Hallo Wolfgang,
Weshalb nun also diese zweifellos korrekten Transporte auch
noch behindern und gefährden?
Kernkraft ist eine feine Sache. Es gibt zwar viel Abwärme,
aber keine Stickoxide. Wenn die Entsorgung radioaktiven
Materials nicht wäre, für das es bis heute kein schlüssiges
Entsorgungskonzept gibt. Also wird zwischengelagert. Auch eine
Endlagerung ist beabsichtigt, nämlich in den Salzstöcken unter
Gorleben. Die radioaktiven Abfälle sind nun einmal vorhanden.
Irgendwo müssen wir damit hin. Niemand kann aber wirklich
wissen, was er da tut. Es sind Entscheidungen für
Jahrhunderte. Es gibt nur Mutmaßungen, aber zu wenig
gesichertes Wissen über die Lagerung für die Ewigkeit. Deshalb
gilt das erste Bestreben dem Ausstieg aus einer Technologie
mit ungelöster Entsorgungsproblematik.
Die Planer haben die Salzstöcke für die Endlagerung
vorgesehen, weil sie nach bisherigem Kenntnisstand stabil zu
sein scheinen und weil es sich in der Gegend um Gorleben und
Dannenberg um ein dünnbesiedeltes Gebiet handelt. Im
Katastrophenfall sind eben nur die paar tausend dort lebender
Menschen betroffen. In welcher Weise, weiß natürlich auch
keiner…genetische Schäden…
Das ist alles schön und gut, nur wie willst Du die Kernkraft substituieren?
Ich bin keineswegs verliebt in diese Technologie und Deine Argumente sind mir allesamt bekannt und sie sind bzgl. der ungelösten Entsorgungsfrage schlüssig.
Nur hörst Du, wie alle anderen auch, mit dem Thema genau an dem Punkt auf, wo es richtig spannend wird. Nämlich bei den Alternativen.
Steinkohle verbrennen ist sehr umweltschädlich, der Übertage-Abbau schädigt zudem ganze Landstriche massiv.
Wind- und Wasserkraft sind gut für 10% der Versorgung des Landes, und das inkl. der neuen E-On Offshore-Projekte, deren Realisierung noch einige Jahre dauern wird.
Was bleibt da noch? Müllverbrennungskraftwerke bekommen aufgrund des geänderten Verbraucherverhaltens kaum genug Stoff für 50% Auslastung, wir haben dieses Problem beim HKW Nord in München noch massiver als beim HKW Süd, wo man auch kaum über 60% kommt.
Ölverbrennung zur Stromgewinneung ist indiskutabel, wir brauchen das Öl für Autos und Kunststoffe.
Kernkraft ist zur Zeit also gar nicht wegzudenken und die Entsorgung der Brennstäbe ist ein lösbares Problem. Unterirdische Lagerstätten müssen gebaut werden. Das kostet natürlich sehr viel Geld, aber machbar ist es.
Die Schwierigkeit ist, dass man auch einen Bruch in der kulturellen Entwicklung, wie es ihn ja bereits vor 1500 Jahren einmal gab, zu berücksichtigen hat. Ein kulturell dem heutigen Niveau nicht entsprechender Mensch nach einem solchen Bruch darf auch in 1500 Jahren nicht durch das Lager gefährdet werden.
Ich sehe die Gefahr, dass Deutschland durch seinen Alleingang zur Senkung des Sicherheitsstandards beiträgt, denn wir werden immer mehr Strom benötigen, das ist Fakt. Wo kommt er also her, wenn wir ihn selbst nicht mehr produzieren? Aus alten und/oder weniger sicheren AKWs in Frankreich, Tschechien u.s.w.
Ist das dann besser? Intern die weisse Weste, aber die Gefahr für die Bevölkerung ist maximiert?
Strahlung kennt bekanntlich keine Grenzen und wenn Temelin hochgeht, ist Süddeutschland auch dran. Für unsere göttinger Kommunisten á la Trittin haben wir dann ja noch polnische Anlagen zu bieten…
Du machst Dir Sorgen über die Belästigung der Anwohner durch
die Aktionen und Demonstrationen. Dann lasse Dir bitte die
vorigen Absätze auf der Zunge zergehen und sieh Dir das
Wendland an. Du findest kaum eine Wohnung, kaum ein Haus, kaum
einen Acker ohne unmißverständliche Bekundungen. Es gibt wohl
keine zweite Protestbewegung, die derart fest in der gesamten
Bevölkerung verankert ist. Um diese Leute mußt Du Dir wegen
möglicher Belästigungen wirklich keine Gedanken machen.
Ich kenne dort einige Leute, die die radikale Art der Demonstration ablehnen.
Keiner will AKWs, weil er so sehr auf die Technologie und deren Risiken steht. Aber jeder will Strom, also sind sie (noch) notwendig. Und das wissen intelligente Menschen (derer es im Wendland auch ein paar gibt) durchaus.
Jeder weiß, daß die Proteste unmittelbar nichts bewirken. Sie
bringen aber die ungelöste Entsorgungsfrage immer wieder aus
der Vergessenheit ins breite Bewußtsein. Und sie machen die
Transporte sehr teuer. Verschweigen, stumme Erledigung und
Weitermachen wie gehabt funktioniert aufgrund der Proteste
nicht. So entstand ein sündhaft teures Zeremoniell. Die
Organisatoren auf beiden Seiten verstehen es inzwischen,
gewaltbereite weitgehend Chaoten fern zu halten. Man kennt
sich und respektiert auf beiden Seiten den zu erledigenden
Job. Der Rest ist Bestandteil des Zeremoniells.
