Muß doch ein sehr merkwürdiges Gefühl für
einen Autor sein,wenn seine Geschöpfe sich seiner Imagination
entziehen und ihm ihr Leben und ihre Wünsche etc. aufzwingen,
oder? (Eigentlich eine gute Idee für eine phantastische
Geschichte a la King
))
hallo henriette,
das ist nicht nur king-mäßig, sondern auch mehrfach bei escher zu sehen und alice im wunderland. und es ist aus meiner erfahrung der eigentlich kick beim schreiben. und genau da sind wir beim thema:
es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche art des schreibens:
die geplante und sklavisch disziplinierte (wie beim krimi, den ich eben deshalb überhaupt nicht ((schreiben)) mag, obwohl es da auch diverse kategorien zwischen gedanken-schachspiel und action-detective-srory gibt).
ich selbst schätze bei schreiben eine mischform, die so ähnlich funktioniert wie die oft benutzten, aber nur selten verstandenen zauberworte „kommunuikation“ und „kreativität“.
um es ganz einfach zu erklären (pardon thomas miller + vanessa):
-
nur nicht was der absender denkt, sondern nur was „ankommt“ kommuniziert,
-
nur was das thema (genial einfach und auf dem punkt) trifft, ist „kreativ“ (schöpferisch), alles andere sind blähungen, künstlerische luftblasen, kaisers neue kleider usw. usw., d.h. kurzlebige blüten ohne wurzeln.
deshalb muss man auch beim schreiben beides: denken UND fühlen. und zwar möglichs so, wie auch der leser oder die leserin. will sagen; kein mensch interessiert sich für meinen eigenen seelen-schmäh. erst wenn es mir gelingt, ihn auf handelnde personen zu übertragen, können autoIn und leserIn einen lese-vertrag schließen, und der heißt so:
„nehmen wir mal an, dass …“
dann wird gesagt, worum es geht, wer mitspielt usw. und wenn das geklärt ist, muss der rest stimmig weitergehen (sonst schmeisst man nämlich das buch weg).
wer als autoIn also nur denkt, plant, konstruiert, kann wie bei einer mathe-klausur einen „fall“ konstruieren/lösen. die machart dafür ist ganz einfach: ein ende und die lösung festschreiben, und dann irgendwo in der wüste anfangen und die (schul)arbeit des rechenweges abarbeiten. STINKLANGWEILIG und ein knochenjob für autorInnen, aber vielleicht ein klasse krimi.
aber auch die andere art zu schreiben, bei der lebendigkeit, motivation und emotion von handelnden figuren entscheidend sind, bedarf einer akribischen vorplanung. nur - hier müssen die charaktere und nicht der fall „überkommen“: und je besser und glaubhafter sie gezeichnet sind, um so mehr unterscheiden sie sich logischerweise vom charakter und der person von „Urheber/Urheberin“. letztere können schließlich nicht gleichzeitig so sein wie ALLE anderen personen in einer geschichte.
und so weiss ich immer, wann eine geschichte bei mir gut wird, wenn ich z.B. bei einem gerade getippten dialog auf dem bildschirm den kopf schüttle und sage: „neeein, das hätte ICH aber ganz anders gesagt“. BINGO. dann nämlich hat er/sie gesprochen und nicht ich als verfasser. und dann wird es interessant und ich will wissen, wie es weiter fließt (im rahmen des von mir vorbereiteten fluss-bettes).
alles klar?
und jetzt weiter. es ist sonntag vormittag und die jungs und mädchen im gerade aktuellen roman warten schon, wann endlich ihr trainer und schiri wiederkommt und sie weiter spielen läßt. 
mfg
trpm
PS es ist mir auch schon vorgekommen, dass handelnde personen gegen die wand gelaufen sind, was zwar logisch, mitreissend und toll war, mir aber die hände fesselte, weil ich dann auch keinen ausweg mehr wusste. dann gibt es nur noch eins: zurück zur lezten wichtigen entscheidung und dann auf einem anderen weg weiter und die „falsch gelaufenen“ seiten wegschmeissen.