Casusproblem

Hallo alle,
habe eine Frage, die auf den ersten Blick leichter aussieht als auf den zweiten:

Heißt es korrekt

„bei der Betrachtung Goethes als einem der bedeutendsten Dichter…“
oder
„bei der Betrachtung Goethes als eines der bedeutendsten Dichter…“
oder
„bei der Betrachtung Goethes als einen der bedeutendsten Dichter…“?

Meiner Ansicht nach müsste es alle drei Fälle geben, wenn auch mit unterschiedlicher Bedeutung. Bei der genauen Begründung versagen allerdings meine 6 Semester deutsche Sprachwissenschaft…

lg
F.

„bei der Betrachtung Goethes als einem der bedeutendsten
Dichter…“
oder
„bei der Betrachtung Goethes als eines der bedeutendsten
Dichter…“
oder
„bei der Betrachtung Goethes als einen der bedeutendsten
Dichter…“?

Hallo F.,

wenn ich diese Nominalphrase umwandle in eine Verbalphrase, dann bleibt NUR eine richtige Lösung stehen:

…wenn wir Goethe als einen der bedeutendsten Dichter betrachten…

Somit würde ich nur die dritte Variante als korrekt gelten lassen.

Grüße
Uschi

*zustimm* (owt)
.

Zweifel: Sinn
Hallo Uschi,

wenn ich diese Nominalphrase umwandle in eine Verbalphrase,
dann bleibt NUR eine richtige Lösung stehen:

…wenn wir Goethe als einen der bedeutendsten Dichter
betrachten…

Wenn Du den Satz in diesem Sinn verstehst, gebe ich Dir recht.
Ich frage mich aber, ob der Satz auch so aufgefasst werden könnte:

„Wenn wir Goethe betrachten, einen der bedeutendsten Dichter, …“

Oder ist das mit „als“ eingeleitet nicht möglich?
Wenn nein, wie würde man die Nominalphrase dafür bilden? Wenn z.B. mit Komma abgetrennt, also „… Goethes, eines der bedeutendsten Dichter,“, ist dann der Casus von „bed. Dichter“ abhängig vom Casus des Bezugswortes, also in der Verbalphrase ANDERS als in der Nominalphrase Genitiv (so hätte ich es intuitiv gemacht)?

Die Dativ-Lösung scheint mir nach längerer Überlegung auch eher abwegig.

lg
F.,
der sich offenbar deutlich zu viel Phonetik und zu wenig mit Syntax beschäftigt hat :wink:

…wenn wir Goethe als einen der bedeutendsten Dichter
betrachten…

Wenn Du den Satz in diesem Sinn verstehst, gebe ich Dir recht.
Ich frage mich aber, ob der Satz auch so aufgefasst werden
könnte:

„Wenn wir Goethe betrachten, einen der bedeutendsten Dichter,
…“

Meiner Meinung nach kann der Satz so nicht aufgefasst werden.

Oder ist das mit „als“ eingeleitet nicht möglich?

Genau aus diesem Grund.

Wenn nein, wie würde man die Nominalphrase dafür bilden? Wenn
z.B. mit Komma abgetrennt, also „… Goethes, eines der
bedeutendsten Dichter,“, ist dann der Casus von „bed. Dichter“
abhängig vom Casus des Bezugswortes, also in der Verbalphrase
ANDERS als in der Nominalphrase Genitiv (so hätte ich es
intuitiv gemacht)?

Ähm… ich weiß nicht, ob ich das jetzt richtig verstehe.
Wenn du das „als“ weglässt und folgendermaßen formulierst:

…wenn wir Goethe, einen der bedeutendsten Dichter, betrachten…

dann geht es so:

bei der Betrachtung Goethes, eines der bedeutendsten Dichter…

Was der Satz aber bedeuten soll, vermag ich nicht zu sagen. Er erscheint mir ziemlich konstruiert. Goethe betrachtest du ja normalerweise nicht, sondern liest, analysierst, kritisierst etc… sein Werk!

Die Dativ-Lösung scheint mir nach längerer Überlegung auch
eher abwegig.

In der Tat.

Grüße
Uschi