BWL-Studium: trockenspäterer Job:interes

Hallo, ich bin gerade dabei auf eine meiner ersten Prüfungen im BWL-Studium zu lernen (2 hab ich schon hinter mir) und dabei ist mir gerade wieder aufgefallen, dass der Stoff mir zwar durchaus schaffbar erscheint, aber es doch recht langweilig ist das zu lernen. Das Vorurteil, dass das BWL-Studium langweilig und trocken ist, ist wahrscheinlich vielen bekannt, aber gibt es hier vielleicht jemanden, der schon arbeitet, dem sein Job wirklich Spaß macht oder ihn zumindest interessant findet, aber das BWL-Studium, v.a. das Grundstudium sehr trocken und eher langweilig fand?
Würde mich freuen, wenn ihr mir über eure Erfahrungen berichtet! :wink:

Grüße

Hallöchen,

Hallo, ich bin gerade dabei auf eine meiner ersten Prüfungen
im BWL-Studium zu lernen (2 hab ich schon hinter mir) und
dabei ist mir gerade wieder aufgefallen, dass der Stoff mir
zwar durchaus schaffbar erscheint, aber es doch recht
langweilig ist das zu lernen. Das Vorurteil, dass das
BWL-Studium langweilig und trocken ist, ist wahrscheinlich
vielen bekannt,

kann es sein, daß Du vor dem Studium weder eine kaufmännische Ausbildung noch ein längeres Praktikum gemacht hast? Das was ich in den letzten Monaten hier von Dir gelesen habe, erinnert mich doch sehr an das Gerede meiner Studienkollegen, die auch zum überwiegenden Teil direkt von der Schule/BW ins Studium gestolpert sind.

Genauso wie diese scheinst Du die Studieninhalte mehr als Selbstzweck zu verstehen und nicht als Teil „des großen Ganzen“. Insofern stellen sich mir bzw. stelle ich Dir ein paar Fragen: Liest Du täglich eine Tageszeitung inkl. Wirtschaftsteil und versuchst, alles zu verstehen? Hast Du schon einmal einen Geschäftsbericht eines deutschen Unternehmens bestellt, gelesen und versucht, diesen von vorne bis hinten zu verstehen? Hast Du Dir einmal im Supermarkt oder im Geschäft Gedanken über deren Ablauforganisation und Marketingstrategie gemacht? Hast Du mal darüber nachgedacht, wie Du die Kostenrechnung bei der Telekom gestalten würdest?

Der Stoff ist nicht trocken. Der Stoff umfaßt Dinge, mit denen wir täglich und ständig zu tun haben. Dinge, die weite Teile unseres Lebens bestimmen und gestalten. Man muß nur den Stoff und das Leben übereinanderlegen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Dazu gehört Freude am Verstehen, Lernen und letzten Endes tiefes Interesse an dem, was man so treibt.

Wenn Du so weitermachst wie bisher wirst Du wie hunderttausende BWL-Absolventen mit der Note „befriedigend“ oder gar „gut“ die Uni verlassen, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, was Du die ganzen Jahre eigentlich getrieben hast. Das wird Dich im Zweifel nicht daran hindern, einen Haufen Kohle zu verdienen (nach Deinen bisherigen Fragen ein anscheinend nicht unwesentliches Anliegen), aber mit einiger Wahrscheinlichkeit wird Dein Studium nicht mehr gebracht haben, als das Zeugnis.

aber gibt es hier vielleicht jemanden, der
schon arbeitet, dem sein Job wirklich Spaß macht oder ihn
zumindest interessant findet, aber das BWL-Studium, v.a. das
Grundstudium sehr trocken und eher langweilig fand?

Zu den ersten beiden Fragen ein ja, zur letzten ein nein.

Gruß,
Christian

Hallo Christian!

…vor dem Studium weder :eine :Ausbildung noch ein längeres :stuck_out_tongue:raktikum…

…direkt von der Schule/BW :ins Studium gestolpert…

Der Stoff ist nicht trocken. :smiley:er Stoff umfaßt Dinge, mit :denen wir täglich und ständig :zu tun haben. Dinge, die :weite Teile unseres Lebens :bestimmen und gestalten. Man :muß nur den Stoff und das :Leben übereinanderlegen…

Danke für den bemerkenswerten Beitrag, der allgemeingültig für jedes Studium und jeden Studenten zutrifft.

