im 50±Brett habe ich bereits versucht etwas rauszufinden über die Medikation von Senioren (in Pflegeheimen). Das schein mir aber nicht der richtige Ort zu sein, darum versuche ich es hier erneut.
Mit Einzug ins Pflegeheim vor 16 Tagen bekam meine stark kurzzeitgedächtniseingeschränkte Schwiegermutter vom Neurologen 100mg Citalopram verschrieben und vom Allgemeinmediziner zur Bedarfsmedikation Bromazepam. Nachdem die Müdigkeit aber überhand nahm, wurde statt des Bromazepam Risperidon 2x tägl. verschrieben.
Nach etwas mehr als zwei Wochen hat nun das Antidepressiva voll rein, sie ist aufgedreht, seeehr guter Dinge (sie hatte allerdings nie Depressionen) und ist auch promt heute nach dem Mittagessen „spazieren“ gegangen und wurde von Passanten als verwirrt erkannt, die dann netterweise auch die Polizei riefen, die in dem Moment eintraf, als wir und eine Schwester sie gefunden hatten und im Begriff waren wieder ins Heim zu bringen.
Morgen nun werde ich endlich den Neurologen zu fassen kriegen, der jetzt eine Woche im Urlaub war.
Da meine Schwiegermutter nun die erste Person ist, die ich in einem Heim habe, sind dies auch die ersten Erfahrungen die ich sammel. Dennoch frage ich mich zum einen, was den Neurologen dazu veranlaßt haben könne einer Frau mit Demenz, die lediglich sehr verwirrt war, weil sie ständig vergißt wo sie ist und warum, eine so hohe Dosis eines Antidepressivums zu verschreiben und zum anderen, was einen Allgemeinmediner der Kenntnis von dem Citalopram hatte auf die Idee kommen läßt ein Neuroleptikum zu verschreiben? Ich verstehe das alles nicht. Ursprünglich ging es darum, ihr zum Durchschlafen zu verhelfen. Nun ist sie so aufgedreht, daß sie, wenn sie abends das Nachthemd anhat, die Nachtschwester sie beim Kontrollgang bereits wieder voll angezogen vorfindet. Stimmt mir irgendwer bei meiner Vermutung zu, daß das Antidepressivum ein wenig kontraindiziert ist?
Hallo,
also ich arbeite selber in einem Krankenhaus und habe viel mit dementen Personen zutun.
Bei uns werden diese Medikamente auch zusammen gegeben, allerdings nicht in so hoher Dosis. Du sagst sie hat 100mg Citalopram bekommen, bei uns bekommen die Patienten max. 20mg, meistens eher noch 10mg. Und Risperdon bekommen unsere Patienten überwiegend zur Nacht und davon 1mg oder 0,5mg.
Was man aber sagen kann ist, dass es Menschen die dement sind immer schwer fällt in ein neues Umfeld zu wechseln. Es ist durchaus möglich das solche Menschen dann depressiv werden und auch starke Probleme mit dem Einschlafen haben. Also Risperdon als Medikament zum Durchschlafen funktioniert bei uns ganz gut, ich habe im Nachtdienst mit Patienten die diese Medikamente bekommen eher keine Probleme.
Citalopram wirkt stimmungsaufhellend und verhindert das man sich nur „trübe Gedanken“ macht. Was ich mir vorstellen kann, ist das der Neurologe nicht wollte, das deine Schwiegermutter Angstzustände bekommt und in ein Loch fällt. Vielleicht wollte er es ihr damit leichter machen sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden.
Wenn sie so aufgedreht ist, dass sie abends nicht einschläft (das was du mit dem Nachthemd schilderst, ist für mich ein sehr bekanntes Bild), dann war wahrscheinlich das Citalopram wirklich viel zu hoch eingestellt und man muss das besser einstellen, aber auch sowas sollte man nicht ohne Arzt entscheiden.
Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Glück bei dem Neurologen und gute Besserung an deine Schwiegermutter.
Lg
Maus0310
Das ist schon mal eine hilfreiche Antwort! Dennoch bin ich nicht der Meinung, egal wie wohlmeinend von dem Arzt das auch gewesen sein mag, einem Menschen ohne Indikation ein solches Medikament zu verschreiben. Er hätte, angesichts der Demenz, sich zumindest von uns Angehörigen schildern lassen müssen, was für einen Grundcharakter die Patienten hat. Und der Grundcharakter meiner Schwiegermutter ist - Gott sein Dank - denkbar weit weg von Depressionen.
Ich bin zumindest froh, daß es sich um eine nicht ganz „unübliche“ Verschreibung handelt. Aber die Dosierung muß auf jeden Fall verändert werden.