bei mir wurde eine Darminfektion mit dem Campylobacter festgestellt. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt (ich bin selber dorthin gegangen nachdem blutige Durchfälle auftraten) nehme ich jetzt Ciprofloxacin.
Da mir der Erreger nichts sagte, habe ich im Internet recherchiert und gesehen, dass durch ihn das „Guillain-Barré-Syndrom“ ausgelöst werden kann. Davor habe ich jetzt große Angst (jeder eingeschlafene Fuß wird direkt zur Qual…).
Weiß jemand wie wahrscheinlich es ist sich mit 28Jahren mit dieser Krankheit zu infizieren? Wird die Wahrscheinlichkeit bei Antibiotika-Einnahme geringer?
Hallöchen,
erst mal kein Grund zur Panik. Die Komplikation des Guillain-Barre-Syndrom tritt vergleichsweise selten nach einer Campylobacter-Infektion auf, wohingegen Campylobacter Durchfälle sehr häufig (allerdings i.d.R. mikrobiologisch nicht erfasst) sind. Meist sind die nicht so schwer verlaufend, so dass die Patienten keine Stuhluntersuchung machen lassen wodurch der Erreger nicht erkannt wird. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nur bei schweren Fällen notwendig (bei blutigem Durchfall in Ordnung). Ob die antibiotische Therapie aber einen Einfluß auf ein eventuelles GBS hat, weiss ich nicht.
Wichtig:
Man muss für die Beantwortung der Frage noch nach der Campylobacter Spezies unterscheiden. Es gibt mehrere, die humanmedizinische Bedeutung haben:
_Campylobacter jejuni _ (Durchfälle),
_Campylobacter coli _, als Verursacher von Sepsis, Harnwegsinfektionen, Arthritiden oder eben dem Guillain-Barré-Syndrom,
_Campylobacter fetus _, mit ähnlichem Krankheitsspektrum wie Campylobacter coli, jedoch häufiger isoliert.
Das perfide an der Situation ist, dass eine GBS u.U. erst lange nach einer solchen Infektion auftreten kann.
Das GBS wird dabei durch Antikörper gegen den Erreger hervorgerufen. Vereinfacht ausgedrückt erkennen diese Antikörper auch bestimmt Strukturen auf den Nervenzellen, was zu deren Schädigung und damit zu dem GBS führt (welches häufig aber nicht immer und nicht immer zu 100% reversibel ist).
Kläre noch einmal ab, welche Species bei Dir isoliert wurde. Danach kannst Du bezüglich des tatsächlichen Risikos ggf. noch einmal einen infektiologisch orientierten Mediziner um Rat fragen. Eine Prävention gibt es nicht, aber, wie eingangs gesagt, das GBS tritt sehr selten auf.
Viele (mitfühlende) Grüße
Oliver
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bei mir wurde eine Darminfektion mit dem Campylobacter
festgestellt. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt (ich bin
selber dorthin gegangen nachdem blutige Durchfälle auftraten)
nehme ich jetzt Ciprofloxacin.
Und um Oliver noch zu ergänzen (Hi Oliver , danke nochmal für die TB-Infos): Mittel der Wahl bei Campylobacter-Therapie ist eigentlich das Makrolid-Antibiotikum Erythromycin. Ciprofloxacin wird zur Therapie von Salmonellosen und zur kalkulierten Therapie genereller Durchfallerkrankungen verwendet. Wirkt zwar auch bei Campylobacter, jedoch sind mehr als 50% der Campylobacterstämme gegen dieses Antibiotikum resistent. Wie Oliver schon sagte, solltest du untersuchen lassen (falls deine Ärzte dass noch nicht getan haben), um welchen Erreger es sich genau handelt und zusätzlich sollte getestet werden, welches Antibiotikum am besten gegen diesen Stamm wirkt (Antibiogramm). Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass dein Arzt dir das falsche Antibiotikum verschrieben hat. Erythromycin kann unangenehme Nebenwirkungen haben (Übelkeit, Erbrechen, etc.), und die Einnahme bei Vorerkrankungen (z.B. der Leber) ist zu vermeiden. Daher ist es umso wichtiger, einen Erregernachweis mit Antibiogramm zu machen, um dann gezielt therapieren zu können.
Vielleicht ist das in deinem Fall schon gemacht worden, und „dein Campylobacter“ ist gegen Ciprofloxacin empfindlich. Da solltest du allerdings mal nachhaken und deinen Arzt (Ärzte) nochmal fragen.
@ Dine: Das Antibiotikum was ich gerade nehme, wurde mir im Krankenhaus verabreicht als die Ergebnisse der Stuhlprobe noch nicht da waren. Da sich mein Zustand im Krankenhaus sehr gebessert hat, wollte man mir eigentlich gar kein weiteres Antibiotikum mehr geben.
Ich soll es jetzt nur weiter nehmen, da man es ja nicht einfach so absetzen sollte.
Trotzdem aber danke für den Tipp, wenn ich sowas noch mal kriegen sollte (was ich echt nicht hoffe…) weiß ich dann auf jeden Fall schon mal worauf ich achten muß.
Nochmals vielen Dank für Deine Antwort.
@Oliver: Ich muß am Freitag noch mal zu meinem Arzt und werde dann auf jeden Fall den genauen Erregertyp erfragen.
Es beruhigt mich schon mal, dass Campylobacter wohl recht häufig vorkommt. Ich dachte da er meldepflichtig ist (werde wohl bald Post vom Gesundheitsamt kriegen…), dass es sich um einen seltenen Keim handelt.
Das GBS im Vergleich zu einem relativ hohen „Campylobacter-Aufkommen“ dann immer noch selten ist, lässt mich hoffen. Sollte ich es trotzdem bekommen (verhindern kann ich es ja wohl leider eh nicht…) dann weiß ich die Symptome wenigstens einzuordnen und kann vielleicht dafür sorgen, dass es direkt diagnostiziert und behandelt wird. (sofern ich dann noch sprechen kann ).
Es beruhigt mich schon mal, dass Campylobacter wohl recht
häufig vorkommt. Ich dachte da er meldepflichtig ist (werde
wohl bald Post vom Gesundheitsamt kriegen…), dass es sich um
einen seltenen Keim handelt.
Der Keim an sich ist wirklich nicht selten (relativ leicht auf Hühnerfleich nachzuweisen), auch die Erkrankung nicht. In manchen Lehrbüchern findet sich gar der Satz, Campylobacter Infektionen seien die häufigste Durchfallerkrankung. Ob des nu wieder stimmt sei dahin gestellt. Da aber schwere, blutige Durchfälle die Ausnahme sind (so was würde man eher bei E. coli oder Shigellen erwarten) gehen die meisten Patienten nicht zum Arzt. Selbst wenn, würde der Doc im Normalfall keine Bakteriologie aus dem Stuhl/Durchfall machen lassen. Daher ist die Anzahl der Nachweise und Meldungen weitaus geringer als die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit. Das gleiche gilt übrigens auch für Salmonellen. Die sind ebenfalls meldepflichtig und die Anzahl der Meldungen liegt in der Größenordnung (habe keine konkrete Zahl) von etwa 150 pro 100.000 Einwohner. Experten gehen allerdings davon aus, das eine Salmonellen-Infektion tatsächlich etwa 10 mal häufiger ist.
Soweit halt noch zur Info.
Viele Grüße,
Oliver