Gruß
Wolfgang

Hallo Christian,

ich kann dir und Wolfgang nur zustimmen… und ich bin auch einer derer, die vor dem Studium eine Ausbildung hatten und das Studium unheimlich reizvoll fand. :smile:

Gruß
Marco

Hallöchen,

Hallo, ich bin gerade dabei auf eine meiner ersten Prüfungen
im BWL-Studium zu lernen (2 hab ich schon hinter mir) und
dabei ist mir gerade wieder aufgefallen, dass der Stoff mir
zwar durchaus schaffbar erscheint, aber es doch recht
langweilig ist das zu lernen. Das Vorurteil, dass das
BWL-Studium langweilig und trocken ist, ist wahrscheinlich
vielen bekannt,

kann es sein, daß Du vor dem Studium weder eine kaufmännische
Ausbildung noch ein längeres Praktikum gemacht hast? Das was
ich in den letzten Monaten hier von Dir gelesen habe, erinnert
mich doch sehr an das Gerede meiner Studienkollegen, die auch
zum überwiegenden Teil direkt von der Schule/BW ins Studium
gestolpert sind.

Genauso wie diese scheinst Du die Studieninhalte mehr als
Selbstzweck zu verstehen und nicht als Teil „des großen
Ganzen“. Insofern stellen sich mir bzw. stelle ich Dir ein
paar Fragen: Liest Du täglich eine Tageszeitung inkl.
Wirtschaftsteil und versuchst, alles zu verstehen? Hast Du
schon einmal einen Geschäftsbericht eines deutschen
Unternehmens bestellt, gelesen und versucht, diesen von vorne
bis hinten zu verstehen? Hast Du Dir einmal im Supermarkt oder
im Geschäft Gedanken über deren Ablauforganisation und
Marketingstrategie gemacht? Hast Du mal darüber nachgedacht,
wie Du die Kostenrechnung bei der Telekom gestalten würdest?

Über die Marketingstrategie schon ja und nein ich les nicht täglich Zeitung inklusive Wirtschaftsteil, aber ich interessiere mich dennoch für Wirtschaft und „handel“ auch seit ich ungefähr 14 bin mit Aktien (und habe damit auch schon ein paar tausend Euro verdient und „früher“ regelmäßig Wirtschaftsnachrichten, n-tv, Handelsblatt, etc. gelesen). Soll heißen, dass ich mich nich nur BWL entschieden hab weil ich mal gehört hab, dass man damit viel Geld verdienen kann …

Der Stoff ist nicht trocken. Der Stoff umfaßt Dinge, mit denen
wir täglich und ständig zu tun haben. Dinge, die weite Teile
unseres Lebens bestimmen und gestalten. Man muß nur den Stoff
und das Leben übereinanderlegen, um die Zusammenhänge zu
verstehen. Dazu gehört Freude am Verstehen, Lernen und letzten
Endes tiefes Interesse an dem, was man so treibt.

Wenn Du so weitermachst wie bisher wirst Du wie
hunderttausende BWL-Absolventen mit der Note „befriedigend“
oder gar „gut“ die Uni verlassen, ohne den Hauch einer Ahnung
zu haben, was Du die ganzen Jahre eigentlich getrieben hast.
Das wird Dich im Zweifel nicht daran hindern, einen Haufen
Kohle zu verdienen (nach Deinen bisherigen Fragen ein
anscheinend nicht unwesentliches Anliegen), aber mit einiger
Wahrscheinlichkeit wird Dein Studium nicht mehr gebracht
haben, als das Zeugnis.

Vielen Dank. Du warst mir eine sehr große Hilfe. Ich dachte mir halt, dass es vielleicht den ein oder anderen gibt der das Studium, was ja aus einem nicht allzu geringen Teil aus auswendig lernen besteht, zwar nicht so besonders spannend fand, aber die Praxis dafür umso spannender fand. Und blablabla sag mir bitte für wen Geld keine allzugeringe Rolle spielt. Allerdings ist es mir wirklich viel wichtiger, später einen Beruf auszuüben der mir Spaß macht und den ich interessant finde und vielleicht informier ich mich ja (u.a. in diesem Forum) gerade deswegen wie ein Verrückter - schon mal diese Möglichkeit in Betracht gezogen??

Außerdem war das nur eine kurze Frage, denn ich kann ja jetzt noch nicht wirklich beurteilen wie das Studium im Verlauf sein wird da ich noch nicht allzuviel Lernstoff hatte…aber nochmal vielen Dank für deine nette und aufschlussreiche Stellungnahme :smile:

aber gibt es hier vielleicht jemanden, der
schon arbeitet, dem sein Job wirklich Spaß macht oder ihn
zumindest interessant findet, aber das BWL-Studium, v.a. das
Grundstudium sehr trocken und eher langweilig fand?

