Burnout/depressiver Partner

Liebe/-r Experte/-in,

ich befinde mich mometan in einer hilflosen, ohmächitgen Situation. Und zwar ist mein Freund durch eine Burnout bedingt in eine Depression gerutscht, so dass nun auch unsere Beziehung belastet wird.
Wir führen eine 12 jährige sehr liebevolle, tolerante, ehrliche, mit Freiraum für jeden von uns und mit gemeinsamen Aktivitäten Beziehung.Doch seit ca. 2 Jahren ist mein Freund beruflich sehr belastet, d.h. er hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst gestellt(geringes Selbstwertgefühl, was ich immer wieder versucht habe zu steigern). Im vergangen Jahr sprach und grübelte er nur über seine negative, unzufriedene Arbeitssituation.Jedoch Vorschläge von mir oder auch Freunden, Familie wie er etwas verändern könnte,nahm er zur Kenntnis, aber ein Veränderung schaffte er nicht.Dann kam die kalte,nasse Jahreszeit und er „versumpfte“ mit Laptop auf dem Sofa, immer mehr in sein „Arbeits-Welt-Jammertal“.
Er bekam Kopfschmerzen,Herzrasen, Schlaflosigkeit und innerliche Gefühlsleere.Da er in seinem gesamten Lebenslauf Schule, Ausbildung,Sutdium im eine fachliche „Stütze“ suchte und auch fand(bisher waren es immer Männer), so vertraute er sich,in seiner überforderten Lage, einer Kollegin an und es kam zu einer gemeinsamen Gefühlsreaktion.Welche ihn sehr irritierte, denn zu mir fühlte er plötzliche eine innere Distanz.Da er seit dem von Schuldgefühlen geplagt wird, konnte er meine Nähe nicht ertragen. So dass wir uns vorerst räumlich getrennt haben, um ihn nicht noch zusätzlich zu belasten. Ich kontaktiere ihn auch nicht und warte,dass er auf mich zu kommt.Mein Freund ist bereit, psychotherpeutischen Hilfe zu nehmen, denn er will nach seiner Aussage:… in sein altes Leben zurück. Er hat aber auch Angst,dass er es nicht schafft und mich verliert.
Hin und wieder ruft er mich an und fragt mich wie in einer endlos Schleife:…wie geht es jetzt mit uns weiter ? Ich sage ihm immer wieder: …wir gehen einen Schritt nach dem anderen, zuerst soll ihm geholfen werden und dann kommen wir.Den Kontakt zu seiner Kollegin hat er abgebrochen, verspürt aber immer noch Gefühle für sie.
Jetzt folgt endlich meine Frage :wink:.Wie gehe ich richtig mit meinem depressiven Freund um. Gibt es ein richtig oder falsch? Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüsse Moon

Liebe Moon,
Ihre Geschichte berührt mich und ich finde es beeindruckend, wie sehr Sie sich für Ihren Partner einsetzen, obwohl er Sie sicher mit seinem Verhalten auch verletzt hat. Aus meiner Sicht befindet er sich seit geraumer Zeit in einer Depression, die sich in der lichtarmen Jahreszeit verstärkt hat. Es sollte unbedingt eine antidepressive Behandlung erfolgen, um die angeschlagene biologische Funktion des Nervensystems wiederherzustellen. Eine Psychotherapie kann für die Selbstwertprobleme oder die Neigung zur Selbstüberforderung sicher gut sein, sie ist aber zur Akutbehandlung einer solchen gesundheitlichen Krise nicht ausreichend (und auch nicht so schnell verfügbar). Hier gilt wie so oft im Leben: das eine (Medikation) tun, das andere nicht lassen (Psychotherapie). Letzteres ist natürlich auch wichtig, um weiteren depressiven Episoden vorzubeugen.
Was können Sie tun? Sie sollten Ihr Verhalten nicht in erster Linie unter den Gesichtspunkt „was braucht er jetzt“ stellen. So ensteht ja eine künsliche Situaiton, da Ihre Wünsche und Bedürfnisse ausgeblendet werden. Sie sind dann eine Art Therapeutin und keine Partnerin mehr, die Beziehung wird asymmetrisch. Wenn Sie „eigentlich“ aktiv werden wollen und von sich aus Kontakt aufnehmen wollen, tun Sie es. Depressive sind sowieso eher antriebs- und entscheidungsschwach und ziehen sich übermäßig zurück, zweifeln an sich und allem in ihrem Leben. Schlagen Sie ihm den hier skizzierten Weg vor, aber er muss ihn wollen, er sollte es nicht „Ihnen zuliebe“ machen, das wird nichts. Sie sollten aber auch gut auf sich selbst aufpassen. Nur wenn Sie authentisch bleiben, kann Ihre Beziehung eine echte Chance haben. Ob er und die gemeinsame Beziehung die Kurve kriegt, wird der weitere Verlauf zeigen. Aber nicht um den Preis, dass Sie sich zu sehr verbiegen. Das wird dann eine Pseudobeziehung, die für beide viel Leid bringt und am Ende doch zerbricht.
Ich wünsche Ihnen und Ihrem Freund alles Gute.
Dr. U

Hall Dr. U.
ich danke für ihnen, für ihre Rückmeldung. Ich war für ein paar Tage verreist, um wieder Kraft zu tanken.
Mittlerweile ist es so, das mein Freund mehrere Therapie Stunden bei zwei verschiedenen Psychologen erhalten hat und er befindet sich weiterhin in Therapie.
Er möchte jedoch allein sein und ist der Meinung, das er momentan beziehungsunfähig sei. Es fehlen ihm weiterhin die tiefen Gefühle zu mir. Aus der Angst heraus, das er evtl. nie wieder etwas für mich empfinden wird, möchte er sich von mir trennen, um mich nicht noch mehr zu verletzen. Ich denke, das diese Gefühlsstörung immer noch mit der Depression zusammenhängt, aber er sieht alles nur negativ und glaubt mir nicht ( denn er muss wohl immer noch an seine Kollegin denken).
In dem Buch … und wo bleibe ich, habe ich gelesen, das eine sexuelle Beziehung ( wie Alkohol,Barbiturate, körpeliche Bewegung) kurzfristig wie ein Angstlöser wirken. Mir stellt sich nun die Frage, können die Gefühle zu seiner Kollegin, als Angstlöser gesehen werden oder will ich mich nur beruhigen?
Seiner Mutter gegenüber erwähnt er immer wieder, das ich ein ganz besonderer Mensch sei und er es nicht verstehen kann, warum er keine tiefen Gefühle mehr für mich hat.
Wir haben nur selten Kontakt, am Freitag wollen wir gemeinsam Essen gehen.

Vielen Dank

Moon