Deshalb musste letzte Woche auch ein ICE eine Vollbremsung einlegen, um diese Deppen nicht über den Haufen zu fahren…
Ich habe nichts dagegen, dass engagierte Menschen von ihrem Demonstrationsrecht gebrauch machen. Aber die Gefährung hunderter Fahrgäste eines zivilen Zuges geht zu weit und hier muss der Staat nun einmal massiv eingreifen, denn auch Leute, die nicht demonstrieren, haben Bürger- und Menschenrechte.
Der Ausstieg aus einer Technologie mit ungelösten Problemen
hat nichts mit links oder rechts und nichts mit Ökospinnerei
zu tun.
Mittelbar schon, denn es sind eher die Linksaußen, welche die Diskussion ohne die Beleuchtung der Substitutionsfrage führen.
Es ist vielmehr eine komplexe Problematik, die nicht
an Landesgrenzen endet. Es gibt die überall wiederholten
Argumente, wonach wir weiter verantwortungslos handeln müssen,
um keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden.
Eher um keinen Versorgungsengpass zu schaffen. Aber das spielt natürlich zusammen.
Oder weil sonst
anderweitig noch verantwortungsloser gehandelt wird.
Auch das ist ein wichtiger Punkt, s.o.
Wir können das nicht verhindern, ausser durch ein Verbot von Stromimporten, aber dann gehen hier die Lichter aus.
Deshalb
ist mindestens auf EU-Ebene Überzeugungsarbeit zu leisten, was
aber nicht heißen darf, so lange dem Irrwitz im Inland den
Lauf zu lassen.
Es wird mangels Alternativen gar nicht anders möglich sein.
Und nur das ist mein Punkt. Die Diskussion wird so geführt, als ob es kein Problem sei, alle AKWs sofort abzuschalten und die Versorgung sei genauso problemlos wie bisher. Und dem ist nun mal nicht so. Solange kein schlüssiges, umweltfreundliches Versorgungskonzept für die Zeit nach den AKWs vorliegt, ist die Diskussion unseriös.
Aber Mathias, wer als Angestellter eines Automobilunternehmens
Bäume für die schlimmsten Erzeuger von Stickoxiden hält (das
hast Du kürzlich von Dir gegeben…)
Ich bin nicht bei einem Automobilkonzern angestellt. Wir liefern lediglich Technologie, mit der Einzelkomponenten wie beispielsweise Lampen für Kfz hergestellt werden. Umwelt- und Entsorgungstechnik ist auch ein großes Thema, auch Kernphysik ist eines unserer Felder. Wir sitzen in Garching b. München.
Würde man sich mal die Mühe machen, in der Diskussion auch mal Leute z.B. aus der TU München/Garching zu Wort kommen zu lassen, die Argumentation wäre sicherlich um einiges seriöser…
, wer hinter Kritikern
linke Öko-Spinner in Kolchosen-Massenunterkünften vermutet
(auch O-Ton von Dir)
Viele der Leute sind nun mal Ökospinner ohne ein Alternativkonzept. Und die kann ich dann nun mal nicht ernst nehmen.
Eine Diskussion, die nur nach dem Motto „das will ich nicht, weiss aber auch keine Alternative“ geführt wird, entspricht Kindergartenniveau.
, wird vermutlich für Argumente taub sein
wollen.
Keineswegs. Vielmehr vermisse ich genau die Argumente, welche stichhaltig belegen, dass Kernenergie uns schadet und wie wir realistisch aus dieser Technologie aussteigen können.
Ich wäre der letzte, der nicht sofort dabei wäre, aber es hat keiner eine Lösung.
Hauptsache, der Spritpreis ist niedrig genug und der
Strom aus der Steckdose bleibt billig.
Das ist nicht meine alleinige Forderung, sondern die der meisten Deutschen. Blöderweise wäre bei den meisten der Vermieter an einer steigenden Stromrechnung schuld, nicht sie selbst durch ihre Forderung, die AKWs abzuschalten…
Ferner sprechen wir hier wohl kaum über den Spritpreis, aber zweifellos helfen Massnahmen wie die Ökosteuer der Umwelt kaum weiter. Sie bieten allerhöchstens ein paar unseriösen Rechtsanwälten und Lehrern in der Regierung für ein paar weitere Jährchen die Möglichkeit, den Kollaps des Sozialsystems zu kaschieren und sich noch schnell die Pfründe zu sichern, bevor der Sauladen an den nächsten Lügnerclub übergeben wird.
Damit aber wirst Du in
Deiner städtischen Intensivhaltungsunterkunft zum
Technologieverhinderer.
Dioesen Vorwurf hat mir allerdings noch niemand gemacht. Hochinteressant…
Ferner wohne ich am Stadtrand sehr schön im Grünen.
Die Bewahrer und Verwalter von altem,
überkommenem Krempel sitzen z. B. in der City-Nord Hamburgs
und hinter den Glasfassaden der Frankfurter Skyline.
Möglicherweise. Allerdings sitze ich dort nicht.
Und nochmal: das einzige, was ich „bewahren“ möchte, ist eine solide und seriöse Energieversorgung. Sobald dies ohne Kernkraft gewährleistet werden kann, können die AKWs sofort abgeschaltet werden. Vorher jedoch ist die Diskussion von seiten der AKW-Gegner schlichtweg unseriös geführt.
Grüße,
Mathias