Zu den ersten beiden Fragen ein ja, zur letzten ein nein.

Gruß,
Christian

Meinst du, das „reizvoll“ jetzt ironisch? (den Beitrag von Wolfgang habe ich nämlich leicht ironisch verstanden)

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Hallo Fragezeichen,

Deutschkurs hattest du aber?

So wie ich die beiden verstanden habe, haben sie darauf angespielt, dass man sich mit dem Studium identifizieren muss und die theoretischen Dinge auf die Praxis umdenken soll… dann geht das anwenden leichter und auch das lernen und verstehen.

Gruß
Marco

PS: Mit offenen Augen eben durchs Leben ziehen.

So wie ich die beiden verstanden habe, haben sie darauf
angespielt, dass man sich mit dem Studium identifizieren muss
und die theoretischen Dinge auf die Praxis umdenken soll…
dann geht das anwenden leichter und auch das lernen und
verstehen.

hi marco,

ja, so ist es. ich habe es selber beim eigenen leib erfahren. nach meiner berufsausbildung (steuerfachangestellter) mit sehr vielen interessen in wirtschaft und finanzen machte ich mich ans BWL studium. ich verspürte aber, das meine ausbildung bzw. meine tätigkeit mehr mit recht als mit wirtschaft zu tun hat und studiere nun rechtswissenschaften.

studium zum selbstzweck ist m.E. fatal. ich habe viele kommilitonen die sich keine gedanken machen (wenn dann nur bis zu den nächsten semesterferien), man muss sich jedoch zu jeder situation bewusst sein, warum man in seinem leben sowas oder sowas lernt.

falsch ist es hier zuviel auf die „guten bekannten“ zu hören und unsinn zu machen. ich habe auch auf viele leute gehört die meinten, „mensch, bwl das passt doch“ oder so. dummerweise habe ich es gemacht ohne selber mir im klaren zu sein, WARUM ich studieren wollte. nach der ehrlichen selbstbeantwortung stand dann für mich der wechsel BWL --> JURA fest.

gerade in geisteswissenschaften darf man bei einem uni-studium nie den praxisbezug verlieren. zwar ist man nicht in einer FH, aber reine theorie als solche ist nicht (oder selten) verständlich und bringt keine guten absolventen.

leider ist es aber immernoch so, das viele BWL studieren, um danach einen job zu machen, den man auch als industriekaufmann ausüben könnte, nur dass der arbeitgeber eben Dipl. vorausgesetzt hat… vergeudete zeit nenne ich solche studienjahre.

was ich damit sagen will: früh im klaren sein, wohin man wann vorstoßen will (beruflich), ob man dass mit der eingeschlagenen laufbahn auch familiär in einklang bringen kann ist auch wichtig. in verbindung mit vielen kleinen nebenentscheidungen (fakultätsangebot, uni, stadt etc.) sollte dann die entscheidung fallen.

wie gesagt, ein praktikum ist immer sehr sinnvoll und wertvoll, man sollte sich aber nicht voll auf DIESE erfahrungen stützen…

mfg vom

showbee

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Servus Bee,

du bist mein heutiger Held mit diesem fürsprechenden Text… :smile:

Gruß
Marco

PS: und ich hatte schon an meinem Deutschverständnis gezweifelt.

Ich glaub aufgrund meiner kleinen Frage ist wohl ein falscher Eindruck von mir entstanden. Ich denke, dass ich einer der wenigen bin die sich nicht dazu entschlossen haben BWL zu studieren, weils sich ganz gut anhört, weils ihnen geraten worden ist oder weil ihnen nichts anderes eingefallen ist. Genau deswegen versuch ich mich ja so gut es geht zu informieren; ich glaube, dass sich nicht viele BWL-Studenten im ersten Semester so einen Kopf darum machen, was sie später einmal GENAU damit machen können. Leider ist es irgendwie ziemlich schwer sich darüber ausführlich zu informieren :-/ und ich habe sicherlich vor das ein oder andere Praktikum zu machen, aber da werd ich wahrscheinlich auch nur sporadisch mitkriegen wie der Arbeitsalltag eines BWLers (verzeiht mir ich weiß, dass diese komplettverschieden sind :wink:) ausschaut.

