Hallo Seelenexerten,
*p nachreich* Wobei es auch mit P auf mich nicht freundlicher wirkt,
aber ich nehme mal an, dass das keine Absicht ist 
(Schließlich glauben wir ja alle an das Gute im Menschen)
*oberen Absatz deutlich als Scherz kennzeichne*
Also von vorne…
Hallo Margitta,
mal eine ganz allgemeine Frage: Wenn jemand als chronisch
psychisch krank eingestuft wird, ist dieser Mensch dann
unheilbar?
Ich bin kein besonderer Freund der Bezeichnung „unheilbar“.
Vor nicht all zu vielen Jahren galten auch noch viele Erkrankungen aus dem medizinischen Bereich als „unheilbar“, die heute (gut) therapiert werden können. Z.b. einige Krebserkrankungen, HIV, bestimmte Allergien (muss ja nicht immer gleich so dramatisch sein)
Treffender, wobei es natürlich letztich abgesehen von der Zeitperspektive auf dasselbe hinaus läuft, finde ich Formulierungen wie „mit den derzeitigen Mitteln nicht heilbar“.
Die medizinische und psychologische Forschung entwickelt sich so rasant, vor allem aufgrund der technischen Fortschritte.
Sollten chronisch psychisch Kranke lediglich stabilisiert
werden, z. B. mit Medikamenten oder durch das Erlernen von
Entspannungsübungen oder sollte nicht besser die verkorkste
Biografie aufgearbeitet werden, damit sich so eine erkrankte
Person besser fühlen kann.
Das kommt darauf an, was der chronisch Kranke für eine Erkrankung aufweist. Das wovon Du sprichst sind 2 grundlegend verschiedene Behandlungsansätze, wovon der eine eher für Erkrankungen der Gruppe A und der andere für Erkrankungen der Gruppe B geeignet erscheint.
Diese Behandlungsansätze kann der Patient aber, sofern nicht zwangseingewiesen, selbst wählen. Es ist Deine Entscheidung als Patient, ob Du eine Verhaltenstherapie oder eine Gesprächstherapie oder tiefenpsychologische orientierte Therapie machst. (Wobei der Therapeut natürlich noch ein Wörtchen mitspricht, wenn er keinen Therapieerfolg erwartet)
Nicht alle Erkrankungen und damit auch nicht alle chronischen Erkrankungen gehen in erster Linie auf eine „verkorkste Biografie“ zurück. Ein Patient mit einer chronischen Schizophrenie profiterit erwartungsgemäß jedoch eher von einer medikamentösen und verhaltensorientierten Behandlung, als von dem Aufarbeiten seiner u.U. „verkorksten Biografie“.
Oder ist es den Krankenkassen inzwischen zu teuer, solche
Leute aufwendig zu behandeln,
Die chronischen Erkrankungen sind wesentlich kostspieliger.
Ein Beispiel aus der Medizin: jmd mit einer chronischen Asthma-Erkrankung wird immer wieder mal einen Notarzt anfordern müssen
und er verursacht seiner Krankenkasse in regelmäßig kurzen Abständen Kosten allein dadurch, dass er bei seinem Arzt Rezepte für sein Spray nachordert. Nun kann man Asthma-Erkrankungen ja in der Regel noch mit verhältnismäßig günstigen Maßnahmen behandeln.
Anders sieht es da schon bei chronischer Arthritis aus oder wenn jemand aufgrund einer chronischen Erkrankung regelmäßig zur Dialyse muss. Dasselbe gilt für psychische chronische Erkrankungen.
Auch dort gibt es Abstufungen hinsichtlich der Kosten und des regelmäßigen Interventionsbedarfs.
Daher haben die Krankenkassen durchaus ein Interesse daran, dass Therapiemöglichkeiten für chronische Erkrankungen gefunden werden.
so daß auch die entsprechende
Ärzteschaft dazu angehalten wird, solche Leute, die Hilfe
suchen, abzuwimmeln und zu brandmarken, mit der Bemerkung:
„Eine chronische psychische Erkrankung ist genauso wenig
heilbar, wie z.B. Diabetes.“, und damit über diese
Hilfesuchenden das Urteil „lebenslänglich“ auszusprechen?
Patienten mit chronischer Erkrankung werden nicht abgewimmelt.
Es ist ihre Pflicht, den Patienten über Heilungschancen nach dem derzeitigen Stand der Forschung aufzuklären.
Und so wie sich ein an Diabetes Erkrankter Mensch mit seiner Krankheit arrangieren muss, müssen es auch Patienten mit psychischen Krankheiten. Denn erst, wenn man begriffen hat, dass das nicht „übermorgen“ wieder vorbei ist, kann man sich mit seiner Krankheit effektiv auseinandersetzen und Strategien entwickeln, mit ihr umzugehen.