Hallo,
folgende Frage: Nach Calvin gibt es für die Menschen keine Möglichkeit herauszufinden, ob sie denn nun zu den Ewälten gehören oder nicht; wie aber ist das bei Calvin selbst? Hielt er sich für „erwählt“?
Hatte diese Diskussion kürzlich und ziemlich konträre Meinungen dazu. Erinnere mich auch an einen Textabschnitt von Max Weber (die protestantische Ethik, hrsg. Winckelmann, Gütersloh 1979, S. 127), in dem er sagt: „Für Calvin selbst war dies (die Frage nach der eigenen Erwähltheit) kein Problem. Er fühlte sich als ‚Rüstzeug‘ und war sich seines Gnadenstandes sicher…“
Das hatte ich bisher immer so hingenommen. Nun frage ich mich aber worauf Weber diese Aussage begründet. Gibt es überhaubt Schriften in denen sich Calvin in irgendeiner Form zu seiner eigenen Erwähltheit äußert? Kennt sich hier jemand besser damit aus?
Grüße von Kati
Naja, es ist allgemein bekannt, dass besonders Philosophen dazu neigen, bestimmte Sachen, die Voraussetzungen für ihre Theorien sind bzw. diese in irgendeiner Art stützen, als gegebene Tatsachen hinzunehmen. Nicht wenige philosophische Texte beginnen etwa so: „Wir stellen uns also eine Welt/Gesellschaft vor, in der…“
Auch wenn das evtl. nicht zur Klärung deines Problems beiträgt, wollte ich es mal gesagt haben.
MfG
El Eric
Hallo,
grundsätzlich ist wohl festzuhalten, dass Calvon nicht der Erfinder der doppelten Prädestinationslehre war. Vielmehr ist der entscheidende Denker in dieser Richtung Augustin. Seine Vorgänger waren interessanter Weise die frühchristlichen Gnostiker…
Auch Luther hat übrigens die Möglichkeit der Verwerfung in seine Soteriologie mit einbezogen, da nur so die absolute Souveränität und Verlässlichkeit Gottes denkerisch zu behaupten sei.
Hatte diese Diskussion kürzlich und ziemlich konträre
Meinungen dazu. Erinnere mich auch an einen Textabschnitt von
Max Weber (die protestantische Ethik, hrsg. Winckelmann,
Gütersloh 1979, S. 127), in dem er sagt: „Für Calvin selbst
war dies (die Frage nach der eigenen Erwähltheit) kein
Problem. Er fühlte sich als ‚Rüstzeug‘ und war sich seines
Gnadenstandes sicher…“
Max Weber war natürlich nicht an der Theologie Calvins interessiert, sondern an den soziologischen Ausformungen des ihm vorliegenden Calvinismus, der seit dem 17.Jh. unter dem syllogismus practicus steht.
Das hatte ich bisher immer so hingenommen. Nun frage ich mich
aber worauf Weber diese Aussage begründet. Gibt es überhaubt
Schriften in denen sich Calvin in irgendeiner Form zu seiner
eigenen Erwähltheit äußert? Kennt sich hier jemand besser
damit aus?
Auzs seinen Schriften kann man das nicht schließen, schon aber aus seinem Verhalten vermuten. Oder besser: Genauso wie bei Augustin liegt hier ein entschiedener Denkfehler, in gewisser Weise haben beide gemeinsam, erkannt zu haben, dass nicht jeder „gute Mensch“ vielleicht auch vor Gott ein solcher sein muss, aber beide sind dafür nie auf die Idee gekommen, dass diese Erkenntnis auch zur Folge haben müsste, die eigene Lehre nicht absolut zu setzen.
Luther ist wenigstens dieser Falle entkommen, was aber an seiner anderen Ausrichtung der Theologie sowie an seiner Überzeugung, dass Anfechtung immer dazu gehört, liegt.
Grüße,
Taju