Und ich bin übrigens auch der Meinung, dass man sich nicht auf das verlassen sollte, was einem irgendwelche Leute sagen, sondern sich lieber genau darüber informieren sollte. Ich habe z.B. viele Stimmen gehört, die meinten, dass man wenn man chinesisch lernt und BWL studiert hat praktisch schon ausgesorgt hat, von jeder Firma eingestellt wird, etc. etc. (und ich würde übrigens selbst sehr gerne anfangen japanisch oder chinesisch zu lernen nicht nur damit ich viel Kohle mach…), aber ich dachte mir es wär wohl besser wenn ich mal genauer nachfrag in was für Zusammenhängen einem, dass dann direkt was bringt, da es ja auch die Stimmen gibt, die sagen, dass es einem gar nichts bringt, da ja alle Asiaten perfekt Englisch sprechen (was laut anderer Aussagen wiederum absolut nicht der Fall ist, auch im Geschäftsleben)…

Und ich bin auch der Meinung, dass man wenn man was im Studium lernt auch verstehen sollte wozu man das braucht und nicht nur um die Prüfungen zu bestehen (Ich hab mich z.B. auch informiert wozu man Simplex, Determinanten, … braucht wohingegen alle anderen bei mir an der Uni sagen: ahc das braucht man sowieso nie das hat gar nix mit BWL zu tun!). Damit wollt ich nur noch mal klarstellen, dass ich wirklich nicht der Typ Student bin der BWL einfach aufs geratewohl studiert…was ja hier anscheinend manche denken. Ich glaub ich hätte vielleicht den Titel nicht so unglücklich formulieren sollen…das kleine bischen, dass ich über Marketing gehört hab fand ich recht interessant (und darauf will ich mich später, wenn ich bei bwl bleib, auch mal spezialiseren), das andere eher weniger…wobei das ein oder andere z.B. die Wertketten nach Porter schon auch interessant ist, aber ichs insgesamt schon irgendwie trocken finde…verzeiht mir :wink:

Falls ihr mir irgendwelche Tipps geben könntet, wo / wie ich mich darüber informieren kann, was ich später mal im Beruf machen kann/werde und was für Aufgaben ich haben würde, etc. wäre ich wirklich sehr sehr dankbar!! (aber bis jetz konnte mir niemand vernünftige tipps geben, außer praktikum machen, was ich aber erst nach dem wintersemester machen könnte)

Grüße, Fragezeichen!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

stimme dir voll und ganz zu, will jetzt auch BWL studieren, und nur aus einem Grund: Weil ich den ganzen Mist mit dem ich tag täglich zu tun habe verstehen will.

Ich lese Schöder und andere, deshalb denke ich auch das wenn man die Zusammenhänge erkennt das Ganze nicht uninteressant ist, ganz im Gegenteil!
gruss

stefan

Theorie und Praxis
Hallo,

Über die Marketingstrategie schon ja und nein ich les nicht
täglich Zeitung inklusive Wirtschaftsteil, aber ich
interessiere mich dennoch für Wirtschaft und „handel“ auch
seit ich ungefähr 14 bin mit Aktien

und nach welchen Kriterien gehst Du da vor? Zeitungsmeldungen, Geschäftsberichte, Kennzahlen? Was bedeutet es, daß die Salzgitter AG im Geschäftsjahr 2003 einen passivischen Unterschiedsbetrag in Höhe von 56 Mio. aufgelöst hat und insgesamt einen Konzernüberschuß von 28 Mio. ausweist? Würdest Du die Aktie kaufen oder nicht?

Was bedeutet es, daß die Jenoptik AG im Geschäftsbericht folgendes schreibt: „Bei Lieferungen und Leistungen im Konzern zu marktüblichen Bedingungen wurde auf eine Zwischenergebniseliminierung verzichtet, da die Ermittlung der Zwischenergebnisse einen unverhältnismäßigen Aufwand verursacht.“

Aktie kaufen oder nicht? Hilft die Information, daß es seit 2002 nicht mehr gestattet ist, auf die Eliminierung von Zwischengewinnen zu verzichten, weil sie zu aufwendig ist? Der Paragraph 304 (2) (alte Fassung) wurde nämlich gestrichen. Huch!? Und was mit die Jenoptik auf meine Anfrage hin geschrieben hat, hilft auch nicht weiter. Doppelhuch!? Achja: Was sind eigentlich Zwischengewinne und was für eine Folge kann es haben, wenn sie nicht eliminiert werden?

ein paar tausend Euro verdient und „früher“ regelmäßig
Wirtschaftsnachrichten, n-tv, Handelsblatt, etc. gelesen).

