Cannabis - Fluch oder Segen?

Hi, mich interessiert folgendes:

Cannabis ist ja nun auch in Deutschland für medizinische Zwecke legal.

Mir wurde von einer Ärztin mal gesagt, dass es gut gegen Tics ist usw.

Ich frage mich, ob es auch bei Ängsten, Depressionen und Anspannung im Rahmen von Borderline hilfreich ist?

Ich würde da einfach mal einen Psychiater darauf ansprechen. Aber vielleicht weiß hier auch jemand was dazu.

Meine Schwester konsumiert es regelmäßig und auch damals an der FH, taten es viele.

Wie sieht es aber mit Psychosen aus? Können diese nicht durch THC zu tage treten, wenn man die Neigung dazu hat?

Die gleiche Ärztin welche mir das mit den Tics gesagt hat, hat aber eine andere Patienten der Klinik verwiesen, weil sie weiterhin “gekifft“ hat und eine Psychose hatte…

Ist das Risiko gegeben?

Mir wurde mal von einer Psychiaterin in einer Klinik gesagt, sie findet es beachtlich und sehr lobenswert, dass ich mit meinem Leben keine Drogen konsumiere und konsumiert habe und dass ich stolz darauf sein kann, aber vielleicht wäre das eine Alternative um quälende Symptome zu deckeln???

Wofür ist es noch gut? Wer hat Erfahrungen?

Danke und lg norma

Der Post sollte eigentlich auf dem Brett Gesundheit - Medikamente erscheinen… wäre schön wenn das geändert werden könnte. Bei mir geht es wegen meinem blöden Handy nicht…sorry und danke

Die regelmäßigen Konsumenten wollen aus Cannabis ein Wunderheilmittel machen, nicht um den Menschen zu helfen, sondern den eigenen Konsum zu legalisieren. Ok, nur der Besitz ist strafbar, aber Konsum ohne vorherigen Besitz ist wohl unmöglich.

Warum sollte man die Pflanze nicht als Medikament nutzen? Bei der Therapie muß aber der Nutzen den Schaden überwiegen. Cannabis kann auch Psychosen bei bisher gesunden Menschen auslösen. Gehirnschäden bei vor allem jugendlichen Konsumsenten sind auch nicht ganz auszuschließen.

Sehr wirksame Medikamente sind aus guten Grund verschreibungspflichtig und so sollte es auch bei Cannabis bleiben. Ich würde vorsichtig sein, in Cannabis den letzten Strohhalm zu sehen.

ja, Cannabis hilft bei gewissen „Tick“-Patienten…

… siehe Bsp.:

Ob diese auch Psychosen heilen können entzieht sich meines Wissens.
Vorweg - ich bin kein Arzt um hier professionelle Auskunft geben zu können, jedoch kann ich dir aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich in meinem Freundeskreis jemanden kenne, bei dem es eine Psychose AUSGELÖST hat.

Eine Thematik, mit der man sehr vorsichtig umgehen sollte. Ich selbst bin diesem Kraut persönlich nicht abgeneigt und ziehe es einem Alkoholrausch sogar vor, aber wie auch beim Alkohol heißt die Devise: in Maßen OK, in Massen nicht OK.

In meinem Bekanntenkreis kenne ich viele Konsumenten die alle samt etwas unterschiedlich darauf reagieren. Manche kommen „runter“, die meisten werden sehr lustig :), anderen wird einfach nur schlecht und bekommen Herzrasen, und bei anderen wiederum wirkt es Gefühls- Emotionsverstärkend.
Und das ist glaube ich der springende Punkt in deinem Fall. Den Effekt einer Emotionsverstärkung bei der Borderlineerkrankung ist definitiv nicht erwünscht - dann geht nämlich der Schuss gewaltig nach hinten los.

Ich habe einen Extremfall psychischer Erkrankung (nicht durch Drogen ausgelöst) miterleben müssen, und ich kann nur sagen - obwohl ich kein Freund westlicher Medizin bin - dass ich heilfroh bin welch fortschrittliches Wissen und Medikamente wir haben um psychisch erkrankten Menschen helfen zu können. Deswegen wäre hier mein Rat, gerade was die äußerst empfindliche Psyche angeht, hier wirklich auf den Rat und die Meinung eines professionellen Psychiaters zu hören - und nicht auf Meinungen unbekannter in einem Forum, die in dem Fall nicht ausreichend involviert sind.

Mit psychischen Erkrankungen ist nicht zu spaßen! Leider dürfen sogar Hausärzte psychische Medikamente verschreiben, ein Missstand der meiner Meinung nach sofort behoben werden müsste! Es gibt unzählige Medikamente die unterschiedlich wirken! Letztendlich ist das keine gewöhnliche Schmerztabeltte und sollte nur von Menschen verschrieben werden dürfen, die genau wissen was sie tun und den Patienten dementsprechend gut kennen.

PROFESSIONELLE Hilfe aufsuchen - keinen Hausarzt!
Und wenn du noch nie Cannabis eingenommen hast, dann auch keine Experimente damit durchführen, der Schuss kann wie gesagt gewaltig nach hinten losgehen!
Das ist mein Rat an dich.

Weiters sollte man im Hinterkopf behalten, dass Cannabis nicht unbedingt ein Heilmittel ist - das die URSACHE bekämpft, sondern meist nur eine kurzzeitige Linderung der Beschwerden hervorruft.

