Cholesterinwerte?

Hallo Experten,

seit Jahren habe ich erhöhte Cholesterinwerte – sie bewegen sich als Gesamt-Chol-Werte zwischen 263 und 286 – und meine Hausärztin hat mir dringend empfohlen, senkende Medikamente einzunehmen, was ich aber immer abgelehnt habe.

Bei meiner letzten Blutkontrolle im Dezember habe ich mich schließlich einverstanden erklärt, Tabletten dagegen zu schlucken und als ich dann die Nebenwirkungen gelesen habe, sind mir wieder Bedenken gekommen und bis dato liegen die Tabletten unberührt herum.

Nun habe ich zufällig im SWR-Fernsehen „Kaffee und Tee“ einen Beitrag über Cholesterin gesehen. Der anwesende Arzt sagte, dass das Gesamt-Chol gar nicht interessieren würde, sondern alleine LDL- und HDL-Werte zählen und zwar als Risikoindikator LDL geteilt durch HDL. Ideal wäre ein Wert unter 3, ein erhöhtes Risiko bestehe über 4.

Sofort habe ich meine letzten Laborwerte auf diesen Faktor überprüft und habe Werte von durchschnittlich 2,8 errechnet. Also nach diesem Fernsehbeitrag ist mein Cholesterin in Ordnung und ich hätte diese Tabletten nie gebraucht. Wer von Euch kennt sich aus?

Danke für Antworten.
Gruß Irmgard

Hallo Irmgard,

der Einsatz von Lipidsenkern ist heute in der Medizin verbreitet
und wird auch propagiert, weil diese Präparate nicht nur die
Blutfette senken, sondern offenbar auch noch positive Wirkungen
auf das Gefäßsystem haben. Hier wirken sie sich (leicht) entzündungshemmend aus und bremsen daher zusätzlich die
Arterienverkalkung.

Dennoch: Es hängt von der Gesamtkonstellation ab, ob die Einnahme
eines solchen Präparates sinnvoll ist oder nicht ! Nichts ist ohne
Nebenwirkung und so können auch Lipidsenker z.B. Entzündungen an
der Bauchspeicheldrüse und andere Unannehmlichkeiten gelegentlich
auslösen.

Generell kann man sich folgendes merken:

  1. LDL = „schlechtes“ Cholesterin (fördert Arterienverkalkung und
    erhöht damit das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt).
  2. HDL = „gutes“ Cholesterin (wirkt als Gegenspieler des LDL).
  3. Ein (leicht) erhöhter LDL-Wert ist weniger kritisch, wenn das
    HDL gleichzeitig in höherer Menge vorliegt.
  4. Es hängt auch von den Begleiterkrankungen ab, ab wann man einen
    LDL-Wert als kritisch ansieht. Bei Patienten mit Diabetes oder
    bereits ausgeprägter Gefäßverkalkung mit den entsprechenden
    Folgeerkrankungen würde man aggressiver therapieren und frühzeitig
    einen Lipidsenker einsetzen. Hier sollte der LDL-Wert z.B. unter
    100 liegen.
  5. Ein gesunder Lebensstil ist auch beim Cholesterin noch die beste
    Medizin ! Sport (soweit möglich) und eine gesunde cholesterin-
    bewußte Ernährung senken das Cholesterin in der Regel besser als
    irgendwelche Tabletten. Wer dann noch aufs Rauchen verzichtet,
    der hat für seine Gefäße schon viel getan ! Bei älteren Menschen,
    die sich nicht mehr sportlich betätigen können oder bei angeborenen
    Stoffwechselerkrankungen (z.B. familiäre Hypercholesterinämie)
    sind Tabletten allerdings oftmals unumgänglich.

Hoffe, die Informationen helfen erstmal weiter !

Gruß
Kai (Assistenzarzt für Innere Medizin)

Danke Kai für Deine ausführliche Information.
Ich werde nochmals mit meiner Ärztin darüber sprechen, ob ich bei diesen Werten unbedingt Tabletten nehmen muss.

Schönes Wochenende wünsche ich Dir.
Lieben Gruss von Irmgard

…eine gesunde cholesterin-bewußte Ernährung senken das Cholesterin in der Regel besser als irgendwelche Tabletten…

Hallo,
waere auch mein Vorschlag.
Man gebe bei google ein - Cholesterin heilen -
Gruss Helmut

Hallo Irmgard,

Gesamt-Chol-Werte zwischen 263 und 286 – und meine
Hausärztin hat mir dringend empfohlen, senkende Medikamente
einzunehmen, was ich aber immer abgelehnt habe.

Sehr vernünftig bei diesem Wert! Je älter man wird, umso höher wird dieser Wert, der aber letztlich wenig aussagt. Der Körper braucht Cholesterin für viele Vorgänge, u.a. auch um die Arterien und Venen geschmeidig und elastisch zu erhalten, ist also lebensnotwendig.

Nun habe ich zufällig im SWR-Fernsehen „Kaffee und Tee“ einen
Beitrag über Cholesterin gesehen. Der anwesende Arzt sagte,
dass das Gesamt-Chol gar nicht interessieren würde, sondern
alleine LDL- und HDL-Werte zählen und zwar als Risikoindikator
LDL geteilt durch HDL. Ideal wäre ein Wert unter 3, ein
erhöhtes Risiko bestehe über 4.
Sofort habe ich meine letzten Laborwerte auf diesen Faktor
überprüft und habe Werte von durchschnittlich 2,8 errechnet.
Also nach diesem Fernsehbeitrag ist mein Cholesterin in
Ordnung und ich hätte diese Tabletten nie gebraucht.