Gelesen ist gut. Hast Du auch alles verstanden? Und wenn nicht: Was hast Du dagegen getan? Weitergelesen oder recherchiert? Willkürlich bei http://news.google.de herausgegriffen, was bedeutet diese Meldung und was ist ihre Folge:
http://finanzen.sueddeutsche.de/nws.php?nws_id=10003…

Vielen Dank. Du warst mir eine sehr große Hilfe. Ich dachte
mir halt, dass es vielleicht den ein oder anderen gibt der das
Studium, was ja aus einem nicht allzu geringen Teil aus
auswendig lernen besteht,

Mal im Ernst: Glaubst Du, daß jemand, der sich hin und wieder freiwillig mit Geschäftsberichten beschäftigt, noch auswendig lernen muß, wofür jede Bilanzposition da ist? Glaubst Du, daß man wirklich noch auswendig lernen muß, wie Prozeßkostenrechnung funktioniert, wenn man sich mal spaßeshalber mit einer vernünftigen Kalkulation für die Telekom beschäftigt hat? Glaubst Du wirklich, daß man noch auswendig lernen muß, zu welcher Kolonialmacht Macau früher gehörte, wenn man sich für das Thema wirklich interessiert? (Die letzte Frage wurde mir tatsächlich unmittelbar vor der BWL-Diplomklausur Ostasienwirtschaft von einer Studienkollegin gestellt.)

Natürlich muß man ein paar Sachen auswendig lernen. Die Menge nimmt aber rapide ab, wenn man sich für die Thematik wirklich interessiert und wenn man sich auch freiwillig mit ihr beschäftigt.

zwar nicht so besonders spannend
fand, aber die Praxis dafür umso spannender fand.

Die Theorie ist die Praxis, oder besser: Die Praxis ist die Theorie, nur mit Leben gefüllt und das hast Du selbst in der Hand. Wenn Du den 2003er Geschäftsbericht dieser Gesellschaft http://www.garant-schuh.de/ir.htm gelesen und vollständig verstanden hast, bist du jedem Deiner Kommilitonen um Lichtjahre voraus. Keiner der Absolventen Eures Jahrgangs wird in der Lage sein, jede Position von Guv-Rechnung und Bilanz ohne weitere Erklärungen und Recherchen zu verstehen oder gar wiederum einem Dritten zu erklären.

Im Grundstudium lernst Du in Rechnungswesen die Theorie bzgl. Bilanzpositionen und im Hauptstudium vielleicht in einem Seminar etwas über IAS/IFRS und US-GAAP. Das ist die Theorie. Lies den Geschäftsbericht, versuche ihn zu verstehen und im Zweifel stelle hier einige Fragen dazu und schon wird die Theorie zur Praxis. So lernt man wirklich was. Alles andere ist nur Archivierung von einigen Bröckchen Halbwissen mit entsprechender Halbwertszeit.

Das funktioniert mit allen Fächern. Der Praxisbezug ist da, überall. Du mußt ihn nur sehen und herstellen. Marketing: Warum ist der Slogan „Jetzt auch in allen Dörfern rund um Köln“ für ein Kölsch eine Schnapsidee, oder vielleicht auch nicht. Organisation: Was hälst Du als Kunde von Hotlines? Controlling: Wo liegt das Problem beim Betrieb von Bibliotheken? Oder meine Lieblingsfrage: Was haben Film- und Pharmabranche gemeinsam?

Das soll reichen. Ich will Dich nicht ärgern, aber ich sehe hier einen noch formbaren Studenten vor mir :wink: Du hast jetzt noch die Möglichkeit, aus Deinem Studium etwas zu machen und am Ende mit mehr dazustehen als mit einer Diplomurkunde und dem dazugehörigen Diplomzeugnis, nämlich mit einem theoretischen Wissen, das durch Einbettung in die Realität erheblich an Wert gewonnen hat und damit zum Verständnis wurde. Du kannst wie die meisten anderen Studenten wie eine sich langsam füllende Regentonne Informationen und Wissen sammeln und Dich dann am Ende damit fröhlich gluckernd zur Diplomprüfung begeben.

Oder Du nimmst das Studium (das Hauptstudium wird auch nicht viel anders als das Grundstudium, mach Dir da bloß nichts vor) nicht als etwas trockenes, das man überstehen muß, sondern verstehe die dort vermittelten Inhalte als Grundgerüst, dessen Zwischenräume Du selbst auffüllen mußt, damit das ganze einen verwertbaren Sinn ergibt.

Gruß,
Christian

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