während der Stern vom „Sexskandal-Minister Profumo“ und dem 19-jährigen „Model“ bzw. „Partygirl“ Christine Keeler spricht http://www.stern.de/politik/historie/:Gro%DFbritanni…
hat der Spiegel einen
CALLGIRL-MINISTER samt "Mannequin Christine Keeler
Hallo, Jakob,
du darfst nicht vergessen, in welcher Zeit dieser Fall spielte. In den frühen 60er Jahren war man nun einmal in Sachen Sexualität zurückhaltend (um es freundlich auszudrücken). Die Nitribitt-Affäre - allerdings ohne politisch Auswirkungen - war kurz vorher in Deutschland ein ähnlicher Skandal. Und auch die Aufregung um Hildegard Knef (Die Sünderin) oder Ulla Jacobsson (Sie tanzte nur einen Sommer) sind kennzeichnend für diese Aera.
Und da war die Bezeichnungen „Partygirl“ oder selbst „Mannequin“ bereits stark negativ besetzt. Das waren Frauen, die sich mit Männern zeigten, mit denen sie weder verlobt noch verheiratet waren. Selbst wenn diese Damen reine Begleiterinnen gewesen wären, so „etwas“ tat man damals nicht.
Da war „Partygirl“ noch die neutralste Bezeichnung. Die Worte „Hure“ oder „Nutte“ waren im Vokabular nicht vorhanden. Dieser ganze Bereich war für respektable Bürger nicht vorhanden, unaussprechlich und schon gar nicht zu „beschreiben“.
Nicht zuletzt diese Doppelmoral (man tat es zwar heimlich, sprach aber nicht darüber und wenn, dann nur in verächtlichem, entrüstetem und verurteilendem Ton) führte u.a. zu der Entstehung einer Jugend- und Protestkultur, die einfach so nicht mehr leben wollte. Immerhin dauerte es ja dann noch etliche Jahre, bis sich der aufgestaute Frust Ende der 60er entlud.
Um den Bogen zu den Bezeichnungen zu kriegen: Es gab keine angemessene und „anständige“ Benennung dafür. Rosemarie Nitribitt, Christine Keeler, Mandy Rice-Davies und andere „Halbweltdamen“ waren so fern des anständigen Bürgertums, dass es dafür einfach (noch) keine druckfähige Beschreibung dafür gab.
Ich erinnere mich dunkel, in meiner Kindheit manchmal den
Ausdruck
„Lebedamen“ gehört zu haben.
Oder war das was anderes?
nein - das war der übliche Begriff, wenn man den Begriff ‚Prostituierte‘ vermeiden wollte, ohne ‚Gossensprache‘ zu benutzen - die Presse war sehr viel zurückhaltender als heute; ein Begriff wie ‚Hure‘ oder gar ‚Nutte‘ fand sich allenfalls in Heftchen wieder, die unter dem Ladentisch gehandelt wurden.
Der Begriff ‚Lebedame‘ hat allerdings die Konnotation eines gehobenen Preisstandards - bezeichnete also das, was heute unter ‚Edelnutte‘ verstanden wird. Der ‚Lebemann‘ hingegen ging keinerlei Tätigkeit (auch keiner dienstgewerblichen) zur Erzielung eines Einkommens nach - das wäre wiederum ein Gigolo (oder noch altmodischer ‚Eintänzer‘) gewesen. Beide Bezeichnungen meinen natürlich ursprünglich einen mietbaren Tanzpartner - wobei man in einem solchen Beruf eben auch häufig die Möglichkeit eines Nebenverdienstes nutzte …
Der Lebemann hingegen führte lediglich einen (durchaus auch sexuell) ausschweifenden Lebenswandel. Wobei der Begriff natürlich das ‚Gschmäckle‘ moralischer Missbilligung hatte.
Ich denk schon; Lebedamen haben das Geld schon. Sie müssen sich dafür nicht mehr zurücklegen. Woher sie das Geld haben, darf man dabei nicht immer fragen. (s. u.)
Dazu:
_ Le|be|da|me , die [geb. nach Lebemann] (abwertend): elegante, reiche Frau, die im Luxus lebt u. dem sinnlichen Genuss ergeben ist.
A: Woher haben denn die Schmidkys das viele Geld?
B: Nun, er soll früher gut verdient und sich was zurückgelegt haben.
C: Ich habe gehört, dass sie sich früher was zurückgelegt und dabei gut verdient hat.
