Hi Jochen
Die ersten diesbezüglichen Überlegungen gehen auf Arbeiten der französischen Mathematiker Julia und Fatou zurück, sowie auf Studien der Phasenraum-Bewegungen nichtlinearer Systeme durch Poincaré (Anfang 1900):
Man betrachte die Wertefolge der Rekursion bestimmter komplexer Funktionen z(n+1) ← f(c, z(n)). c und z sind komplexe Zahlen. Diese Wertefolge nennt man Orbit. Diese Orbits sind im allgemeinen „instabil“, d.h. die Werte divergieren (laufen gegen unendlich).
Unter bestimmten Anfangsbedingungen z(0) und Randbedingungen c sind diese Orbits aber „stabil“, und zwar entweder so, daß die Werte gegen einen eindeutigen Grenzwert laufen (1-Zyklus) oder sich periodisch wiederholen (n-Zyklus). Diese Grenzwerte nennt man Attraktoren. Julia und Fatou konnten beweisen, daß die Menge der Punkte, deren Attraktoren stabil sind, zusammenhängend ist und die Menge der Punkte mit instabilen Attraktoren nichtzusammenhängend (Fatou-dust).
Das interessante ist, daß man diese Eigenschaften beweisen konnte lange bevor es möglich war, diese Mengen computergraphisch sichtbar zu machen!
Die n-zyklischen Lösungen mit ihrer Eigenschaft, selbstähnlich zu sein (Auto-Isomorphismen) hat man später erst entdeckt (Mandelbrot).
Im Falle der Stabilität betrachtet man nun den Rand der zusammenhängenden Menge der zugehörigen Z-Werte, den man Julia-Menge nennt. Julia hat dann bewiesen, daß dieser Rand NIRGENDWO differenzierbar ist: diese Eigenschaft hat man später (ebenfalls Mandelbrot) „fraktal“ genannt.
Die Julia-Mengen liegen in der z-Ebene. Sie sind autoisomorph (skaleninvariant oder „selbstähnlich“). Das heißt, daß in jeder Teilmenge wieder mindestens ein Rand liegt, der mit der gesamten Menge isomorph ist. Wenn man die zu den Werten z(0)=(0,0) gehörigen n-zyklischen c-Werte in der c-Ebene aufträgt, bekommt man die Mandelbrot-Menge der Rekursion. Die Mandelbrotmengen sind nicht selbstähnlich (die „Unter“-Apfelmännchen sind deformiert - allerdings findet man auch solche, die isomorph zur gesamten Menge sind), aber doch auch zusammenhängend.
Zusätzlich konnte man beweisen (wie es Gnlwth andeutete). daß die Ränder dieser Mengen eine Dimension > 1 besitzen. Der Rand der Mandelbrotmenge hat sogar die Dimension 2 !
Gruß
M.G.