Hi Fredun,
nicht nur Messalina geht davon aus, ich eigentlich auch.
Zumindest für den Schulunterricht beispielsweise.
Na ja, ich glaube, dass die meisten Deutschlehrer so manches, was im Duden steht, in einem Aufsatz anstreichen würden. Aber die Sinnhaftigkeit eines Regelwerkes für Unterricht, Amtsdeutsch, etc. leuchtet mir ein, nicht jedoch ein solches als Grundlage für sprachwissenschaftliche Diskussionen, es sei denn, es wäre wissenschaftlich untermauert, was der Duden in weiten Teilen nicht ist.
Würden die Kultusminister die deutsche Sprache neu erfinden,
wie Dein Beispiel impliziert, wäre das eine andere Geschichte.
Wo ziehst Du die Grenze? Ist der Unterschied nicht irgendwann nur noch graduell?
Was würdest Du denn als Qualitätsmaßstab wählen ?
Ganz einfach: den Stand des Wissens in der Sprachwissenschaft. Es gibt z.B. sehr plausible Untersuchungen darüber, dass obwohl mit Verbzweitstellung in der gesprochenen Sprache eine andere Bedeutung hat als obwohl mit Inversion, noch dazu eine, die sich im Deutschen anders nicht ausdrücken lässt. Das ist für mich eine ausreichende Begründung, nicht aber, dass irgendwer das in den Duden geschrieben hat.
Worte haben keinen Sinn. Im Satz vorher hast Du eigentlich
ganz richtig geschrieben ‚im täglichen Gebrauch eine konkrete
Funktion‘.
Das stimmt…
Und im täglichen Gebrauch wird optimal nun mal nicht im
einfachen mathematischen Sinne benutzt (Optimum einer Funktion
oder so) sondern es wird z.B. die beste Lösung als optimale
Lösung bezeichnet. Aber doch immer in dem Sinne, dass es
lediglich die Beste ist, die man zur Zeit kennt … doch nie
ausschließend, dass es noch eine bessere Lösung gibt … die
wäre dann halt noch optimaler.
…das hingegen nicht, wenns auch ne nette Idee wäre. Ohne jetzt ne Studie gemacht zu haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Steigerung von optimal in der Umgangssprache nicht für den Prozess der Erkenntniserweiterung über das Optimum benutzt wird. Es scheint eher so zu sein, dass der Begriff „optimal“ selbst inflationiert ist und nicht mehr das beste sondern nur noch „sehr gut“ bedeutet, so dass die Steigerung für das Ausdrücken des tatsächlich Optimalen notwendig wird. Damit hätte ich auch kein Problem, wenn es nicht dazu führen würde, dass auch die Steigerung „optimalst“ dem schleichenden Relativierungsprozess anheim fällt, was wiederum dazu führt, dass man das tatsächliche (absolute) Optimum in bestimmten Kontexten gar nicht mehr ausdrücken kann. Da zuvor bereits Begriffe für „sehr gut“ existierten, handelt es sich hierbei um eine reine Verarmung der Sprache. Aber das ist ein anderes Thema.
Im Duden stehen Dinge, die nachweislich falsch sind, (…)
Schön, schön … nur wenn es nachweislich falsch ist, dann
weise es doch mal nach.
Darüber hab ich mein Vordiplom gemacht, schicke Dir die Arbeit gerne zu, wenn es Dich interessiert. Ist etwas zu umfangreich für ein Posting.
Und klar : der optimalste Duden wäre natürlich der völlig
fehlerfreie Duden … solange aber wird man sich wohl mit
optimalen Zwischenlösungen, bei denen die jeweils Folgende
dann hoffentlich etwas optimaler als die Vorhergehende ist,
zufrieden geben müssen.
Das sehe ich anders.
Selbst wenn der fehlerfreie Duden existierte, gäbe es keinen Grund, sich auf irgendwas als Referenz für sprachwissenschaftliche Fragen zu beziehen. Es gibt schließlich auch in der Physik oder Biologie auch nicht „das Referenzwerk“, das im Zweifel recht hat, sondern nur die kontinuierliche wissenschaftliche Diskussion.
lg
F.