Habe mal Infos zusammengetragen.
Hallo KamikazeKatze,
du hast einiges geschrieben, dem ich voll und ganz zustimme:
Kinder und Jugendliche erwerben imho nicht dadurch die
Fähigkeit mit allen möglichen Gefahren, die das Leben - nicht
nur das Internet - so bietet, umzugehen, in dem man sich, so
wie von Fabian visualisiert. hinsetzt und mit ihnen DAS
GESPRÄCH führt, sondern, indem man ständig mit ihnen über
alles und jedes im Gespräch ist und kein Thema dabei auslässt,
nur weil man annimmt, dass dies ‚nichts für Kinder‘ sei,
sondern sich bemüht, es ihnen altersgemäß nahezubringen.
Darüber hinaus gilt es, die Selbstständigkeit und
Eigenverantwortung zu stärken, und dies gelingt gewiss nicht,
indem man seine Kinder in Watte packt und ständig kontrolliert
Ich habe einen sehr interessanten Artikel von NetKids e.V. gelesen und möchte aus diesem zitieren.
Übrigens findet die überwiegende Mehrheit der Missbrauchsfälle
im engsten Umfeld der Opfer statt - auch wenn derlei Fälle
natürlich viel spektakulärer sind und gerne in den Medien
dargestellt werden, so ist es in der Regel nicht der böse Mann
hinterm Busch oder im Internet, sondern der eigene Onkel, der
nette Nachbar, der vertrauenswürdige Trainer.
Hierzu NetKids e.V.:
„Die Liste der aufgeführten Fälle (sexuelle Übergriffe und realer Missbrauch in und durch Chatrooms) ist unvollständig, weil Taten dieser Art erst seit 2004 bundesweit einheitlich registriert werden. Dazu kommt, dass viele Opfer bis heute gar nicht in der Statistik landen. Sind die weiblichen Opfer beispielsweise über 14 Jahre alt und nicht beweisbar vergewaltigt worden, wird der Missbrauch meist erst gar nicht verfolgt.“
Die Vorgehensweise der Täter ist sehr raffiniert. Kinder, die darauf reinfallen sind nicht blauäugig.
Komisch - ich bin zehn Jahre älter als Du…
Du denkst ich sei zehn Jahre jünger als du, männlich und heiße Fabian nur weil das in meiner Visitenkarte steht?
Vielleicht heiße ich ja auch Renate und bin 68.
„Schnell werden die Chatpartner zu vermeintlich echten Freunden. Schnell wird Vertrauen gefasst. Schnell werden Adressen,Handy nummern und so weiter preisgegeben. Stellt es der Täter nicht ganz ungeschickt an, wird er lange etwas von seinem Opfer haben, bis dieses merkt, dass es zum Opfer geworden ist. Denn das Kind hat noch ein weiteres Problem: Es sieht seinen »Freund« nicht, hört nicht seine Stimme. Es kann Warnzeichen (Körpersprache, Gesichtsausdruck, sprachlichen Ausdruck) nicht unmittelbar wahrnehmen und bewerten. Das Opfer tappt unfreiwillig freiwillig in die Falle.“
Deine Tochter spricht mit dir offen über alles, was sie beschäftigt? Du hast Glück und ALLES richtig gemacht.
"Fast alle chattenden Kinder und Jugendliche geben an: »Über Chatprobleme rede ich mit meiner Freundin, aber nicht mit meinen Eltern oder anderen Erwachsenen«.
Nur jedes dritte befragte Kind gibt an, dass sich seine Eltern dafür interessieren, was es im Internet so macht und mit wem es Kontakt hat. (Quelle: Canadian News in the Wired World, Canada, 2001). 70 Prozent der Eltern wissen definitiv nicht, was ihre Kinder im Internet machen (The European Institute for the Media, World Internet Project 2004, Prof. Dr. J. Cole und Prof. Dr. J. Groebel).
Diese Zahlen sind auf Deutschland übertragbar.
Eine Studie aus Kanada belegt: Bei der Befragung von 5682 Mädchen und Jungen im Alter von neun bis siebzehn Jahren, jeweils unterteilt in die Gruppe der neun bis zwölf und dreizehn bis siebzehn Jahre alten Kinder, gaben diese zu 99 Prozent an, das Internet zu nutzen. 79 Prozent nutzten das breite Netzangebot auch von zu Hause aus. Zwei Drittel besaßen eine eigene E-Mail-Adresse, von der die Eltern wussten. 45 Prozent gaben an, eine E-Mail-Adresse zu besitzen, von der die Eltern keine Ahnung hatten. 56 Prozent nutzten die Chat-Angebote unterschiedlicher Anbieter, also über die Hälfte. 43 Prozent geben an, dass sie schon zu Personen Kontakt hatten, die von ihnen persönliche Daten, Bilder oder andere Informationen haben wollten. Ein Viertel erhielt vom Chat-»Freund« das Angebot, sich mit ihm zu treffen. Jedes zweite von diesen Kindern gab an, auf ein solches Angebot eingegangen zu sein."