Gruß

Schade dass ich für diesen Beitrag nur einmal hilfreich geben kann :smile:

Hallo Norma,

Das ist richtig, es kann da helfen. Extrapyramidale Hyperkinesie (dazu gehören z.B. Tics) ist eine typische Indikation für Cannabis.

Grundsätzlich wird Cannabis auch bei Depressionen, Angst- und auch Schlafstörungen eingesetzt. Allerdings besteht hier in besonderem Maß die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Ich bezweifle jedoch, dass ein Facharzt bei einer diagnostizierten Borderline-Störung Cannabis verschreiben würde. Deswegen ist das:

… eine gute Idee. Von einer illegalen Selbstbehandlung (ohne ärztliche Kontrolle) ist da strikt abzuraten.

Ja. Es ist seit langem bekannt, dass Cannabiskonsum (insbesondere exzessiver, natürlich) eine latente Psychose zum Ausbruch bringen kann. Genau das war offensichtlich der Grund hierfür:

Es gibt keine amtliche ‚Liste‘ mit zulässigen Indikationen - da wird noch experimentiert. Vorwiegend wird es jedoch zur Schmerztherapie eingesetzt, insbesondere bei neuropathischen Schmerzen. Spastik bei multipler Sklerose. Chronische Übelkeit / Erbrechen z.B. als Folge einer Chemotherapie. Auch bei dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis. Chronische Darmentzündungen wie Colitis ulzerosa und Morbus Crohn. Auch bei Glaukom (grünem Star) wird es eingesetzt. Die grundsätzliche Frage ‚Fluch oder Segen‘ dürfte sich damit beantworten lassen.

Freundliche Grüße,
Ralf

Die „regelmäßigen Konsumenten“ wollen schlicht nicht kriminalisiert werden, sondern genau so behandelt werden wie die Konsumenten anderer, gesundheitlich weitaus bedenklicherer Drogen wie Nikotin und Alkohol.

Dafür hätte ich gerne einen belastbaren Beleg. Möglichst aus einer seriösen Fachzeitschrift, nicht aus der Bildzeitung oder ähnlichen Organen. Dafür:

… gilt dasselbe. Vgl. https://www.spektrum.de/news/schadet-marihuana-dem-gehirn/1394979
Bei Alkohol hingegen ist das hingegen nicht nur „nicht auszuschließen“, sondern unzweideutig wissenschaftlich nachgewiesen.

Mit der tatsächlichen Bedenklichkeit wäre ich äußerst vorsichtig.
Das Entkriminalisieren von Cannabis erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz und Verbreitung einer weiteren Droge und das kann sich wirklich keiner wünschen, außer den Konsumenten selbst. Die beste Lösung für dieses Klientel wären Coffeshops wie in den Niederlanden, Duldung statt Verherrlichung von Cannabiskonsum.

Zur Erinnerung: es war nicht die Rede davon, Cannabis sei unbedenklich - im Gegenteil denke ich, mich dazu im Gegensatz zu Anderen ziemlich differenziert geäußert zu haben. Es ging um die gesundheitlichen Gefahren der illegalen Droge Cannabis (dazu weiter unten ein Link) im Vergleich zu denen der legalen Drogen Nikotin und Alkohol. Der gesellschaftliche Schaden, der durch Tabakkonsum entsteht, lässt sich nach einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums von 2015 mit ca. 80 Milliarden € / Jahr beziffern. Etwa 2,8 % des Bruttoinlandsprodukts. Vergleichbare Daten zum Alkoholmissbrauch liegen nicht vor (wobei man über die Gründe spekulieren könnte), aber es ist zumindest bekannt, dass laut einer Pressemitteilung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. von 2016 jährlich ca. 74.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholkonsums sterben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in den Jahren 2010-2014 jährlich zwischen etwa 392.000 und 402.000 Patienten wegen Hauptdiagnosen gemäß ICD-10 im Zusammenhang mit Alkohol stationär behandelt - dabei sind ambulante Behandlungen noch gar nicht berücksichtigt (Quelle).

Das liegt um etliche Größenordnungen über dem, was selbst bei extremster Schwarzmalerei bei einem gleichbar hohen Cannabiskonsum zu erwarten wäre. Dafür leisten wir uns da die Kosten für die Kriminalisierung von ca. 4 Mio. Konsumenten und ca. 130.000 Strafverfahren jährlich.

Dass eine Freigabe durch die nachgewisene breite therapeutische Wirkung von Cannabis zu einer Kostensenkung im Gesundheitswesen beitragen könnte, sei hier zumindest ergänzend noch angemerkt.

Wie gerade das von Dir genannte Beispiel Niederlande zeigt, erhöht das die gesellschaftliche Toleranz - ein signifikant erhöhter Konsum (bereinigt durch ‚Drogentourismus‘ nicht zuletzt aus Deutschland) lässt sich hingegen nicht belegen.

Das wiederum halte ich aus Gründen des Jugendschutzes für richtig, da epidemiologische Studien belegen, dass früher Beginn (< 15. Lebensjahr) und häufiger Cannabiskonsum in der frühen Adoleszenz mit geringerem Bildungserfolg assoziiert sind. Die statistischen Daten weisen auf eine lineare negative Korrelation von Beeinträchtigungen beim Bildungserfolg und Alter des regelmäßigen Konsumbeginns hin (Quelle).

Wo bitte siehst Du denn eine „Verherrlichung“ des Cannabiskonsums?