Hallo,
ein gewisser Heinz-Johannes Buhr (seines Zeichens wohl Direktor an der Charité) hat angeblich auf hingewiesen, dass Fehlerdiskussionen in der Medizin vernachlässigt würden, obwohl sie dringend erforderlich seien. Kann mir jemand eine Quelle für diese Meinungsäußerung mitteilen, bei Google habe ich nichts finden können. Meine Quelle ist der Videotext der ARD, was mir als Beleg nicht ausreicht. Zusätzliche Informationen wären auch hilfreich.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Hi Thomas,
ich kann Dir folgende Meldung vom vergangenen Freitag anbieten:
_ Fehlerdiskussion ist für viele Mediziner immer noch ein Tabu
Berlin (dpa) – Eigene Fehler zu diskutieren, ist einem Berliner Klinikdirektor zufolge für viele Mediziner immer noch tabu. „In Deutschland wird über Fehler bei Operationen oder Therapien viel zu selten gesprochen“, kritisierte der Direktor der Chirurgischen Klinik der Charité, Heinz-Johannes Buhr, in einem dpa-Gespräch am Rande des 29. Symposiums „Aktuelle Chirurgie“ in Berlin. Wer offen über seine Misserfolge berichte, gerate schnell in ein falsches Licht und gelte als Nichtskönner oder gar als Nestbeschmutzer.
Obwohl Ärzte wie jeder andere Mensch auch Fehler machten, würden diese selbst abteilungsintern kaum angesprochen. „Alle sind die Besten der Welt.“ Dies schlage sich auch in der Literatur nieder, in der stets nur positive Studienergebnisse veröffentlicht würden. Ohne die Diskussion von Misserfolgen könnten diese aber nicht ausgemerzt werden. Ziel des Symposiums sei es deshalb, den Ärzten die Bedeutung des offenen Umgangs mit Fehlern bewusst zu machen.
Dass der Wunsch nach Veränderung vorhanden ist, zeige die enorme Resonanz auf das Symposium. „Die Leute lechzen förmlich danach, zu hören, dass jeder mal Fehler macht“, sagt Buhr. „Dass ein Referent sagt, er hat bei einer OP vergessen, die Bauchtücher rauszunehmen – diese Offenheit hat es noch nie gegeben.“ Nun sei es Sache der Klinik- und Abteilungsleiter, Fehlerdiskussionen beispielsweise in einer wöchentlichen Konferenz zu initiieren.
Nach Ansicht Buhrs vermindert der offene Umgang mit Misserfolgen nicht nur künftige Fehlentscheidungen der Mediziner, sondern wirkt sich auch auf das Umfeld positiv aus: „Ich bin überzeugt: Wenn ein Patient weiß, dieser Arzt diskutiert das offen, hat er mehr Vertrauen in ihn.“_
Ich hoffe, Dir genügt dies als Quelle.
Gruß
Christopher