrag erhalten, der jede Chance auf Finanzierungen ausschließt.

Weiterhin solltest Du daran denken, dass sich keine Bank mit einer „nur für € 30.000,-- und nur für die nächsten sechs Wochen“-Bürgschaft zufrieden geben wird, sondern in solchen Situationen natürlich gleich die Haftung für alle bestehenden Verbindlichkeiten übernommen haben will. Und wenn da jetzt schon anderweitige Verpflichtungen bestehen, dann hast Du die gleich mit an der Backe, und auch zukünftige.

Ich weiß nicht, ob Dein Vater sich diesen möglichen Konsequenzen bewusst ist, und ob er unter diesen Voraussetzungen die Bürgschaft wirklich haben will, weil er Dich damit durchaus ruinieren kann.

Gruß vom Wiz

Präzisierung

Wir sind eine Familie und müssen zusammen halten

Ich möchte nochmal präzisieren:
Dass Dein Vater mit Deiner Hilfe seine Pleite um ein paar Monate verzögert, und Dich mir reinreißt, wäre absolut nicht im Interesse der Familie!!!

mir ist auch nicht wohl bei der Sache soviel Schulde auf mich zu
nehmen

Dann musst Du mehr Informationen einholen, damit Du eine Entscheidungsgrundlage hast. Geh zur Schuldnerberatung, frage den Steuerberater (Gewinn/ Verlust der letzten 3 Jahre!!!), frage die IHK etc.

Natürlich würde ich meinem Vater auch jederzeit helfen, wenn ein kurzzeitiger Engpass wäre. Aber nicht dabei, die sichere Pleite um 6 Monate zu verzögern!