hineingeheimst
Hallo SelmaHo,
ein bisschen habe ich den Eindruck, dass du sein Problem zu deinem gemacht hast.
Richtig verstehen kann ich deine Arbeitssituation nicht. Was ich vermute ist, dass du in seinem Verhalten eine zur Schau gestellte Gleichgültigkeit erkennst, hinter der ein Nichteinverstandensein stecken könnte.
seitdem ist der Kontakt etwas gezwungen (zumindest empfinde ich das so),
dann beobachte doch einmal genauer, und stelle fest, wann er eine zufällig zustande kommende Kontaktaufnahme zu dir abbremst. (Begegnungen, Gespräche in Runden)
er vermeidet z.B. im Gegensatz zu vorher, in meetings den Blickkontakt.
Wenn du ihn andauernd beobachtest (was ihn nicht entgehen wird), vermutet er zurecht eine Erwartungshaltung dahinter, mit der er nichts zu tun haben will. Ein Mißverständnis zwischen Euch, denn willst nur die Info, ob das ok ist was du machst. Vielleicht suchst du seit neuestem zu intensiven Blickkontakt, was ihn stören könnte.
Durch sein momentan eher abweisendes Verhalten habe ich das
Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und sozusagen
„abgeschrieben zu sein“, bin mir aber keiner Schuld bewußt
(die Initiative ging auch nicht von mir aus, ich war in
Urlaub)
Deine Gedanken könnten ein Stolperstock für dich werden, weil du dich selbst dabei schlecht machst. Halte dir lieber ein paar Möglichkeiten vor Augen:
- er ist mies drauf, und es hat nicht mit dir zu tun
- er ist nicht einverstanden, dass jemand anderer die Arbeit macht, hat aber nichts mit dir zu tun
- er ist mit dir nicht einverstanden, weil du
a) zu gut bist
b) nicht gut genug
- er ist mit Freundlichkeiten zurückhaltend, weil er abwarten will wie sich das entwickelt, um deine Erwartungshaltung an ihn so gering wie möglich zu halten.
…kann es sein, dass er eigentlich gar keine Verwendung für
mich in seinem Bereich hat und nur überlegt, wie er mir das am
besten beibringt?
Ist das dein Problem?
…oder hätte er von mir irgendwas erwartet?
Sind seine unausgesprochenen Erwartungen an dich dein Problem? Oder hast du beim Einstellungsgespräch behauptet dass du Gedanken lesen kannst?
…oder bin ich überempfindlich?
Ich meine schon, wobei Empfindlichkeit kann eine feine Sache sein, wenn man nicht dabei ins Träumen gerät. Nimm das wahr, was du beobachtest, und vermeide es, dich selbst dabei als ungeliebtes Opfer zu sehen. Du kannst immer Einfluß nehmen und für Aufklärung sorgen, wenn du es brauchst. Die Wahl hast du immer.
Mit ihm reden möchte ich erst mal nicht, denn es wäre mir zu
peinlich, wenn ich völlig falsch liege, obwohl er eigentlich
auf Offenheit Wert legt.
Reden ist vielleicht nicht verkehrt. Das ist nur eine Frage über welches Thema und bei welcher Gelegenheit. In einer offiziellen Situation (Termin bei ihm, mit Angabe des Themas, in seinem Büro) müßtest du ihm wahrscheinlich wirklich komplett deine Beobachtungen und Befürchtungen mitteilen, und könntest irren.
In einer gelegentlichen Situation (10 Min. vorm meeting oder Tee-Küche) könntest du ihm mitteilen, wie es dir bei der Arbeit geht (mal angenommen, es macht dir Spaß, was du tust), und teilst ihm mit, wie motiviert du bist, du dir aber nicht sicher bist willkommen zu sein, was dich ein wenig belastet. Dann steht es ihm frei (sprich er hat die Gelegenheit) darauf zu reagieren. Besser kann man als Untergebene einen Einladung-zum-Gesprächs-Teppich zum Chef nicht ausrollen. Und ab dann solltest dir zuliebe das Wegguck-Getue von deinem Chef ignorieren. Es gibt nämlich Menschen, die wirklich keinen Mumm haben, und lieber ihre Mitmenschen am langen Arm verhungern lassen und sie dadurch gut beherrschen. Werde nicht zu seinem Medium.
Und ich fühle mich aus der Gruppe ausgegrenzt obwohl ich das
objektiv gesehen nicht bin.
wieso aus der Gruppe ausgegrenzt? Reagiert die Gruppe wie er? Na, dann ist dringend ein klärendes Gespräch in der Abteilung mit Chef nötig.
viele Grüße
claren