Hallo,
Dein Schwager hat Recht.
Du bringst 2 Sachen durcheinander:
(1) das GAREN von Lebensmitteln, welches auf der thermischen Denaturierung von Proteinen beruht und
(2) das SIEDEN von Flüssigkeiten, was sowohl temperatur- also auch druckabhängig ist.
Proteine sind Makromoleküle und haben eine wohldefinierte räumliche Struktur. Die meisten ihrer Eigenschaften (Löslichkeit, Festigkeit, usw.) haben sie aufgrund der räumlichen Struktur. Durch heftige intramolekülare Vibrationen (->Hitze!) kann diese Struktur auseinandergerissen werden, womit sich die physikochemischen Eigenschaften dieser Moleküle ändern; man sagt, die „denaturieren“. Meist sind diese strukturellen Änderungen irreversibel - duch Abkühlen finden die Proteine nicht wieder in ihre alte Form zurück (ein gekochtes Ei bleibt hart, auch wenn’s wieder abgekühlt ist) [ein Bsp. für Makromoleküle, die wieder re-naturieren können, ist die DNA].
Für den Prozess der Denaturierung ist Druck praktisch bedeutungslos. Einzig die thermische (intramolekulare) Bewegung ist ausschlaggebend für diesen Vorgang. Die thermische Bewegung ist nur eine Funktion der Temperatur.
Das Sieden von Flüssigkeiten ist sowohl temperatur- als auch druckabhängig. Im Vakuum verdunstet eine Flüssigkeit praktisch bei jeder Temperatur. Es kann also durchaus sein, dass Wasser bei niedrigem Druck schon bei einer Temperatur siedet, die noch zu gering ist, um die Proteine zu denaturieren.
Nochwas:
Nicht alle Proteine denaturieren bei der gleichen Temperatur. Im Ei ist es zB. so, dass das Eiweiss (Eiklar) bei etwa 63°C denaturiert, während das Eigelb (Dotter) erst bei etwa 68°C denaturiert. So ist es möglich, Eier so zu „kochen“, dass das Eiweiss fest und das Eigelb flüssig ist. Das wirklich perfekte Ei kann man „kochen“, wenn man ein Ei so 20 min auf genau 65°C hält - dann ist das Eiweis sicher fest und das Eigelb sicher noch flüssig. Das dauert nur zu lange, außerdem ist es mit Küchenmitteln schwierig, eine Temp. von 65°C genau zu halten.
Dann gibt es noch hitzeliebende (thermophile) Lebewesen (v.a. Bakterien und Archaea), die in heißen Quellen leben, wo das Wasser mitunter 90-100°C (unter Druck im Meer sogar bis 130°C!) hat. Die können da nur leben, weil ihre Proteine sogar bei diesen hohen Temperaturen noch nicht denaturieren. Bei 60°C - wo wir uns die Haut verbrühen würden - fallen die Biester schon in Kältestarre.
LG
Jochen