Hallo F11,
also zunächst mal: Dir muss dein Anliegen auf keinen Fall peinlich sein. Glaubenskrisen kommen vor und sind etwas ganz normales. Wichtig ist dabei, dass man sich mit anderen Christen und/oder Freunden austauscht, so wie du es ja gerade machst. Von daher: Super, dass du über dein Anliegen sprichst. Hut ab!
Ich hab mir erst auch mal überlegen müssen, was ich dir schreibe und habe deshalb bis zum WE mit der Antwort gewartet, damit ich etwas mehr Zeit habe. Ich habe auch parallel meine Mutter gefragt, welche Antwortidee sie für dich hat, da meine Mutter und ich ganz unterschiedlich unseren Glauben leben und ich dir zwei verschiedene Anregungen mitgeben wollte.
Ich gebe dir zunächst mal die Antwort meiner Mutter und schreibe danach meine Antwort. Die Antworten haben wir beide in Word vorgeschrieben und dann auf wer-weiss-was kopiert. Es kann sein, dass das mit dem Text kopieren und einfügen nicht funktioniert. Dann melde dich einfach nochmal.
Hier erstmal die Antwort meiner Mutter:
Hallo liebe/r Frageschreiber,
super, dass du dein Problem bei wer-weiß-was geschrieben hast, das dir mit Sicherheit nicht leicht gefallen ist.
Du schreibst von früher, dass du immer ein gutes Gefühl hattest bei allem was du getan hast und dass du wusstest, dass dich Gott liebt. Und jetzt denkst du das zwar auch noch, aber hast dabei ein lasches Gefühl.
Irgendwas ist wohl zwischen „früher“ und „jetzt“ geschehen, dass du jetzt nicht mehr die Freiheit hast Dinge mit Freude und ohne schlechtes Gewissen zu tun.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie belastend es für dich ist, vor allem Tun erst mal zu fragen ob es richtig oder falsch ist, dann zu keinem Ergebnis zu kommen und noch das Gefühl des Sündigens zu haben.
Eines kann ich dir mit Sicherheit sagen: wir alle machen ständig Fehler, treffen oft falsche oder gar keine Entscheidungen und sündigen. Aber, wir Kinder Gottes haben das große Glück, dass Gott auch aus unseren Fehler etwas Gutes machen kann. Bleib mit IHM im Gespräch, das ist das Wichtigste!
Das andere ist, dass uns Gott zur Freiheit berufen hat. Er will, dass es uns gut geht, dass wir Freude am Leben haben, dass wir die Liebe, die ER uns schenkt weitergeben, egal wie.
Ich geb dir einfach den Tipp, dass du ds Schöne siehst, das was du ständig geschenkt bekommst wie Essen, Wohnung, Luft zum atmen, Freunde/ Kumpels, die Vielfalt in der Natur, … Vielleicht hilft dir das, dass du die Angst vor Gott verlierst, der es doch gut mit dir meint und dich nicht los gelassen hat!
Du darfst gerne nochmals schreiben!
Also generell ist es ja nicht verkehrt, dass man sich Gedanken macht ob das was man tut richtig oder falsch ist. Das sollte meiner Meinung auch so sein und ich mache das zum Beispiel auch. So wie du es beschreibst klingt es jedoch eher danach, dass du dir diese Fragen zu oft stellst und sie dich deshalb eher fertig machen.
Der Glaube an Jesus fordert uns zwar heraus aber er ist nicht dazu da, dass wir uns selbst fertig machen und darin eingehen. Der Glaube soll aufbauend wirken und uns in unserem Leben helfen.
Bei dem Beispiel mit dem Baggersee, das du angebracht hast wüsste ich auch nicht eindeutig wie ich reagieren soll. Bei mir käme es ein bisschen darauf an, mit wem ich unterwegs bin. Ich habe z.B. verschiedene Freundeskreise:
1.) Mein christlicher Freundeskreis aus dem Hauskreis:
Wenn ich mit diesen Freunden in solch eine Situation kommen würde, könnte ich mein Problem (auch aus Sicht des Glaubens) offen ansprechen und diskutieren. Ich denke, dass wir am Ende uns darauf einigen würden, das Verbotsschild zu beachten und nicht in den Baggersee zu gehen.
2.) Mein nicht-christlicher aber vernünftiger Freundeskreis:
Mit diesen Freunden würde ich auf das Verbotsschild hinweisen und auch darüber diskutieren. Ich würde versuchen zu klären, warum das Verbot verhängt wurde. Wenn es z.B. deswegen verhängt wurde, weil die Besucher zu viel Müll ans Ufer werfen, würde ich darauf bestehen, nachher keinen Müll oder Spuren zu hinterlassen.
Oft ist aber nicht klar, wieso das Verbot verhängt wurde, deshalb würde ich einfach generell das Verbot ansprechen und einfach generell darauf achten, dass wir uns vorbildlich benehmen. Ich würde aber mitgehen, weil ich denke, dass ich das Betreten verantworten kann und auch dann auch mehr Einfluss auf das Verhalten der Gruppe habe.
