Chemotherapie + Tageszeit

Hallo,

ich erinnere mich, vor etlicher Zeit mal einen Zeitungsartikel gelesen zu haben, dass eine Chemotherapie besser verträglich sei, wenn man die Medikamente abends bekommt, weil Krebszellen rund um die Uhr aktiv seien und die Medikamente aufnähmen, während der Organismus sonst nachts weniger aktiv sei und deswegen weniger von dem Zeugs aufnähme.

Wie gesagt, nur ein Zeitungsartikel, wahrscheinlich im Wissenschaftsteil.

Weiß hier jemand, ob und wie das weiter verfolgt wurde?

Ich frage nur aus Interesse, bin selbst nicht betroffen. Ich habe nur im Bekanntenkreis gerade zwei Leute, die sich durch eine Chemo quälen, deswegen bin ich mit den Gedanken mehr bei dem Thema.

Viele Grüße,

Jule

Hallo,
der Zeitungsartikel bezieht sich auf die sog. ‚Chronotherapie‘. Und ja, das wird weiter verfolgt. Inzwischen gibt es nicht nur für Chemo- und Bestrahlungstherapien, sondern auch für andere Erkrankungen Belege, dass die Wirkung eines Medikaments im Tagesverlauf unterschiedlich sein kann.

Allerdings gibt es da keine allgemeingültige Aussage. Es stimmt z.B. nicht, dass

… Krebszellen
rund um die Uhr aktiv seien und die Medikamente aufnähmen,
während der Organismus sonst nachts weniger aktiv sei und
deswegen weniger von dem Zeugs aufnähme.

zum einen haben auch Krebszellen einen circadianen Rhythmus - d.h. einen circa-24-Stunden-Rhythmus zum andern ist ‚der Organismus‘ nachts nicht allgemein weniger aktiv. Manche Organe sind z.B. gerade nachts aktiver. Auch gibt es kein allgemeines ‚Nachts‘. Auch die Nacht hat einen Zyklus, wann, welches Organ, wie arbeitet. Und zusätzlich zur Krebsart ist im Prinzip auch noch der Chronotyp des jeweiligen Patienten wichtig. Die Behandlungszeit muss daher immer individuell festgelegt und auf die Art des Krebses, sowie die gewählte Therapie abgestimmt werden.

Führend auf diesem Forschungsgebiet ist F. Lévi
otherland

Hallo Jule,

ingesamt war man vor etwa 5-10 Jahren sehr hoffnungsfroh, dass man mit der sog. chronomodulierten Chemotherapie Verträglichkeit und Effizienz der Chemotherapie verbessern könnte.
Insgesamt hat sich das Konzept für einige Tumor-, bzw. Chemotherapiearten durchgesetzt und wird heute, wo sinnvoll, in der Regel praktiziert.
http://books.google.de/books?id=YIKk5BxGeJQC&pg=PA82…

Gruß,
Manticor

Das ist leider nicht wahr.
Aber um das zu erkälren, muss man etwas weiter ausholen:
Die Wirkung der krebsbekämpfenden Chemotherapeutika beruht in den meisten Fällen darauf, die DNA (die in jeder Zelle unseres Körpers ist) unlesbar zu machen. Die Systeme in der Zelle, die die DNA ablesen rasten an den Stellen ein, wo das Medikament gebunden hat - Folge: Die Zelle geht zu Grunde.
Diese Ablesung bestimmter DNA-Teile geschieht in einer Zelle im Körper (unabhängig von der Tageszeit) 1000de Male/ Minute, also ständig. Der Körper besteht aber aus etlichen Milliarden Zellen und in jeder Zelle geschehen diese Vorgänge, in manchen langsamer in manchen schneller.
Diese Medikamente hemmen die Zellen/ Zellerneuerung/ Zellbildung (vor allem die schnell erneuernden Zellen sind davon betroffen => Magendarmtrakt, Mundhöhle,…) und lösen so die bekannten (Neben)wirkungen der Antikrebsmedikamente aus, also Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, blutige Schleimhäute,…

Ich korrigiere:
Die DNA ist in fast jeder Zelle unseres Körpers.
Es gibt Zellen im Körper ohne DNA.

Danke!
Danke Euch allen!

Es kommt zeitlich ungefähr hin: Es kann gut sein, dass es ca. 5 Jahre her ist, dass ich darüber gelesen habe. Und es beruhigt mich, wenn es da, wo sinnvoll, heute angewandt wird. Ich dachte, wenn da praxisorganisatorische Gründe dagegen sprechen, wer weiß…

Viele Grüße,

Jule

Hallo:smile:

Das ist leider nicht wahr.

da haben Sie recht. Was sie schreiben ist leider nicht wahr!

Aber um das zu erkälren, muss man etwas weiter ausholen:
Die Wirkung der krebsbekämpfenden Chemotherapeutika beruht in
den meisten Fällen darauf, die DNA (die in jeder Zelle unseres
Körpers ist) unlesbar zu machen.

Das stimmt nicht. Für viele Fälle mag das sein, aber nicht für die meisten Fälle.

Die Systeme in der Zelle, die

die DNA ablesen rasten an den Stellen ein, wo das Medikament
gebunden hat - Folge: Die Zelle geht zu Grunde.
Diese Ablesung bestimmter DNA-Teile geschieht in einer Zelle
im Körper (unabhängig von der Tageszeit) 1000de Male/ Minute,
also ständig. Der Körper besteht aber aus etlichen Milliarden
Zellen und in jeder Zelle geschehen diese Vorgänge, in manchen
langsamer in manchen schneller.

Evtl. hilft das Ihnen weiter:

David M. Suter, Nacho Molina, David GAtfield, Kim Schneider, Ueli Schibler, Felix Naef; Mammalian genes are transcribed with widely different bursting kinetics; Science

Anja

1 „Gefällt mir“