Einspruch
Hallo Jimmy,
Immer wieder liest man hier im Brett recht negative Sachen
(meist ohne genauere Begründung) über die Bundeswehr, vgl. die
Diskussion NVA vs. Bundeswehr in den 80ern.
Ja, dem ist leider so und ich denke es ist ein Zeichen der Zeit.
Was aber war/ist militärisch so „schlecht“ an der Bundeswehr?
Das liegt an der Gesamtkonstellation. Die heutige Bundeswehr hat kein präzises Feindbild mehr (was, meiner bescheidenen Meinung nach, auch völlig o.k. ist, die Sache aber keineswegs einfacher macht).
Ich gehe davon aus, dass die ehemalige NVA auch ein „Feindbild“ hatte.
*Während meiner BW-Zeit schienen mir das Ganze manchmal auch
suspekt, aber soooo marode … klärt mich auf!*
Nun, ich bin doch schon ein wenig älter als Du und zu meiner Zeit (1975-1989, insgesamt 12 Jahre mit Pause) gab es eben noch ein Feindbild (wohlgemerkt: es war nicht die damalige DDR, bzw. NVA - es war das damalige Miltärbündnis des Ostblock - verflucht, mir will nicht mal mehr der Name / die Bezeichnung einfallen:smile:. Es war mitten im sogenannte „Kalten Krieg“.
Es gab damals Einheiten des Teritorialkommandos (85%) und Einheiten, welche direkt der NATO unterstellt waren(15%). Diese NATO-Einheiten hatten massenhaft finanzielle Mittel zur Verfügung und so ergab es sich, dass Angehörige dieser Einheiten an den tollsten Ausbildungen teilhaben konnten. Das war richtig spannend und aufregend und von Langeweile keine Spur (Fallschirmspringen unter Gefeechtsbedingungen, Gebirgs- und Winterkampf, Nacht- und Nahkampf, Durchschlageübungen, Überlebenstraining, Ausbildung an „foreighn weapons“, Sprenstoffausbildung, diverse Führerscheine, „Esplosives“ also Umgang mit Sprengstoffen, „SAS“, Gruppenführer, Einzelkämpfer, „conditioning“, usw., usw.
Klar, die Meisten schoben auch damals schon Langeweile - wohl eben jene 85% - aber insgesmat war die Ausgangskonstellation wohl anders.
Es war eben noch der „Kalte Krieg“ und Geld war auch noch da.
Nach dem Zusammenbruch des „Warschauer Paktes“ (hey, das isses ja:smile: verschoben sich auch die Prioritäten. Erst ganz langsam, dann mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Deutsche Bundeswehr ist mir heute so fremd wie wie Spanische Armee. Nichts stimmt mehr. Und auch die Wertestellung in der Gesellschaft hat sich verändert. Damals, in den 70-er, war eben noch der „Kalte Krieg“ und die Gesellschaft (hier und „drüben“) erkannte, dass es wohl „sein müsse“.
Heute sieht das natürlich anders aus.
Es gibt keinen „Kalten Krieg“ mehr und die potentiellen militärischen Gegner von einst sind die heutigen Verbündeten (NATO).
Mein Sohn ist heute anerkannter Wehrdienstverweigerer und ich hatte ihm versichert (vor und während des Anerkennungsverfahren), dass, wie immer er sich entscheidet, ich voll und ganz hinter ihm stehe und seine Entscheidung voll und ganz akzeptiere und ihn immer unterstützen werde. Ich selbst wüsste nicht, ob ich mich nochmals dazu bekennen würde. Aber damals war es für mich eine Selbstverständlichkeit.
Ich entwickelte mich vom Saulus zum Paulus.
Heute bin ich Pazifist.
Zusammenfassend: Die Bundewehr ist nicht schlecht (ebensowenig die NVA) - die Zeiten haben sich einfach geändert und damit auch das Bild in der Gesellschaft.
Ich weiss natürlich nicht, ob Dir meine Darlegungen geholfen haben - aber ich würde mich freuen, wenn diese kleine Einlassung hilfreich für Dein Verständnis waren.
Gruss
Ray