Hallo!
mein Chef hat einen, sagen wir mal, sehr sehr sportlichen
Fahrstil. Er kennt kein Abstandhalten oder Blinken beim
Spurwechsel. Kurven nimmt er mit quietschenden Reifen etc.
Es gibt Leute, die sind einfach schlechte Beifahrer (ich gehöre dazu und trete auf dem Beifahrersitz auf die nicht vorhandene Bremse). Es gibt aber auch objektiv schlechte Autofahrer, die ihre Schlamperei mit Können verwechseln. Da werden Kurven geschnitten, auf der nächtlichen Landstraße durchs Waldgebiet mit Autobahntempo gerast, in Ortschaften mit 100 Sachen reingedonnert und Sicherheitsabstände nicht eingehalten. Wirst Du als Mitfahrer solchen Gefährdungen ausgesetzt, mußt Du Dir derartiges Verhalten nicht gefallen lassen. Du kannst ohne weiteres darum bitten, daß der Fahrer etwas zurückhaltender fährt und wenn diese Bitte nicht fruchtet, bestehst Du darauf, auszusteigen. Nur weil der Fahrer Dein Chef ist, hat er nicht das Recht, Dein Leben zu gefährden. Möglicherweise wird ein undisziplinierter Stümper am Steuer Fahrer gallig oder mit dämlichen Bemerkungen reagieren, aber das ist dann eben so. Wichtig ist, daß Du sachlich bleibst und nur bei objektivem Fehlverhalten wie beschrieben reagierst.
Dein Chef fährt wie ein Geisteskranker, weil bisher niemand wagte, ihm die rote Karte zu zeigen. Manche Gestörten haben auch Spaß daran, wenn sich die Mitfahrer ängstlich irgendwo festklammern. Wenn berechtigte Kritik sachlich und entschieden vorgebracht wird, wirst Du vermutlich erleben, daß Dein Chef grummeln wird, vielleicht stellt er Dich auch als Angsthasen hin, aber letztlich wird er sich fügen. Du wirst jedenfalls nicht dafür bezahlt, Deine Gesundheit aufs Spiel setzen zu lassen, damit Dein Chef irgendwelche Defizite am Steuer ausleben kann.
Es gibt allerdings auch unbelehrbare Hardcore-Raser. Wenn Du diese Erfahrung schon gemacht hast, solltest Du klipp und klar ansagen, daß Du bei ihm nicht ins Auto steigen und die Bahn nehmen wirst, es sei denn, er fährt zurückhaltend. Chef hin oder her, es gibt Leute, die solche klaren Ansagen und Grenzen brauchen. Die Furcht des Mitarbeiters vor negativen Folgen im Arbeitsverhältnis halte ich für unbegründet. Jeder muß nur das erdulden, was er sich gefallen läßt. Klare Grenzen sind eher geeignet, das Arbeitsverhältnis sogar zu verbessern.
Gruß
Wolfgang