ich frage mich gerade, inwieweit Chirurgen auch eigene nahe Verwandte operieren.
Ist das überhaupt erlaubt, bzw. - abgeschwächt - widerspricht es irgendeinem „Ethos“? Ich kann mir zumindest vorstellen, dass hierbei die Aufregung bzw. psychische Belastung höher ist und man vielleicht davon ausgeht, dies wirke sich auf das OP-Ergebnis aus.
Es geht hier um keine Notfälle, sondern planbare Operationen, die nicht in vielen, aber dennoch einer Handvoll weiteren Kliniken in Deutschland gut durchgeführt werden können.
Würde mich interessieren, ob jemand etwas dazu weiß
warum soll ein Chirurg keine Verwandten operieren? Es sei denn er hat ein Problem. Ich habe keine bedenken. Ich glaube sogar, dass er da viel vorsichtiger ist
warum soll ein Chirurg keine Verwandten operieren? Es sei denn
er hat ein Problem. Ich habe keine bedenken. Ich glaube sogar, dass er da viel vorsichtiger ist
ein guter, verantwortungsbewußter Chirurg sollte doch wohl mit der gleichen Sorgfalt und Präzision jeden Patienten operieren, egal ob Verwandter oder Unbekannter, ob „König“ oder „Bettelmann“.
Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, die ich kenne, behandeln/operieren ihre eigene Familie, soweit sie subjektiv der Auffassung sind, das bestmögich zu bewerkstelligen.
Wenn sie im Einzelfall einen Kollegen für erfahrener/kompetenter halten, haben sie in aller Regel keinerlei Problem damit, die Patienten dorthin zu verweisen oder zumindest jenen Kollegen um Rat oder Tat zu ersuchen - ganz normal halt
ich frage mich gerade, inwieweit Chirurgen auch eigene nahe
Verwandte operieren.
Es gibt verschiedene Schönheitschirurgen, die ihre Gattinnen manipuliert haben.
Ist das überhaupt erlaubt, bzw. - abgeschwächt - widerspricht
es irgendeinem „Ethos“?
Nö, spricht grundsätzlich nichts dagegen.
Ich kann mir zumindest vorstellen,
dass hierbei die Aufregung bzw. psychische Belastung höher ist
und man vielleicht davon ausgeht, dies wirke sich auf das
OP-Ergebnis aus.
Man könnte genauso der Meinung sein es besser zu machen / eine viel bessere Kontrolle über die Sache zu haben als wenn irgendein Hanswurst herumwurschtelt.
Ist das überhaupt erlaubt, bzw. - abgeschwächt - widerspricht
es irgendeinem „Ethos“?
Nö, spricht grundsätzlich nichts dagegen.
ich hatte da das Gerücht (!) gehört, es würde, wenn möglich, vermieden.
Und da an Gerüchten mal mehr, mal weniger dran ist, wollte ich der Sache mal auf die Spur gehen.
Man könnte genauso der Meinung sein es besser zu machen / eine
viel bessere Kontrolle über die Sache zu haben als wenn
irgendein Hanswurst herumwurschtelt.
Ich ging mal davon aus, dass es noch weitere hierfür qualifizierte Chirurgen gibt. (Denn ansonsten wäre es klar.)
Solche Operationen, so es sich um Routineeingriffe handelt, sind für die Operateure genau das: Routine. Die Emotionen, die man vielleicht als Außenstehender damit verbindet, sind da nicht vorhanden. Das gilt zumindest für das, was man so als Routineeingriff versteht. Es kann natürlich dennoch vorkommen, dass es da zu Ausschlusssituationen kommt. Aber das kann grundsätzlich auch dann vorkommen, wenn man nicht verwandt / befreundet ist. Letztlich muss der Operateur vor jeder OP entscheiden, ob er fit genug ist.
Nicht vergessen würde ich auch dabei, dass das ja eine Entscheidung von zwei Personen ist. Auch der / die Operierte muss das überhaupt wollen, dass der Angehörige an einem herum schneidet.
Ich kenne persönlich mehrere Konstellationen: Zwei Mal habe ich mich von Ärzten operieren lassen, mit denen ich befreundet bin, ein Mal vom eigenen Partner. Alles waren allerdings Routineeingriffe. Dagegen hat die Schwester meines Partner es abgelehnt, sich von diesem operieren lassen - aus Prinzip.
Der Job besonders als Notarzt und / oder in einer Ambulanz bringt weit höhere Belastungsmomente mit, da dürfte eine verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehung wirklich das kleinere „Übel“ sein.
Der Job besonders als Notarzt und / oder in einer Ambulanz
bringt weit höhere Belastungsmomente mit, da dürfte eine
verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehung wirklich
das kleinere „Übel“ sein.
Das ist mir auch bewusst - und habe sehr großen Respekt vor den Menschen, die diesen Job machen!
Würde mich interessieren, ob jemand etwas dazu weiß
ich kenne etliche Fälle.
