Charakteristik von Krimis

Hallo,
seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für Krimis, bzw. Kriminalromane und kann inzwischen ein gewisses Repertoire an gelesenen Mankells aufweisen.
Nun hatte ich zwischenzeitlich Lust mich selbst einmal hinzusetzen und einen kurzen Krimi zu tippen (für die Schülerzeitung), doch erwies sich das als relativ kompliziert.

Habt ihr vielleicht Formulierungshilfen oder besser Strategien um einen Krimi zu schreiben?

Vielen Dank im Voraus!
aliquis

Hallo Aliquis,

seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für Krimis, bzw.
Kriminalromane und kann inzwischen ein gewisses Repertoire an
gelesenen Mankells aufweisen.
Nun hatte ich zwischenzeitlich Lust mich selbst einmal
hinzusetzen und einen kurzen Krimi zu tippen (für die
Schülerzeitung), doch erwies sich das als relativ kompliziert.

Habt ihr vielleicht Formulierungshilfen oder besser Strategien
um einen Krimi zu schreiben?

Schreiben lernt man durch Schreiben. Ganz im Ernst: da hilft nur Versuch und Irrtum. Für den allerersten Anfang hilft es gerade bei Krimis sich vor! dem
Tippen über die f Fragen klar zu werden:

wer - wer ist der Täter
was - was tut er dem Opfer
wie - wie begeht er seine Tat
wann - Zeit & Ort
womit - welche Waffe/Trick benützt er/sie?

viel Spaß
Angelika

hallo aliquis,

angelika hat schon recht - nur durch das schreiben lernst du das schreiben.

ergänzend noch einige tipps, die aber fürs story-schreiben allgemein gelten, nicht nur für krimis:

  1. wer als erstes denkt, ist deine hauptperson. (du kannst aber nur eine(n) denken lassen! alle anderen kannst du nur „von außen“ beschreiben.)

  2. der protagonist/„held“/hauptperson ist nie perfekt! erst eine macke, körperlich, sozial oder ggf auch charakterlich macht ihn erst „lebendig“ (und vielleicht sympathisch)

  3. sei nie klüger als deine hauptperson und kommentiere das geschehene nie aus übergeordneter „gott“-perspektive. der leser muß sich mit jemandem identifizieren können und erlebt die story am besten durch die hauptperson.

  4. deine hauptperson muß in einen konflikt geraten, wenns spannend werden soll. sonst bleibt es ein bericht.

  5. konstruiere dir vorher einen spannungsbogen: problem/verbrechen - erkenntnis - konflikt - lösung (sie wollen. die story wird sonst aus dem ruder laufen (beim schreiben erst entwickelt sich sowieso schon eine eigendymamik).

  6. ergibt sich aus 5.: das erste und das letzte, was man an einer story schreibt, ist das vorwort oder das exposé. das meint: wenn man zu anfang seine story sich und dem leser vorgestellt hat und dann hinterher vergleicht, was tatsächlich draus geworden ist, wird man meisten ziemlich erstaunt sein - und das vorwort neu schreiben müssen :wink:

lass mal lesen, was du so schreibst :smile:

viel erfolg
ann

Literaturtip
Auch hallo -

hier noch ein kleiner Literaturtip - ein Bericht von einer, die es nun definitiv wußte:

Patricia Highsmith, „Suspense. Wie man einen Thriller schreibt“ (Diogenes)

Gruß,

Pengoblin

hallo aliquis,

vielleicht hilft es dir, die groben handlungszüge zu skizzieren.

wir haben das mal im deutschunterricht im zuge einer buchbesprechung gemacht: der name jeder person wurde auf eine karte geschrieben, an die wand gepinnt und die beziehungen zwischen den personen mit fäden gespannt (geht natürlich auch als „bild“, dh. nur mit papier und bleistift).

das kann man auch umgekehrt machen, dh. statt zur analyse zur planung einsetzen, um den überblick nicht zu verlieren.

viel erfolg!

Vielen lieben Dank für die Hinweise!!

Ich denke ich werde mich an den tipps von annja und angelika langhangeln und -wie gesagt- dieses und jenes verwerfen und neuschrieben müssen.

Mal schaun was draus wird…

Warum?

wer - wer ist der Täter
was - was tut er dem Opfer
wie - wie begeht er seine Tat
wann - Zeit & Ort
womit - welche Waffe/Trick benützt er/sie?

Ich würde auch „warum“ mit hinein nehmen - ohne glaubhaftes Motiv ists nur ein halber Krimi.

  1. konstruiere dir vorher einen spannungsbogen: /…/ diese
    schiene wirst du brauchen, wenn deinen figuren anfangen zu
    leben und dann machen, was sie wollen.

Hallo Annja(busch) :smile: !

Das ist lustig, daß du das erwähnst. In seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“ schreibt Stephen King auch, daß die Figuren während des Romanschreibens ein Eigenleben entwickeln und tun, was sie wollen. Muß doch ein sehr merkwürdiges Gefühl für einen Autor sein,wenn seine Geschöpfe sich seiner Imagination entziehen und ihm ihr Leben und ihre Wünsche etc. aufzwingen, oder? (Eigentlich eine gute Idee für eine phantastische Geschichte a la King :smile:))

Übrigens ist das o.g. King-Buch eine ganz hervorragende Lektüre für angehende Autoren!

Gruß

Henriette

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Hallo,

erhellend und auch auf eine Krimi bezogen (allerdings mehr dem Schreibprozess verpflichtet) fand ich ISBN: 3446140379 Buch anschauen .

