Hallo Kurt,
Weiß jemand zu berichten, worum es in diesem Bürgerkrieg „in
Rom“ gegangen ist?
… ach du liebes bißchen… um das einigermaßen in einen verständlichen Zusammenhang zu stellen, müsste man spätestens 133 v.u.Z. beginnen (mit dem gracchischen Agrargesetz) und frühestens 31 v.u.Z. mit der Schlacht bei Actium aufhören. Wenn man es nicht allzu genau nimmt, könnte man dieses ganze Jahrhundert als einen permanenten (zumindest latent schwelenden) Bürgerkrieg bezeichnen.
Es ist die interessanteste, ereignisreichste und am besten dokumentierte Periode der römischen Geschichte. Aufs radikalste reduziert könnte man die Frage, worum es ging, damit beantworten: es ging um die Beute. Rom war zu einer Weltmacht geworden - durch seine Legionen, die Grunde genommen Bauernmilizen waren. Der Bauernstand wiederum war durch die permanente Kriegführung an der Bewirtschaftung der eigenen Ländereien verhindert, während die Senatsaristokratie die eroberten und beschlagnahmten Gebiete (den ‚ager publicus‘) für wenig Geld vom Staat pachtete und mit billiger Sklavenarbeit (ein weiterer Effekt der ständigen Kriege) die Latifundienwirtschaft organisierte - eine Agrarindustrie, die den traditionellen Bauernstand vollends ruinierte. Dies blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Wehrverfassung; es gab zunehmend weniger Bürger, die als Legionäre ausgehoben werden konnten. Marius ging nach dem Scheitern des gracchischen Agrarreformversuchs dieses Problem mit seiner Militärreform an, was eine Klasse von Berufssoldaten schuf - mit eigenen Interessen und den Mitteln, diese auch durchzusetzen, wenn sich ein geeigneter Führer fand. Hinzu kam als weitere Partei die sich formierende Klasse der Equites, die Handel und Finanzwirtschaft des Imperiums kontrollierte und nach politischem Einfluss strebte, um ihre Interessen zu schützen. Eine nicht zu vernachlässigende politische Kraft in diesem Jahrhundert waren die italischen Verbündeten Roms, die nach dem vollen Bürgerrecht strebten (und dies nach dem Bundesgenossenkrieg schließlich durchsetzen konnten).
Grob vereinfacht gab es die reaktionäre Senatsoligarchie (die Optimaten), die ihre politische und wirtschaftliche Vorrangstellung mit allen Mitteln verteidigte und die Popularen, deren wichtigsten politischen Projekte die Agrarreform und Erweiterung des politischen Einflusses der Equites waren (vor allem über die Besetzung der Gerichte).
Der Bürgerkrieg des Popularen Cäsar im engeren Sinn begann mit seinem verfassungswidrigen Einmarsch in Italia nach seiner versuchten Entmachtung durch den Senat (Überschreitung des Rubicon am 10.01.49 v.u.Z.) und endete mit der Ermordung des Pompeius in Ägypten nach der Schlacht von Pharsalos (28.09.48 v.u.Z.). Er ist allerdings nur eine kurze Episode, die ohne Kenntnis des größeren Zusammenhangs kaum zu verstehen ist.
Und in welcher Weise war JESUS Christus eine (SYMBOLISCHE)
Schlüsselfigur in diesem Bürgerkrieg?
??? Der war damals noch nicht geboren, falls es sich bei ihm überhaupt um eine historische Gestalt handelt.
(Ich denke da an Carotta: „War Jesus Caesar?“).
Nun ja … Das ist alles recht interessant, was Carotta da an Theorien vertritt - aber die betreffen die Entstehung des Christentums als Religion und die verschiedenen Einflüsse, die auf diesen Prozess einwirkten. Zudem ist das alles hochspekulativ.
Sicher war ein Politiker wie Cäsar äußerst charismatisch und setzte seine ‚göttliche Herkunft‘ (von Aphrodite(!)) gezielt als Propagandainstrument ein. Sein früherer Verbündeter und schließlicher Gegner Pompeius war kaum weniger charismatisch und Octavianus, der beide politisch beerben sollte, stellte sich propagandistisch durchaus mit messianischen Zügen dar. Ähnliches versuchte später auch Germanicus bzw. seine Partei. Ob und wie weit dies auf die Entstehung der Christologie tatsächlich so entscheidend einwirkte, ist allerdings schon reichlich fraglich, wenn auch als Gedankenspielerei nicht uninteressant.
Ich bin dankbar für alle Auskünfte (es wäre zuviel, das ALLES
nachlesen zu müssen),
Es ist auch zu viel, das in ein paar Sätzen zu schildern. Wie würdest Du z.B. die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ein paar Sätzen zusammenfassen, ohne dabei bei einem Ahnungslosen schwerste Missverständnisse zu provozieren? Nun ja, versucht hab ich’s zumindest … 
Pst: nun fehlt nur noch, daß „IDEN“ ganz was anderes bedeutet,
als immer behauptet wird!
Im römischen Kalender gab es drei Monatstage, die eine besondere Bezeichnung hatten: Die Kalenden, die Nonen und die Iden. Kalendae waren jeweils der Monatserste, der Idus war die Monatsmitte - je nach Länge des Monats der 13. oder der 15. Die Nonen lagen neun Tage vor den Iden; waren also entweder am 5. oder am 7. Im März fiel der Idus auf den 15. Ursprünglich war der römische Kalender ein Mondkalender gewesen - Neumond war an den Kalendae, zunehmender Halbmond an den Nonae und Vollmond an den Iden.
Freundliche Grüße,
Ralf