Chile

Hallo liebe Experten!
Ich habe ein paar Fragen zu Geschichte Chiles:

  1. Warum sind Deutsche gegen Mitte 19. Jahrhunderts nach Chile eihgewandert?
  2. Warum ist Arturo Alessandri nach dem Militärputsch von 1924 wieder zurückgetretten?
  3. Sind/Waren Arturo Alessandri und Jorge Alessandri verwandt?

Danke im Voraus,

liebe Grüße,

Helena

Deutsche Einwanderer
Hallo !

Chile benötigte für den Süden des Landes, in dem noch freie Araukaner (Urbevölkerung) lebten, Siedler. Diese wurden vor allem in Deutschland angeworben.
Den Deutschen im 19. Jahrhundert, welche auswandern wollten, war es ganz egal wohin, Hauptsache raus aus Deutschland. Wenn die angekündigten Bedingungen ihnen zusagten, fuhren sie in jedes Land!
Die Hauptsiedlungsgebiete der Deutschen waren Iquique und Antofagasta im Norden.
Valparaiso und Santiago in der Mitte und Talcahuano und Concepcion im Süden.

Sehr viel mehr erfährst Du ganz sicher in Bremerhaven. Dort steht/stand in der Nähe des Seefahrtsmuseums eine Halle, in der das Schicksal der deutschen Emigranten beschrieben wird.
Leider weiß ich den Namen dieser Ausstellung nicht mehr.

Gruß max

Alessandri
Hallo !

Als Arturo Alessandri 1920 zum Präsidenten ge-
wählt wurde, schien es, als sei das Gebet der geschun-
denen Masse erhört worden. Alessandri, ein reicher
Anwalt aus dem Norden und Sohn eines italienischen
Einwanderers, versprach Gesetze zur Verbesserung
der Löhne und Arbeitsbedingungen, mehr Kongreßsit-
ze für die abgelegenen Provinzen, Trennung von Kir-
che und Staat und höhere Besteuerung des Grundbe-
sitzes der Aristokratie. Aber die konservativen Kräfte
im Kongreß und Zwistigkeiten unter den Parteien der
Mitte und der Linken brachten das Programm zum
Scheitern. Alessandri erreichte nur eins: eine umfas-
sende Sozialgesetzgebung, die ungefähr im Sinne der
entsprechenden Gesetze Mexicos und Uruguays das
Recht der Arbeiter auf den kollektiven Tarifvertrag,
den Schutz der Arbeitskraft im Betriebe und weitrei-
chende Rentenansprüche garantierte.
Die Gesamtwirtschaft hatte schwere Schäden erlit-
ten: nachdem in Deutschland die Stickstoffgewinnung
aus der Luft entwickelt worden war, schrumpften die
Absatzmärkte des Chilesalpeters fast auf den Null-
punkt. Alessandri, der sich mit seinen großzügigen
Plänen nicht hatte durchsetzen können, wurde über-
dies 1924 aus dem Amt gedrängt und floh nach Itali-
en. Im nächsten Jahr zurückgeholt, verbrachte er
sechs fruchtbare Monate in der Präsidentschaft; in
diese Zeit fielen die Schaffung der Verfassung von
1925 und die Annahme mehrerer Gesetze, die die frü-
heren Versprechungen, auch hinsichtlich der Tren-
nung von Staat und Kirche, einlösten. Aber wieder
wurde Alessandri aus der Präsidentschaft vertrieben;
er kehrte nach Italien zurück. Es folgte nun 1925-
1931 die Diktaturregierung von Carlos Ibáñez del
Campo. Sein sauberes, aber hartes Regime florierte,
solange die ihm von New Yorker Bankiers gegen fa-
denscheinige Sicherheiten geliehenen dreihundert Mil-
lionen Dollar reichten. Als 1930 die Weltkrise auch
Chile traf und keine Anleihen mehr aufgetrieben
werden konnten, wurde allenthalben stürmisch auf
Ibáñez’ Rücktritt gedrängt; er ging und fand 1931 Zu-
flucht in Argentinien. Achtzehn Monate lang schlepp-
te sich Chile torkelnd unter kurzlebigen Präsidenten
und Militärjuntas weiter. Verzweifelt verfiel man
schließlich 1932 auf Wahlen, und der wetterfeste Ar-
turo Alessandri wurde aus dem Exil zurückgerufen.
Das neue Regime Alessandri (1932-1938) wurde
zur Diktatur. Der einstige Reformer schien den revo-
lutionären Sturm und Drang vergessen zu haben; er
bewährte sich nunmehr als der anerkannte Sachwalter
der großen Bergbau- und Agrarinteressen. Unter Ales-
sandri und seinem gewieften Finanzminister Gustavo
Ross erholte sich die chilenische Wirtschaft: durch
Steuervergünstigungen und Subventionen wurde die
Bautätigkeit in Schwung gebracht; Einfuhrbeschrän-
kungen schützten die Devisenvorräte; das Gleichge-
wicht des Staatshaushalts wurde hergestellt, aller-
dings ohne Vorkehrungen für den Zinsendienst der
Auslandsanleihen; inländische Staatsschuldverschrei-
bungen wurden billig aufgekauft und außer Kurs ge-
setzt; die Wasserkraftwerke verdoppelten ihre Elektri-
zitätserzeugung; es gelang der Regierung sogar, die
Eisenbahnlinie, die Santiago mit Argentinien verbin-
det, ihren englischen Besitzern abzukaufen. Aber trotz
all diesen Leistungen wuchs die Mißstimmung gegen
Alessandri und Ross. In den Wahlen von 1938 wurde
die Regierung geschlagen, die Wählerschaft schwenk-
te nach links.