Richtig - das Verhältnis ist entscheidend und wird vom Gesamtwert nicht berücksichtigt. Je nach Arzt, wird schon ab einem Wert von 150 ein Cholesterinsenker verschrieben, vor einigen Jahren lag dieser noch bei 280! Doch ob ein Wert über 4 tatsächlich ein höheres Risiko bedeutet, ist inzwischen höchst umstritten.

Zur weiteren Information sehr zu empfehlen das Buch von Prof. Dr. med. Walter Hartenbach „Die Cholesterin-Lüge - Das Märchen vom bösen Cholesterin“. Darin werden die Funktionen des Cholesterins im Körper aufgezeigt. Detailliert werden die Cholesterinsenker, deren Nebenwirkungen, sowie Nützlichkeit pro und contra dargestellt, ob Diät den Cholesterinspiegel beeinflussen kann und vieles mehr.

Gruß, Cantate

hallo kai,

deine ausbildung in ehren, aber der zusammenhang zwischen cholesterin und KHK wurde nie nachgewiesen, es sei in studien der lipidsenkerherstellenden pharmakonzerne.
ja selbst der erfinder der c-hysterie hat diese these längst widerrufen.

strubbel
F:open_mouth:)

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hallo irmgard,

cholesterin ist nun gerade kein wert, dem du unbedingt aufmerksamkeit zollen solltest, es sei denn, du hättest eine spezielle erbkrankheit.
cholesterin ist wichtig:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/382482/
also, entweder ärztin wechseln oder nicht hinhören.

strubbel
4:open_mouth:)

Hallo Strubbel,
interessanter Bericht - vielen Dank und Gruß
von Irmgard

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Strubbel !

Das ist so nicht richtig. Selbstverständlich geht ein erhöhtes
LDL-Cholesterin mit einem höheren Risiko einher, eine Arteriosklerose
und damit einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu entwickeln.
Das ist eine wissenschaftlich bewiesene TATSACHE und hat nichts
mit der Geldgier mancher Pharmakonzerne zu tun, die mir ehrlich
gesagt auch nicht selten sauer aufstösst.

Gruß Kai

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo kai,

ist es nicht. khk-riskofaktoren sind rauchen, abdominale adipostias und bewegungsmangel und andere.
wörtlich:
Das Verhältnis von HDL und LDL korreliert noch stärker als der Gesamtcholesterinspiegel mit den bekannten Risikofaktoren für Arteriosklerose, wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Betrachtet man also lediglich die HDL- und LDL-Spiegel, ohne eine Normierung bezüglich der bekannten Risikofaktoren vorzunehmen, so zeigt sich der vermutete Zusammenhang sehr deutlich. Allerdings ergibt sich nach dem Herausrechnen dieser Korrelationen keine höhere prognostische Kraft für das KHK-Risiko als beim Gesamtcholesterinspiegel.
Ein hoher (LDL-)Cholesterinspiegel korreliert nur bei Männern bis 45 Jahren mit der Anzahl der KHK-Erkrankungen. Aus einer bloßen Korrelation lasse sich aber noch nicht einmal bei dieser Bevölkerungsgruppe auf eine Kausalität schließen. Wahrscheinlicher sei vielmehr eine gemeinsame Ursache für den Anstieg des Cholesterinspiegels und des KHK-Risikos. Unter anderem wird vermutet, Cholesterinablagerungen in den Arterien könnten eine Reparaturmaßnahme sein, mit der der Körper auf geschädigte Blutgefäße reagiert. Unterdrückt man diese Reparaturmaßnahme durch Reduzierung des freien Cholesterins, dann mag dies in Extremfällen die Infarktgefahr reduzieren, aber nur um den Preis anderer, womöglich größerer Schäden – etwa eines erhöhten Krebsrisikos.
Wäre ein hoher Serum-(LDL)-Cholesterinspiegel ein Auslöser für Arteriosklerose, so müsste sich in pathologischen Untersuchungen an verstorbenen Patienten eine deutliche Korrelation zwischen dem (LDL-)Cholesterinspiegel und dem Grad der arteriosklerotischen Veränderungen der Gefäße zeigen. Dieser Zusammenhang müsste sich sogar weitaus deutlicher zeigen, als eine etwaige Korrelation mit der KHK-Rate, da nur ein Teil der Herzinfarkte durch Arteriosklerose ausgelöst wird. Eine 1998 veröffentlichte Analyse aller vorliegenden Autopsiestudien zu dieser Fragestellung kommt jedoch auch unter Berücksichtigung der methodischen Schwächen der Untersuchungen zur einzig möglichen Schlussfolgerung, dass es keine signifikante Beziehung zwischen Serum-Cholesterin und Atherogenese gibt.

Irgendwann geraten alle Dogmen ins Wanken. Als Lee Hooper und seine Kollegen ihre Metaanalyse nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin beendet hatten, blieb von der Furcht vor dem Fett nur noch blankes Entsetzen über die Fettforscher übrig. Von weltweit 17.000 Studien, die Ernährungsmediziner in den letzten 40 Jahren an ihren Patienten durchgeführt hatten, entsprachen nämlich nur 27 den wissenschaftlichen Mindestansprüchen an eine Untersuchung, die sich dem Nettonutzen einer fett-und cholesterinbewussten Ernährung widmet. Gegen dieses Ergebnis verblasst sogar das eigentliche Resultat der Metaanalyse. Die nämlich belegt, dass eine fettbewusste Ernährung das Leben der Menschen nicht verlängert.

strubbel