Herzliche Grüße

Thomas Miller

nochwas
Hallo,

eine Aufsatzsammlung zum Genre:
ISBN: 3825281477 Buch anschauen
und eine Genrebeschreibung:
ISBN: 3476131912 Buch anschauen

Sehr empfehlenswert!

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Muß doch ein sehr merkwürdiges Gefühl für

einen Autor sein,wenn seine Geschöpfe sich seiner Imagination
entziehen und ihm ihr Leben und ihre Wünsche etc. aufzwingen,
oder? (Eigentlich eine gute Idee für eine phantastische
Geschichte a la King :smile:))

hallo henriette,

das ist nicht nur king-mäßig, sondern auch mehrfach bei escher zu sehen und alice im wunderland. und es ist aus meiner erfahrung der eigentlich kick beim schreiben. und genau da sind wir beim thema:

es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche art des schreibens:
die geplante und sklavisch disziplinierte (wie beim krimi, den ich eben deshalb überhaupt nicht ((schreiben)) mag, obwohl es da auch diverse kategorien zwischen gedanken-schachspiel und action-detective-srory gibt).

ich selbst schätze bei schreiben eine mischform, die so ähnlich funktioniert wie die oft benutzten, aber nur selten verstandenen zauberworte „kommunuikation“ und „kreativität“.

um es ganz einfach zu erklären (pardon thomas miller + vanessa):

  1. nur nicht was der absender denkt, sondern nur was „ankommt“ kommuniziert,

  2. nur was das thema (genial einfach und auf dem punkt) trifft, ist „kreativ“ (schöpferisch), alles andere sind blähungen, künstlerische luftblasen, kaisers neue kleider usw. usw., d.h. kurzlebige blüten ohne wurzeln.

deshalb muss man auch beim schreiben beides: denken UND fühlen. und zwar möglichs so, wie auch der leser oder die leserin. will sagen; kein mensch interessiert sich für meinen eigenen seelen-schmäh. erst wenn es mir gelingt, ihn auf handelnde personen zu übertragen, können autoIn und leserIn einen lese-vertrag schließen, und der heißt so:

„nehmen wir mal an, dass …“

dann wird gesagt, worum es geht, wer mitspielt usw. und wenn das geklärt ist, muss der rest stimmig weitergehen (sonst schmeisst man nämlich das buch weg).

wer als autoIn also nur denkt, plant, konstruiert, kann wie bei einer mathe-klausur einen „fall“ konstruieren/lösen. die machart dafür ist ganz einfach: ein ende und die lösung festschreiben, und dann irgendwo in der wüste anfangen und die (schul)arbeit des rechenweges abarbeiten. STINKLANGWEILIG und ein knochenjob für autorInnen, aber vielleicht ein klasse krimi.

aber auch die andere art zu schreiben, bei der lebendigkeit, motivation und emotion von handelnden figuren entscheidend sind, bedarf einer akribischen vorplanung. nur - hier müssen die charaktere und nicht der fall „überkommen“: und je besser und glaubhafter sie gezeichnet sind, um so mehr unterscheiden sie sich logischerweise vom charakter und der person von „Urheber/Urheberin“. letztere können schließlich nicht gleichzeitig so sein wie ALLE anderen personen in einer geschichte.

und so weiss ich immer, wann eine geschichte bei mir gut wird, wenn ich z.B. bei einem gerade getippten dialog auf dem bildschirm den kopf schüttle und sage: „neeein, das hätte ICH aber ganz anders gesagt“. BINGO. dann nämlich hat er/sie gesprochen und nicht ich als verfasser. und dann wird es interessant und ich will wissen, wie es weiter fließt (im rahmen des von mir vorbereiteten fluss-bettes).

alles klar?
und jetzt weiter. es ist sonntag vormittag und die jungs und mädchen im gerade aktuellen roman warten schon, wann endlich ihr trainer und schiri wiederkommt und sie weiter spielen läßt. :smile:

mfg
trpm

PS es ist mir auch schon vorgekommen, dass handelnde personen gegen die wand gelaufen sind, was zwar logisch, mitreissend und toll war, mir aber die hände fesselte, weil ich dann auch keinen ausweg mehr wusste. dann gibt es nur noch eins: zurück zur lezten wichtigen entscheidung und dann auf einem anderen weg weiter und die „falsch gelaufenen“ seiten wegschmeissen.

1 „Gefällt mir“

Hallo aliquis, was du ganz allgemein für eine Geschichte (muss kein Krimi sein) brauchst, sind folgende 4 Komponenten:

  1. Einen Protagonist (=Held),
  2. einen Antagonist (=Gegenspieler, das kann, muss aber nicht unbedingt eine Person sein),
  3. einen Konflikt (der sich daraus ergibt, dass der Prota. etwas will, aber nicht ohne weiters bekommt) und
  4. eine Lösung (d.h. am Ende hat der Prota. sein Ziel erreicht oder auch nicht).

Beispiel:
Inspektor Colombo (=Progagonist), der Mörder (=Antagonist): Colombo muss den Mörder überführen, der versucht natürlich, dass zu vereiteln (= Konflikt); am Schluss findet der schlaue Inspektor irgendeinen Weg, die Schuld des Mörders nachzuweisen (= Lösung).

Für das Erzählen der Geschichte hat sich die 3-Akt-Struktur bewährt: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Einleitung: Setting wird aufgebaut, die Hauptpersonen werden eingeführt
Hauptteil: der Konflikt wird entfaltet und zum Höhepunkt geführt
Schluss: Showdown, der Konflikt wird gelöst (bei einer Kurzgeschichte darf auch einiges offen bleiben).

gruß murshman.

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