Nun müsst ihr ein wengerl streiten, ihr Zwei:smile:)
War nun eine Lebedame „nur“ eine sehr lebendige Dame oder schon eine Edelprostituierte - und wenn sie letzteres war, dann war sie vermutlich genau das, was Jakob in seiner Eingangsfrage gemeint hat und John Profumo ein „Lebedamenminister“??
du darfst nicht vergessen, in welcher Zeit dieser Fall
spielte…60er Jahre…
Und da war die Bezeichnungen „Partygirl“ oder selbst
„Mannequin“ bereits stark negativ besetzt…
„Hure“ oder „Nutte“ waren im Vokabular nicht vorhanden…
Nicht zuletzt diese Doppelmoral (man tat es zwar heimlich,
sprach aber nicht darüber und wenn, dann nur in verächtlichem,
entrüstetem und verurteilendem Ton)…
Heute ist das, keine Frage, alles ganz anders.
Lockerer geht’s kaum noch, das Reden, und zwar allenthalben.
Huren sind Dienstleisterinnen, treten als solche öffentlich auf etc.;
die Zeitungen sind voller Angebote, 400’000 Frauen sollen
allein in Deutschland einen solchen „Arbeitsplatz“ haben.
Dazu viele nebenberufliche.
Aaaaaber:
Wer nimmt eigentlich deren Dienstleistungen in Anspruch ?
Im Durchschnitt täglich 1’000’000 Männer ? Weniger ? Mehr ?
Wie nennt man die ? „Freier“ ? (blödes Verlegenheitswort)
Kennt jemand auch nur einen, der’s zugibt ?
Da verstummt das lockere Gerede.
Dies nur als Anmerkung zum Fortschritt seit den 60ern.
Nun müsst ihr ein wengerl streiten, ihr Zwei:smile:)
Nun, es braucht keinen Streit. Ich bin sicher, dass man, als man das Wort „Lebedame“ prägte, es wirklich nur ein Pendant zu Lebemann war.
Eine solche Dame hatte Geld genug und es nicht nörtig sich für ihre Liebesbezeigungen bezahlen zu lassen.
Im Gegenteil, sie wird sich ihre Eintänzer und Gigoli und Papagalli schon selber ausgesucht und entsprechend honoriert haben.
Ich denke da an Madam Houpflé.
Das man solches Verhalten bei einer Frau weniger akzepieren kann als bei einem Mann, lässt sie moralisch natürlich ganz schlecht aussehen.
Es waren dann die prüden Zeiten, die den Ausdruck dann auch auf Edeldirnen münzten.
Guckt man bei http://wortschatz.uni-leipzig.de/ wird man nur in den Kindlerartikeln die ursprüngliche Bedeutung finden oder etwa dies:
Colette, die mondäne Lebedame und Schriftstellerin, stammt aus tiefster burgundischer Provinz und notierte über ihre Heimat: "Ich gehöre dem Land, das ich verlassen habe. (Quelle: DIE WELT 2000)
Ansonsten ist in der Tat fast nur von Nitribitt und Brühne die Rede.
Aber wie sagte schon Nietzsche:
„Auch das Konkubinat ist korrumpiert worden - durch die Ehe.“
Fritz hat schon recht. Grundsätzlich handelte es sich - wenn der Begriff ‚Lebedame‘ auf eine Dame, die ‚sich aushalten ließ‘, angewandt wurde - um einen Euphemismus, ähnlich wie beim Gigolo als männlichem Gegenstück. Das Anrüchig-Unmoralische wird da eher angedeutet als ausgesprochen. Im täglichen Sprachgebrauch allerdings war der Begriff in seiner euphemistischen Bedeutung bald geläufiger als in seiner ursprünglichen, wie auch Fritz’ kleine quantitative Recherche gezeigt hat.
Die ‚Lebedame‘ wurde so im 20. Jahrhundert zur Nachfolgerin der ‚Kurtisane‘, die mit der Belle Époque unterging. Der literarische Archetypus der Lebedame ist Wedekinds ‚Lulu‘.
Die ‚Lebedame‘ wurde so im 20. Jahrhundert zur Nachfolgerin der ‚Kurtisane‘, die mit der Belle Époque unterging. Der literarische Archetypus der Lebedame ist Wedekinds ‚Lulu‘.
Verzeih, Ralf, dass ich schon wieder etwas anderer Meinung bin.
DIE Kurtisane war doch wohl die „Kameliendame“ von Dumas!
Lulu erscheint mir eher als männermordende femme fatale.