Ein Freund (Neurochriurg) hat seinen Vater operiert, auch Internisten die ich kenne, haben Verwandte operiert, auch Narkoseärzte haben Verwandte narkotisiert.
ein befreundeter Chirurg hat es abgelehnt, seine Frau zu operieren, weil er sagte, dass er bei ihr keine emotionale Distanz aufbauen wolle und könne. Er hat einen Kollegen, den er sehr schätzt, gebeten, die Operation durchzuführen.
Es ging hier um so etwas Simples wie eine Blinddarmentzündung.
Das ist natürlich typabhängig und ich behaupte, man ist nicht gleich weniger Profi, wenn man so etwas ablehnt, schließlich ist man auch noch Mensch. Die Neurochirurgie ist an sich schon stressig genug. Wenn man jetzt dem eigenen Ehepartner oder Elternteil im Kopf herumschneidet und sich den Konsequenzen, die beim kleinsten Fehler unterlaufen würden, bewusst ist, ist die Belastung umso größer.
Wäre ich andererseits der Patient, so wollte ich - je nach Indikation - vermutlich auch nicht, dass mir rein hypothetisch mein Mann im Bauch herumschneidet. Denn auch wenn er so etwas tagtäglich sieht, so wollte ich nicht, dass er die Assoziation mit mir und meinen Gedärmen hat.
ein befreundeter Chirurg hat es abgelehnt, seine Frau zu
operieren, weil er sagte, dass er bei ihr keine emotionale
Distanz aufbauen wolle und könne. Er hat einen Kollegen, den
er sehr schätzt, gebeten, die Operation durchzuführen.
Das finde ich schon professionell. Wenn es emotionale Gründe gibt, ist der Kollege warscheinlich besser.
Finde ich auch vollkommen in Ordnung. Allerdings herrscht bei so manchen Chirurgieteams ein mehr als raues Klima.
Einige von denen, die ich bislang kennen gelernt habe, sind der Meinung: „Wer es nicht schafft, seine Gefühle daheim zu lassen, hat im OP rein nichts zu suchen!“, womit es dann auch kein Problem darstellen dürfte, wen auch immer zu behandeln.
Ein Stück weit haben sie auch Recht, denn man muss sich emotional distanzieren können: Ich muss, wenn ich mies drauf bin und den dicksten Streit zu Hause habe, bei dem frisch verheirateten jungen Familienvater eine ebenso gute wie konzentrierte OP durchführen wie bei dem 90-jährigen, unfreundlichen Menschen, der mich tags zuvor vielleicht noch beschimpft hat.
Aber irgendwo sind wir auch noch Menschen und da ist es vollkommen in Ordnung, jemand anderem eine solche Aufgabe wie einen Verwandten zu operieren zu überlassen.
Wäre ich andererseits der Patient, so wollte ich - je nach
Indikation - vermutlich auch nicht, dass mir rein hypothetisch
mein Mann im Bauch herumschneidet. Denn auch wenn er so etwas
tagtäglich sieht, so wollte ich nicht, dass er die Assoziation
mit mir und meinen Gedärmen hat.
Wo du das so schreibst, darüber hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Bei DEM Freund hatte ich keine Probleme damit, dass er mir an die „Gedärme“, respektive Innereien geht. Jetzt die Vorstellung, dass er da herumfuhrwerken könnte, behagt mir auch nicht. Gliedmaßen durfte er aber
Wobei ich jetzt nicht konkret und schon gar nicht rational begründen könnte, warum das Eine ja und das Andere nein.
Ein Aspekt ist in den bisherigen Antworten noch nicht deutlich genug geworden, stellt aber - meiner Ansicht nach - den Hauptgrund dafür dar, daß einige (viele?) Ärzte ihre eigene Familie nicht behandeln (wollen), v.a. wenn es sich um Operationen und andere Eingriffe geht.
Bei jeder Operation, auch wenn sie noch so einfach und häufig ist, besteht ein gewisses Risiko für Komplikationen, das man auch bei bester „Performance“ nicht völlig ausschalten kann (Wundheilungsstörungen, Nachblutungen, Infektionen, Folgeschäden usw.). Selbst wenn im Durchschnitt nur ein Patient von hunderttausend diese Komplikation erleidet, so ist doch ein Patient irgendwann der hunderttausendste; in so einem Fall wird jeder Chirurg genauestens prüfen, ob er nicht durch irgendein Versäumnis doch mit verantwortlich für die Komplikation ist, oder ob es wirklich „Schicksal“ war. In letzterem Fall wird er es bedauern, aber keine persönliche Schuld empfinden müssen, was ihm die weitere Ausübung seines Berufes ermöglicht (nicht rechtlich, sondern moralisch )
Anders sieht es aus, wenn er eine ihm nahestehende Person operiert, und es kommt - ohne daß er wirklich etwas dafür könnte - tatsächlich zu einer Komplikation. Dann stellt sich sehr wohl die Frage, ob er in so einer Situation genauso professionell damit umgehen könnte, und ob ob so etwas nicht das Verhältnis zu der anderen Person nicht dauerhaft beeinträchtigen könnte.
Damit so eine Situation gar nicht erst entsteht, lehnen es viele Ärzte ab, bei Angehörigen besondere riskobehaftete Behandlungen vorzunehmen (Operationen, Chemotherapie usw.).