'chinesisch' eloxiert

Hallo zusammen,

ich geb’s ja zu: Oberflächenbehandlungen waren noch nie mein Thema und Auslagerung der Produktion nach China find ich doof :wink: Trotzdem habe ich den ehrenwerten Job, mich mit beidem auseinandersetzen zu dürfen.

Und zwar geht’s um einige Teile, die in China gefertigt wurden und die ich nun in Händen halte. Material ist Alu, als Oberflächenbehandlung wurde „farblos eloxieren“ definiert. Sodele, nun hab ich schon früher mal farblos eloxierte Teile in Händen gehalten und die sahen anders aus.
Kennzeichen der chinesischen Teile:

  • glänzend (sieht eher aus wie lackiert)
  • weich (kann mit Messer leicht eingeritzt werden)

Und ich hätte immer gemeint, dass eloxieren die Oberfläche matt und hart macht. Auch meine Kollegen, die sich mit der Materie deutlich besser auskennen als ich sagen „das ist niemalsnicht eloxiert“.
Nur: wir ahnen nicht, was es stattdessen ist, bzw. ob es irgendwelche chinesischen Varianten des Eloxierens gibt. Nun gestaltet sich auch die Kommunikation mit unserem dortigen Lieferanten recht schwierig (siehe oben), darum wollte ich mich erstmal hier schlau machen:

  • gibt es ausser den oben genannten noch andere Nachweise um zu zeigen, dass das Zeug nicht eloxiert wurde?
  • was hätten die noch mit dem Alu anstellen können, dass es „so ähnlich wie“ eloxiert wird? Wie könnte ich das nachprüfen?

Achja, die Frage bezieht sich auf farblos eloxiertes Aluminium und es ist sicher, dass sie mit dem Zeug irgendwas gemacht haben - es ist also definitiv nicht roh :wink:

*wink*

Petzi

Hi Petzi,

Und zwar geht’s um einige Teile, die in China gefertigt wurden
und die ich nun in Händen halte. Material ist Alu, als
Oberflächenbehandlung wurde „farblos eloxieren“ definiert.
Sodele, nun hab ich schon früher mal farblos eloxierte Teile
in Händen gehalten und die sahen anders aus.
Kennzeichen der chinesischen Teile:

  • glänzend (sieht eher aus wie lackiert)
  • weich (kann mit Messer leicht eingeritzt werden)

Das klingt für mich nach einem (Pulver-)lack.
Al2O3 ist definitv sehr hart und mechanisch recht widerstandsfähig.

Und ich hätte immer gemeint, dass eloxieren die Oberfläche
matt und hart macht.

Richtig, so ist es.

Auch meine Kollegen, die sich mit der
Materie deutlich besser auskennen als ich sagen „das ist
niemalsnicht eloxiert“.

Sehe ich genauso.

Nur: wir ahnen nicht, was es stattdessen ist, bzw. ob es
irgendwelche chinesischen Varianten des Eloxierens gibt.

Nö, gibt´s nicht.

Nun gestaltet sich auch die Kommunikation mit unserem dortigen
Lieferanten recht schwierig (siehe oben), darum wollte ich
mich erstmal hier schlau machen:

  • gibt es ausser den oben genannten noch andere Nachweise um
    zu zeigen, dass das Zeug nicht eloxiert wurde?

Billigste und erste Prüfung: mal bei 200°C in den Trockenschrank, ggf. Temp Richtung 300-350 °C steigern, Verfärbt sich die Oberfläche und stinkt es nach verbrannter Organik, dann war´s ein Lack und kein Al2O3.
Ich würde mal die Ritzhärte der Oberfläche bestimmen (lassen) und dann mit den Spezifikationen bzw. Standardhärten von Elox-Alu vergleichen.
Chemisch könnte man die Oberfläche entfernen und dann auf C untersuchen: Ist viel C drin, dann ist es eine Art Lack, keine Eloxierung.
Dann könnte man die Oberflächenbeschichtung mit einem Lösungsmittel ablösen (sofern es keine billigst-Beschichtung aus PE oder PP ist - ich traue den Chinesen alles zu!) und per IR untersuchen bzw. bestimmen.
Wer eins hat, der kann auch ein REM-EDX einsetzen. Querschnitt machen und mal zwischen dem Metall und der Beschichtung die Elemente scannen. Kein Alu in der Beschichtung = keine Eloxierung.

  • was hätten die noch mit dem Alu anstellen können, dass es
    „so ähnlich wie“ eloxiert wird? Wie könnte ich das nachprüfen?

s.o.

Tja, wer mit dem Teufel ißt, der braucht einen langen Löffel.
Es ist typisch, daß man auf Nachfragen keine Antwort bekommt oder ein so verquastes und unverständliches Gefasel, daß man meint, das wäre von Babelfish übersetzt worden. Gesprächig wird der Chinese erst dann, wenn man entweder die Rechnung einbehält oder nichts mehr bestellt.
Grundsätzlich mußt Du JEDER Qualitätszusage mißtrauen und alles nachprüfen, auch Lieferzusagen sind nicht viel wert. Rechne stets damit, daß Du auf mehr oder weniger plumpe Art verarscht wirst.
Die chin. „Wirtschaft“ ist schwer unter Druck:

  • Alle Roh- und Halbstoffe, die auch nur annähernd etwas taugen, müssen importiert werden. Und zwar für echtes Geld, die Kommunisten-Dollar nimmt auf dem Weltmarkt kein Mensch. Daher sind Importe streng kontrolliert. Wenn´s dem Staat nicht paßt, oder ein wichtiger Beamter nicht ausreichend geschmiert wurde, dann fallen Importe einfach aus. Das gilt auch für die streng rationierte Energie.
  • Man hält sich für ein überlegenes Volk und hat keine Hemmungen andere zu bescheißen, wo man kann (Ferenghi-Syndrom)
    Also ist man darauf angewiesen, so Billigstprodukte für echtes Geld ins Ausland zu verhökern um die marode Fassade des Systems zu stützen.
    Und die Exportüberschüsse beweisen, daß es im Rest der Welt genug Dummbatze gibt, die „Made in China“ kaufen…

Gruß
BeLa