3.) Mein nicht-christlicher und eher unvernünftiger Freundeskreis:
Mit diesem Freundeskreis wäre ein Betreten des Baggersees problematisch. Ich wüsste, dass meine Freunde sich nach dem Motto verhalten „Wir wollen Spaß haben, egal welche Auswirkungen das hat“. Ich finde so eine Einstellung blöd, weil wegen solchen Einstellungen erst ein Betreten-Verboten-Schild aufgestellt wird. Ich würde auf jeden Fall die Sache zur Sprache bringen. Ich würde da zunächst nicht meinen Glauben ansprechen sondern mit meinen Freunden versuchen, dass ihre Einstellung Verbotsschilder hervorruft und ich das schade finde. Wenn meine Freunde das nicht verstehen wollen und einfach nur auf ihren Spaß aus sind, dann widerspricht das meinen Glaubensgrundsätzen und ich würde nicht mit den Freunden mitgehen. Da wäre es wichtig ein Zeichen zu setzen. Schließlich sind wir als Christen das Licht dieser Welt und ich finde es wichtig Grenzen zu setzen, da wo Menschen nicht mehr auf andere Rücksicht nehmen und zu egoistisch werden.
Soweit zu dem Baggersee-Beispiel. Aber dein Problem reicht ja weiter, weil du dich ständig fragst, ob du etwas falsch machst und so wie ich das verstehe denkst du, dass du ständig sündigst, oder?
Also ich kenne das auch. Ich hatte so eine Phase auch eine Zeit lang und habe mich gefragt was ich da tun kann. Mein Problem damals war, dass ich mich nicht so richtig lieben konnte und immer dachte, dass ich nichts wert bin. Mir hat ein wenig das Doppelgebot der Liebe (Mt 22,37-40) geholfen:
Jesus spricht: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“
Im zweiten Teil fiel mir dabei auf, dass Jesus sagt, ich solle andere lieben wie mich selbst. Da ist es die wichtigste Voraussetzung, dass ich mich erstmal selbst liebe und wertschätze und mich so akzeptiere wie ich bin.
Bei solchen Situationen wie auch bei dir, bei denen ich immer nicht so sicher war, was ich tun soll, habe ich dann einfach gebetet und Jesus gefragt, was jetzt gerade dran. Ich habe mein Anliegen dann so vor Gott gebracht, dass ich z.B. in etwa gebetet habe: „Herr, ich weiß gerade absolut nicht, was ich tun soll. Ich werde jetzt einfach mit zum Baggersee geben. Wenn du da anderer Meinung bist, dann melde dich bitte jetzt oder gehe mit mir.“
Meistens hatte ich dann ein Bauchgefühl oder einen Gedanken, der mir spontan kam. Nach diesem habe ich mich dann gerichtet. Manchmal habe ich auch gemerkt, dass das Problem nur in meinem Kopf ist und eigentlich kein Problem für Jesus sein sollte und dann könnte ich mich von meinem Grübeln auch befreien. Es wird aber auch vorkommen, das man merkt, dass man etwas, das man machen wollte, nicht machen soll. D.h.: Gebet in der spontanen Situation half mir. Ich bin mir sicher, dass Gott auch dir Antworten in so einer Situation gibt. Bringe dein Anliegen doch da einfach vor Gott wenn du dich wieder in so einer Situation befindest.
Mir fällt auch ein, dass wir uns neulich in unserem Hauskreis das Thema „Wer ist Jesus für mich?“ behandelt haben. Da haben wir uns überlegt, wie wir Jesus beschreiben würden. Es kamen dabei ganz unterschiedliche Rollen von Jesus raus:
- Jesus als der liebevolle Kumpel
- Jesus als der barmherzige Helfer
- Jesus als der harte Richter
- Jesus der Revoluzzer
- und so weiter
Am Ende kam dabei heraus, dass es nicht wichtig ist, welches Bild wir von Jesus haben oder wie wir uns Jesus vorstellen. Wichtig ist, dass wir uns von Jesus leiten lassen und den Mut haben ihn als unseren Chef im Leben auch wirklich anzuerkennen.
Ja soweit erstmal meine Gedanken zu der Sache. Ich kann mir auch vorstellen, dass dir eine Gemeinschaft mit Christen gut tun würde. Also eine Gemeinschaft mit der du offen über dieses Problem reden kannst und die dich mit deinen Fragen annehmen. Ein Austausch unter Christen ist da immer sehr gut.
Ich glaube übrigens nicht, dass du von deiner Psyche her krank bist. Jeder Mensch ist einzigartig und jeder Mensch hat seine Macken. Das ist normal aber deshalb ist man nicht gleich psychisch krank. Also mach dir keine Sorgen, wenn du denkst, dass du dir zu viele Gedanken zu etwas machst. Oft kommt das daher, dass man zu wenig Austauschmöglichkeit mit anderen Gleichgesinnten hat. Dann muss man halt einfach dafür sorgen, dass man diesen Austausch bekommt und seine Gedanken loswird. Sozusagen den Druck im Gehirn ablassen 
Ich hoffe, ich konnte dir damit ein bisschen weiterhelfen. Wenn du weitere Fragen hast, melde dich einfach. Ich bin allerdings jetzt erstmal eine Woche weg und kann dir dann erst ab nächsten WE antworten.