Grüß Dich Michael,
wenn man schon auf das Lateinische als Ursprung für den Namen Kochel hinaus will (über die Richtigkeit dieser Hypothese lässt sich trefflich streiten), so muss es dann zumindest „cuculla“ heißen, und das bedeutet in der Tat „Kapuze“. Mit einer Kapuze kann man ja durchaus etwas rundliches, nach oben gewölbtes assoziieren.
Mir erscheint das aber viel zu kurz gegriffen, da auf der Birg bei Kochel (Altjoch) bereits in der Bronzezeit eine stark befestigte Anlage existierte. Man geht unter Heimatforschern der Kochler Umgebung davon aus, dass es eine der größten und wichtigsten Orte Süddeutschlands der Bronzezeit war, von wo aus der Alpenübergang Richtung Walchensee (und dann weiter nach Italien) kontrolliert wurde. Insbesondere ist dabei der Fernhandel per pedes mit Zinn zu nennen, welches von Südengland quer durch den Kontinent eben über den Kesselberg (Berg hinter Altjoch) transportiert wurde, damit es zu den Erzlagerstätten des Kupfers kam um auf diesem Wege im Mischungsverhältnis 1:10 zu Bronze zu werden. OT: Kupferlagerstätten waren zur damaligen Zeit in Zypern (Name!!!) und einigen wenigen weiteren Stellen (kleinere Lagerstätten auch in Österreich) bekannt.
Aber auch der Salzhandel aus den österreichischen Lagerstätten ist dabei sicher wichtig.
Angesichts der Tatsache, dass die Bronzezeit deutlich vor den Römern war, denke ich, dass die Römer einen älteren Begriff (aus einer der Vorgängersprachen) übernommen haben und ihn „latinisiert“ haben, so dass er halbwegs einen Sinn gibt. Und so könnte es zu „cuculla“ geworden sein.
Irgend jemand hat mir mal erzählt, die Ursprungsbedeutung von „Kochel“ sei „Schneckenhaus“, weil ein Köchel (= Bergform, u.a. der Birg bei Altjoch/Kochel) so gewunden sei wie ein Schneckenhaus. Aber Quellen habe ich für diese Aussage keine. Das ist mir nur in Erinnerung geblieben, von einem Gespräch mit einem Bekannten.
Da sich letztlich die meisten Ortsnamen auf irgendwelche Geländecharakteristika zurückführen lassen, könnte auch das irische Wort (als Nachfolgesprache des Keltischen) ceoch (ausgesprochen „kooch“) in der Bedeutung „neblig, wolkig“ in Betracht kommen: jeder aus dem Großraum Kochel weiß, dass Kochel ein Nebelloch/Wolkensammelpunkt ist: Überall scheint die Sonne, nur in Kochel ist es diesig-trüb (oder es regnet gar).
Allerdings ist natürlich auch das Keltische für die Bronzezeit zu jung, weshalb man in noch älteren Sprachen (z.B. Vaskonisch) suchen müsste. Ich habe selbst nur ein kleines baskisches Wöbu, und darin habe ich nichts gefunden, was mit „Kochel“ sprachverwandt sein könnte und irgendwie mit „runder Hügel“ oder ähnlichem in Verbindung gebracht werden könnte (trotz Berücksichtigung verschiedener Buchstabenverschiebungen). Ich betone aber nochmals, dass es nur ein kleines Wöbu ist und sicher nicht alle Wörter dieser Sprache enthält (so fehlt z.B. das Wort „Haube“, was auch schon in anderen Antworten mehrfach genannt wurde). An einen Ursprung aus dem Vaskonischen lässt die alte Namensform „Quochcalun“ denken, da es im Baskischen eine Endung „-gune“ gibt, welche die Bedeutung „Bereich, Bezirk“ hat (unser Wort „Zone“ steckt darin!). Somit müsste man mal die Muttersprachler Basken hier im wer-weiss-was fragen (ich hoffe, es gibt welche!), ob es ein „gotxal“ oder ähnlich (d.h. mit Berücksichtigung der Buchstabenverschiebungsregeln) als Wort gibt, welches dann eine sinngemäße Bedeutung von „runder Hügel“ oder ähnlich hätte/hat.
Mehr kann ich momentan nicht zur Erhellung oder Verwirrung (ganz wie man will) beitragen.
Daher wünsche ich eine gute Nacht und einen schönen Sonntag
Viele Grüße
Alexander
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