Aus Propyläen Weltgeschichte.

Gruß max

Jorge Alessandri
Hallo !

Jorge Alessandri war der Sohn von Arturo.
Er wurde 1958 Präsident.

Gruß max

Danke!
Aber wofür brauchte Chile Bevölkerung im Süden, wenn da schon jemand lebte? Und warum wollten die Deutschen undbedingt weg?

LG,

Helena

Vielen vielen Dank!!! :smile:

Hallo Helena!

Die deutsche (hauptsächlich) Ostbevölkerung und auch viele Osteuropäer hatten damals in Deutschland/Europa keine Zukunft.
Nicht etwa, wegen der Überbevölkerung, nein, weil sie sich keine eigene Existenz aufbauen konnten. Und das wollten die Auswanderer, ihr eigener Herr sein.
In Osteuropa und in Deutschland östlich der Elbe war Landbesitz für das normale Volk fast unmöglich. Die Ländereien waren alle in „Junkerhand“. Das heißt, der geborene Adel und der Industrieadel, also reiche Industrielle, hatten alles für sich aufgekauft und waren natürlich nicht gewillt, mit den kleinen Leuten zu teilen. Diese fristeten als Landarbeiter ihr Leben auf den großen Gütern.

Dann wurden überall in Südamerika Regionen neu besiedelt und das wollte die führende Schicht, (europ. Abstammung) am liebsten mit Europäern. Sie wußten, was das für Menschen waren, fleißig, ihrer Regierung gehorchend und tatkräftig.
Also warb man in Europa Menschen an, die Land urbar machen konnten und versprach ihnen, meist mit Hilfe von deutschen oder eben osteurop. Agenturen, das Blaue vom Himmel. So kam es denn von der Mitte des 19. Jahrhunderts an zum wahren Exodus von Auswanderern.
Gleichzeitig wurden durch diese Auswandererwellen die Firmen in Deutschland reich, welche diese Menschen rüberbrachten. Zum Beispiel die Reederei Hapag und die Städte Bremerhaven und Cuxhaven.

Die Ureinwohner Südamerikas bzw Chiles interessierten damals die Regierung in Chile überhaupt nicht. Die Macht hatten Leute europ. Abstammung. Und sie wollten Europäer, weil für sie die Einheimischen nutzlos waren. Es hat sich noch nicht viel geändert in Südamerika. Südamerika ist kein Schmelztiegel der Rassen, wie es immer so schön heißt, in Südamerika regieren immer noch die Weißen europ. Abstammung. Industrie oder Regierungen, egal! Auch Alessandri war europ. Abstammung (Italiener).

Gruß Max

Hier noch ein paar Sätze über die Auswanderung der Deutschen in dieser Zeit.

Was die landlosen Landarbeiter suchten, war nichts anderes, als was sie immer gesucht hatten : Land oder wenigstens auskömmliche Arbeit.
Aber Land war in der Enge des industriellen Westens (Deutschland) nicht zu finden.
Ihren Landhunger konnten die Menschen nur noch stillen in den Prärien Kanadas und der USA. Gegenüber den Menschenströmen, die nach Nordamerika drängten, nahmen sich alle anderen Auswanderungen wie Rinnsale aus. In den ersten drei Jahren nach dem Deutsch-Französischen Krieg waren es an die 300 000 Menschen, die dorthin gingen, danach im Abwind der Konjunktur pro Jahr kaum mehr als 20 000.
Aber dann kam 1880 die zweite große Auswanderungswelle, 100 000 Menschen, dann von 1881 bis 1883 zusammen mehr als eine halbe Million.
1891 120 000, davon 113 000 in die USA.
1892 116 000, davon 112 000 in die USA.
1893 noch einmal ungefähr so viele, danach wurde es weniger, da die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sich in Deutschland besserten.

Aus dem Buch : „Das ruhelose Reich“ von Michael Stürmer.

Gruß Max

Danke!!! :smile: