Hallo!
Ich hörte, daß ich, wenn ich einen PC zusammenbaue und verkaufen möchte, eine sogenannte CE-Konformitätserklärung benötigen würde. Stimmt das?
Was kann denn passieren, wenn ich keine CE habe?
Die Komponenten haben doch schon alle dieses CE-Zeichen. Wieso denn dann noch für den kompletten PC. Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Oder doch?
Für Eure Hilfe im vorhinein schon vielen Dank.
Tschüssi,
Thomas
Hallo Thomas,
sobald Du Dein Produkt innerhalb der EU in Verkehr bringen möchtest, muß es die CE-Konformitätserklärung tragen. Ob Du Kinderspielzeug, Computer, Fahrräder oder Dildos in Verkehr bringst, ist egal - alles nur mit CE-Zeichen. Damit bescheinigt der Hersteller, daß sein Produkt den dafür geltenden Vorschriften, insbesondere Sicherheitsbestimmungen, genügt. Das CE-Zeichen druckt der Hersteller drauf. Behörden oder Prüfinstitute sind nicht zwingend daran beteiligt. Um sich abzusichern, beauftragen viele Hersteller trotzdem eine unabhängige Stelle mit der Konformitätsprüfung.
Das CE-Zeichen soll nur auf selbständig zu betreibenden Geräten angebracht werden, also nicht etwa auf Baugruppen, die erst durch Zusammenschaltung mit weiteren Komponenten ein betriebsfähiges Ganzes ergeben. Dabei gibt es Grenzfälle und manchmal werden Komponenten auch unsinnigerweise mit dem CE geschmückt. So braucht ein einzelnes Diskettenlaufwerk kein CE-Zeichen, weil es ohne externe Komponenten überhaupt nicht sinnvoll verwendbar ist. Ein Grenzfall ist z. B. das Netzteil im PC. Bestünde es nur aus einer Leiterplatte, die erst im Zusammenspiel mit anzuschließender Peripherie betreibbar wird, braucht es kein eigenes CE-Zeichen. Das übliche PC-Netzteil besitzt aber eine eigene Kaltgerätebuchse und ein eigenes Gehäuse, ist ohne weiteres für sich allein in Betrieb zu setzen und hat insbesondere bestimmte Störstrahlungspegel einzuhalten, bzw. zu unterschreiten. Dieses Netzteil trägt das CE-Zeichen zu Recht.
Nun baust Du mit dem Netzteil, vielen anderen Dingen und einem Gehäuse einen PC zusammen. Dabei ist zu prüfen, ob der PC elektrisch sicher ist. Ob alle leitfähigen und für den Benutzer zugänglichen Gehäuseteile mit dem Schutzleiter verbunden sind. Ob von dem PC unzulässige Störstrahlung ausgeht oder ob er sich schon von schwachen äußeren Störfeldern beeinflussen läßt. Ob scharfe Blechkanten zu Verletzungsgefahr führen. Ob das Gerät zu warm wird und Brandgefahr von ihm ausgeht …
Diese aufgeführten Punkte sind von der Bauweise abhängig. Selbst wenn alle Einzelteile ein CE-Zeichen trügen, wäre es dennoch möglich, durch unsachgemäßen Zusammenbau ein gefährliches Gerät zu schaffen.
Du kannst einen CE-Aufkleber selbst drucken oder für ein paar Pfennige bei Conrad kaufen und es in der Hoffnung, daß schon nichts passieren wird, dabei bewenden lassen. Du solltest die Sache aber durchaus ernst nehmen und wenigstens die Erdungsverhältnisse geprüft und nachgemessen haben.
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang!
Prima. Vielen Dank für Deine umfangreiche und erklärende
Antwort. Ich hätte aber da noch eine Frage an Dich, nein, zwei
sogar.
Wie soll denn jemals rauskommen, ob das Gerät nun sicher ist
oder nicht?
Wo könnte man „angeschwärzt“ werden, wenn jemand davon erfahren
sollte, wie auch immer? Offiziell macht jemand sowas doch eh
nicht!
Vielen Dank schon im voraus.
Tschüssi,
Thomas
Wie soll denn jemals rauskommen, ob das Gerät nun sicher ist
oder nicht?
Hallo Thomas,
sobald ein gefährlicher Fehler auftritt und der Anwender bringt den Computer in eine qualifizierte Werkstatt zur Reparatur und dort stehen dem Techniker die Haare zu Berge, dann kann es schweren Ärger geben. Das ist noch der vergleichsweise harmlose Fall. Wenn aber jemand zu Schaden kommt, kümmert sich sicher der Staatsanwalt.
Es passiert recht selten etwas Ernsthaftes. Mag auch sein, daß mancher deshalb die Sicherheitsprüfungen für entbehrlich hält. Allerdings wird eine seriöse Firma unter keinen denkbaren Umständen auf die Stückprüfung der elektrischen Sicherheit verzichten. Die Prüfung ist zu dokumentieren und das Prüfprotokoll mit Serien-Nr. des Prüflings zu archivieren. Hört sich umständlich an, ist aber einschließlich der Prüfung ein Vorgang, der nur wenige Minuten dauert und im Schadenfall sogar gerichtsfeste Sicherheit bietet. Andernfalls kann Nachlässigkeit wirtschaftlich Kopf und Kragen kosten.
Ein Prüfgerät für Erdableitstrom und Isolationswiderstand kostet nur ein paar hundert DM. Die Sicherheitsprüfung und einige als einfache Liste zum Abhaken abzuarbeitende Punkte (z. B. alle Gehäuseschrauben montiert, Zubehörteile vorhanden, usw.) sind ein wichtiger Schritt von der fragwürdigen Hinterhofbude zum qualitätsbewußt arbeitenden Betrieb.
Wer die elementaren Prüfungen nicht macht, bemerkt auch manche Unregelmäßigkeit nicht. Die Erfahrung zeigt aber, daß in Abständen trotz aller Sorgfalt immer wieder Auffälligkeiten bei der Prüfung entdeckt und behoben werden. Das gibt einem sehr viel Sicherheit gegenüber manchem nörgelnden Kunden, gegenüber Leuten, die selbst im Gerät herumbastelten und gegenüber Zulieferern.
Darüber hinaus gehende Prüfungen, z. B. Störstrahlung, sind keine Stückprüfungen und würden den „PC-Schrauber“ auch deutlich überfordern. Wenn in der Richtung etwas auftritt, ist es zwar ärgerlich, hat aber keine existenzbedrohenden Folgen.
Gruß
Wolfgang