„Kinder und Jugendliche werden heute sowohl über die Werbung als auch in den Schulen dazu animiert, sich über das Internet zu informieren. Sie sollen das Netz kennen und nutzen lernen.Das neue Medium gehört selbstverständlich ins Klassenzimmer und möglichst auch nach Hause. Eltern, die dem Netz-Nutzungsverhalten ihrer Sprösslinge skeptisch gegenüber stehen, grenzen sich schnell aus. Ebenso ergeht es Schulen, die nicht mit der entsprechenden Ausrüstung aufwarten können oder wollen.“
Ein weiteres, ernstes Thema ist das s.g. Cyberbullying
Im Chat kann man sich prima hinter seinem Nicknamen verstecken. Das Gesagte ist sehr episodisch.
Du sagst:
Ich habe noch einmal den Realitäts-Check gemacht und Deinen
Text meiner Tochter zu lesen gegeben (welche ihn allerdings
schon kannte, weil er so oder in ähnlicher Form wohl
massenweise zirkuliert) - und nein, Du möchtest ihren
Kommentar dazu nicht verbatim lesen … ;o)
Aus gegebenem Anlass habe ich mich vorhin mit meinem Tochterherz noch :einmal darüber unterhalten und ich gebe lieber nicht wörtlich wieder, :was sie von einer 15jährigen hält, die so blauäugig ist, ihr :unbekannten Personen persönliche Daten zu geben oder gar sich mit :einer solchen zu treffen.
Kannst du dir vorstellen, wie und mit welchen Mitteln diese Kinder im Chat behandelt werden? Wie man von ihnen spricht? Hierzu gab es in der Zeit, Printausgabe Nr. 25, 12. Juni 2008 „Verloren im Netz“ interessante Artikel:
„Vor ein paar Wochen stand eine Schülerin aus der 11. Klassenstufe im Mobbingbüro, Laura Jansen. Sie habe Angst, sagte Laura, sie traue sich nicht mehr zur Schule, sie müsse sich verstecken. Laura war verzweifelt, sie weinte. Die Sozialpädagogin Schulzke war überrascht, obwohl doch so viele persönliche Dramen bei ihr enden. Monat für Monat spitzen sich durchschnittlich zwei Konflikte pro Klasse so zu, dass Astrid Schulz ke davon erfährt, und fast immer hat sich der Streit unter den Jugendlichen in den Chatrooms im Internet hoch geschaukelt. Fick dich, du Hure. Fresse, du Fotze. Stirb, du Bastard. »Man merkt es schon an der Sprache«, sagt Astrid Schulzke, »das Internet enthemmt die Kinder, und die Erwachsenen kriegen es nicht mit.« Meist kann die Erzieherin die Angriffe beenden, aber mit Laura geht sie zur Polizei. (…)
Lauras Daten auf dem Forum SchülerCC zu finden ist nicht schwer. Jeder Schüler ordnet sich dort seiner Klasse in seiner Schule zu, kürzt manchmal seinen Nachnamen ab, legt aber immer ein Profil von sich an, mit echten Fotos, Angaben über Hobbys und den »Beziehungsstatus«. Jeder, der sich bei SchülerCC angemeldet hat, kann die Profile der anderen lesen und an jeden Nachrichten senden, öffentlich sichtbare Nachrichten, in digitalen Gästebüchern und auf Online-Pinnwänden, auch persönliche Nachrichten, die im privaten Postfach eines Einzelnen landen.
Binnen Sekunden hat die Freundin des Schreiners Lauras Profil vor sich und legt los. Laura, duHure, du wirst noch sehen. Ich weiß, wo du wohnst. Bis zu zehn Hassbotschaften treffen täglich in Lauras Postfach ein. Nach einer Woche meldet sich Laura bei Schüler-CC ab, aber wenige Tage später meldet sie sich wieder an. Sie fürchtet das unerträgliche Nachrichtenloch, das ihrer Jägerin erlauben könnte, unbemerkt nachzuladen. Laura glaubt, sie gerate in eine Falle, wenn sie einfach den Stecker zieht. Sie hofft, der Postfachterror werde von ihr abfallen wie ein Blutegel. Tapfer müsse sie sein, die Verletzungen ertragen.“
Ich bin absolut der gleichen Meinung das es wichtig ist, Kinder zu selbstständigen Wesen zu erziehen. Aber wir leben nun mal in der Welt in der wir leben und es sollte alles zu seiner Zeit geschehen, sprich altersgerecht.
Viele Grüße
Fabian
© Die Zeit und
Beate Schöning (39), Journalistin und Gründerin von NetKids e.V.
recherchiert im fünften Jahr zum Thema »Sexuelle Gewalt gegen
Kinder im Internet«.
Weitere Informationen zur Arbeit von NetKids e.V., Präventions-
mitteln und zum Thema unter www.kindersindtabu.de