Hallo,
ich lese gerade die diversen Parteiprogramme.
Können PKV-Versichrte einfachso von heute auf Morgen in eine Bürgerversicherung oder in die Kopfprämie gezwungen werden? Was gescheiht mit den Alterrückstellungen, die PKV Versicherte ansparen mussten? Wie würden diese entschädigt?
Was sieht denn das CDU-Modell vor? Ich lese dort an keiner Stelle, wer alles diese Kopfprämie bezahlen soll. Auch Beamte?
Hallo,
ich fürchte, diese Fragen werden erst nach der Wahl beantwortet werden. Die notwendigen Übergangsregeln bei einem Systemwechsel sind naturgemäß sehr komplex und führen zu Ungerechtigkeiten, die keine Partei im Wahlkampf hervorheben will.
Zur Bürgerversicherung: Hier kann man 3 Wege gehen:
- Abschaffung Privatversicherung
- Schliessen der Privatversicherung für Neugeschäft
- Einbeziehen der Privatversicherung in den Risikoausgleich
1 ist konsequent (und ertragreich, da man die Altersrückstellung der Privatversicherten verfrühstücken kann). Das Risiko, dass das Verfassungsgericht hier interveniert ist aber hoch.
2 ist ähnlich wirksam. Da die Altersstruktur der Privatversicherten steigt, werden sehr viele Privatversicherte einen freiwilligen Wechsel in die Einheitskasse vornehmen. Der Rest bleibt aber weiter Privat.
3) Ist wohl der Königsweg, die Privaten Kassen platt zu machen.
Zur Kopfpauschale:
Hier sind die Umstellungsprobleme deutlich geringer:
- Private Kassen können ebenfalls den Kopfpauschalentarif anbieten (Ähnlich wie heute der Standardtarif)
- Die Privatversicherten müssen sich über die Steuer an der sozialen Umverteilung der Krankheitskosten beteiligen
Hallo,
seit wann werden Wahlprogramme Wirklichkeit???
Ist davon auszugehen, dass sich die Umsetzungsfähigkeit der Politik verändert???
Es wird sich nichts ändern, weil es nichts bringt. Das ist Marketing zur Wahl und wird völlig verändert umgesetzt.
Es gibt genug Ökonomen, die diesen Wahnsinn nicht mitmachen werden und es gibt genügend Gutachten, dass es auch nicht geht!
Viele Grüße
Thorulf Müller
Hallo Thorulf,
ich will dir nicht wiedersprechen - nur eine Frage stellt sich
mir ?
Was spricht dagegen, dass die Union im Rahmen der Kopfpauschale
nach oestereichischem Vorbild eine Einheitskrankenkasse schafft,
die ausschliesslich mit Leistungsaufgaben betraut wird ?
Was meinst du, warum würde das nicht klappen ?
Gruss
Günter
Hallo Günter,
weil wir damit das eigentliche Problem nicht lösen:
Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Leistungsempfänger finanzieren.
Das ist temporäre Kosmetik und löst nicht nachhaltig dass Problem. Wir verschieben es um 3-4 Jahre (o.k. immerhin eine Wahlperiode!)
Die Kopfpauschale mit der bisherigen beitragsbelastung kostet bei 90% der Bevölkerung schon 35 Mrd. Euro - die Zumutbarkeit muss also in dem Fall schon auf 18% (also um ca. 50%) erhöht werden! Dann sind es nur noch 7 Mrd.
Viele Grüße
Thorulf Müller
[email protected]
Hallo,
Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr
Leistungsempfänger finanzieren.
das ist jetzt aber ein völlig anderes Thema. Da Krankheitskosten überproportional im Alter auftreten, ist es klar, dass eine solide Krankenversicherung kapitalgedeckte Altersrückstellungen braucht, um demografiebedingte Gebührenerhöhungen in Zukunft zu vermeiden.
Diese Rückstellungen bestehen derzeit nur bei den privaten Kassen. Diese in allen Kassen einzuführen wäre sinnvoll und notwendig. Dies ist jedoch völlig unabhängig von der Diskussion Bürgerversicherung vs. Kopfpauschale. In beiden Systemen könnte man problemlos kapitalgedeckte Altersrückstellungen einbauen.
In die Kopfpauschale sogar leichter, da dort die eigentliche Krankenversicherung und die soziale Umverteilung getrennt sind.