Hallo,
Würde es für die Erstversorgung und Behandlung am Unfallort
von Vorteil sein, wenn wichtige Daten des Patienten auf einer
Chipkarte gespeichert sind und durch ein entsprechendes
Lesegerät vom Arzt vor Ort ausgelesen werden könnte?
Im großen und ganzen: nein. Der Rettungsdienst stellt regelmäßig „nur“ eine Transportfähigkeit her und ergreift lebensrettende Sofortmaßnahmen. „Nur“ heißt nicht daß das nicht auch sehr komplex und umfangreich ist, aber ich will damit sagen daß man keine Maßnahme ergreift die mehr bedeutet als erstmal das Überleben und einen sicheren Transport zu ermöglichen.
Werden Daten wie Blutgruppe, benötigte/benutzte Medikamente,
Krankheiten wie Diabetes etc. direkt benötigt?
Jeder kennt das ja - man liest die Beipackzettel von Medikamenten und fragt sich ob die Einnahme des Mittels nicht gefährlicher ist als die Erkrankung, wegen der man es nehmen soll 
Wenn es wirklich „um die Wurst geht“ gilt für Notfallmedikamente aber: „Kontraindikationen - im Notfall keine“. Will sagen: Wenn Du nur durch ein bestimmtes Medikament oder eine bestimmte Maßnahme überleben kannst ist dessen Anwendung alternativlos, man wird Dir das Mittel immer geben weil Du anders gar keine Chance hättest. Dafür würde man auch in Kauf nehmen wenn es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt oder wenn es sonst irgendwelche ungünstigen Nebenfolgen hätte. Hauptsache Du überlebst erstmal.
Insofern hat es im Notfall keine therapeutische Relevanz zu wissen welche chronischen Erkrankungen jemand hat - man würde, man muß die notwendige Therapie immer durchführen und kann dabei sowieso keine Rücksicht darauf nehmen ob diese Behandlung in irgendeiner Hinsicht vielleicht nicht angenehm ist.
Für die längerfristige Behandlung ist es natürlich schon gut wenn man möglichst umfassend über den Patienten Bescheid weiß. Aber andererseits wird man die Therapie auch dann immer an den aktuellen Befunden orientieren und nicht daran, was früher war. Es hat nur insofern Sinn als man ältere Röntgenbilder, Diagnosen und Befunde einsehen kann und sein Gesamtbild abrunden kann.
Es ist immer gut wenn man möglichst viel über den Patienten weiß, aber im akuten Notfall ändert das faktisch trotzdem wenig…
Würde es bei
der Entscheidung über die Behandlung helfen, oder werden
solche Daten erst „später“ gebraucht und sind für die
Erstversorgung in der Regel nicht so wichtig das sich dafür
der Aufwand lohnen würde?
Ganz genau.
Weiterhin könnte der Besitzer der Karte auch Zusatzinfos
abspeichern wie Kontaktpersonen (samt Adresse und Telnr.) oder
Organspendeausweis.
Das stimmt. Schaden würde es natürlich nicht. Allerdings stellt sich auch die Frage nach dem Datenschutz und letztlich ist es dann eine Gesamtabwägung von Vor- und Nachteilen. Man kann Vorteile einer Notfall-Chipkarte nennen, man kann genauso Bedenken dagegen haben oder argumentieren daß es im Ernstfall meist nicht wirklich viel hilft.
Vielleicht sind hier ja Notärzte und Rettungssanitäter
vertreten, die dazu etwas sagen könnten?
In der Praxis sehe ich auch die Gefahr daß eine solche Karte in der Hektik der Situation verloren geht. Sicher - das sollte nicht passieren. Aber wenn man erlebt wie viele Leute mit ihrer Krankenkassen-Karte umgehen… da kann man froh sein wenn es keine Chipkarte gibt, auf die man dringend angewiesen ist um Informationen verfügbar zu haben.
Schöne Grüße,
MecFleih