Coitus interruptus im katholischen Verständnis

Hallo,

kennt jemand (möglichst mit Beleg) die offizielle Position der katholischen Kirche zum Coitus interruptus als „Verhütungs“-Methode?

Gracias,

Hasta Lavista

Hallo, H.L. !

Endlich 'mal eine interessante Frage! - Auf die Antworten freue ich mich jetzt schon …
Leider bin ich nicht der richtige Ansprechpartner, da ich kein Angehöriger der R.-K.-Kirche bin. Ich denke aber, dass Coitus Interruptus nicht als Verhütungsmethode angesehen werden kann, da ja der eigentliche Vorgang nicht vollendet wird. „C.I.“ müsste also ähnlich wie Onanie betrachtet werden, und die Sünde des Onan war, daß er seinen Samen auf den Sand verwarf, anstatt ihn seiner verwitweten Schwägerin zu geben …

Wie gesagt: Auf die Antworten bin ich sehr gespannt!!!

Hasta Luego

Fr.-Chr.

Hallo,

nach dem Lexikon der christlichen Moral (Artikel "Empfängnisverhütung) lehnt die katholische diese Methode ab:

„Beim Abbrechen des Verkehrs (copula interrupta, besser abrupta; coitus interruptus) zum Zweck der E. trennen sich die Gatten vor dem Orgasmus des Mannes, der die Spannungslösung (mit Ausscheidung des Spermas) außerhalb der geschlechtl. Einung erreicht, wälhrend die Frau häufig ungelöster Spannung überlassen bleibt, die für sie eine Qual bedeutet. Viele Frauen erleben das Abbrechen sogar als Symbol für etwas, was sie befürchten, näml. daß sie vom Mann verlassen werden. Bei solchem Vorgehen schenken sich die Gatten einander weder der Zeit noch dem Inhalt nach voll; schon durch das Bedachtsein auf das rechtzeitige Abbrechen wird die (eigentl. ersehnte) gelöste u. vorbehaltlose Hingabe verhindert. Diese Methode kann daher der ehel. Liebe Abbruch tun (vgl. die Entweihung der ehel. Liebe durch unerlaubte Praktiken gegen die Fruchtbarkeit, GS 47) u. Gatten einander entfremden; vom kirchl. Lehramt wird sie abgelehnt (HV 14).“

[Fragt mich jetzt nicht, was GS (nein, nicht „Geschlechtssinn“!) und HV (nein, nicht „Handverkehr“!) heißt. Ich schätze, dass sich diese Abkürzungen auf päpstliche Enzykliken beziehen, aber genau weiß ich das nicht.]

Im Grunde aber ist es in der katholischen Kirche ein Grenzproblem, also moralisch betrachtet ein weniger gravierendes Problem, denn hier handelt es sich aus kirchlicher Sicht ja eher um ein Unterlassen als um ein Handeln. Und Unterlassungen sind eher verzeihlich als Tätigkeiten.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Coitus interruptus

trennen sich die
Gatten vor dem Orgasmus des Mannes, der die Spannungslösung
(mit Ausscheidung des Spermas) außerhalb der geschlechtl.
Einung erreicht, während die Frau häufig ungelöster Spannung
überlassen bleibt, die für sie eine Qual bedeutet. Viele
Frauen erleben das Abbrechen sogar als Symbol für etwas, was
sie befürchten, näml. daß sie vom Mann verlassen werden. Bei
solchem Vorgehen schenken sich die Gatten einander weder der
Zeit noch dem Inhalt nach voll; schon durch das Bedachtsein
auf das rechtzeitige Abbrechen wird die (eigentl. ersehnte)
gelöste u. vorbehaltlose Hingabe verhindert.

Danke für das Zitat, Thomas! Der Verfasser weiß jedenfalls, wovon er schreibt.
Gruß,
Pietro

Danke; übrigens HV = Humanae Vitae
Vielen Dank für die Antworten, besonders an Thomas.
Habe herausgefunden, dass HV die Abkürzung für die Enzyklika
Humanae Vitae ist.

Deutscher Text ist einsehbar unter

http://www.uibk.ac.at/c/c2/c223/c22311/texte/humanae…

Gemäß Punkt II. 14 ist auch C.i. nach katholischer Lehrmeinung abzulehnen. Das Ausnutzen unfruchtbarer Tage ist allerdings erlaubt (II. 16).

Ich enthalte mich jeglichen Kommentars.

Hasta Lavista

Hallo,

Habe herausgefunden, dass HV die Abkürzung für die Enzyklika
Humanae Vitae ist.

darauf hätte ich auch selbst kommen können *mirvordieStirnschlag*, aber ich Dussel hab nach einem Abkverz gesucht …

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo, Pietro!
Ich "sagte"doch, daß ich mich auf die Antworten freue. Zu recht, wie mir scheint …

Danke für das Zitat, Thomas! Der Verfasser weiß jedenfalls,
wovon er schreibt.

Und ich frage mich jetzt: „Woher, um alles in der Welt, hat der Verfasser das wissen können?“

Gruß

Fr.-Chr.

GS = Gratissimam sane
Johannes Paul II., Brief an die Familien „Gratissimam sane“ (1994).

Hierzu z.B.
http://www.expo-vatican.de/EXPO_VATICAN_DE/Dokumente…

auch ohne weiteren Kommentar

Gruß

Metapher

halbe Wahrheit
Hi Thomas

dieser Text entlarvt so herrlich die ihm zugrunde liegende Denkweise:

"… zum Zweck der E. trennen sich die Gatten vor dem Orgasmus des Mannes

wäre ja bis hierher ok, weil die Definition (wenn auch in der allgemeinen Auffassung anders verstnden) von copula abrupta ist nur, daß das Paar sich trennt, bevor es einen männlichen Orgasmus gibt. Die Trennung setzt aber 1. nicht voraus …

… der die Spannungslösung (mit Ausscheidung des Spermas) außerhalb der geschlechtl. Einung erreicht

… daß es danach einen Orgasmus des Mannes geben müsse, und setzt 2. nicht voraus …

… während die Frau häufig ungelöster Spannung überlassen bleibt, die für sie eine Qual bedeutet.

… daß es nicht vorher einen Orgasmus der Frau geben könne!
Es ist ja immerhin möglich, daß 1. die copula dann erst abrupta wird, wenn die Frau orgasmiert hat oder 2. falls der Mann extravaginal ejakuliert, die Frau auf andere Weise ebenfalls eine „Lösung der Spannung“ erreicht.

Auch dies ist eigenartig argumentiert:

Viele Frauen erleben das Abbrechen sogar als Symbol für etwas, was sie befürchten, näml. daß sie vom Mann verlassen werden.

  1. nein - es ist undenkbar, daß es umgekehrt eine Sorge der Frau sein kann, daß der Mann sich rechtzeitig zurückzuziehen versteht??

  2. nein - der Mann hat nie die Befürchtung, daß er von der Faru verlassen werde??

Das ist interessant: Das einzige (wenn auch fehlerhafte) Argument gegen diese Methode ist der fehlende Orgasmus der Frau! Ob das wirklich ernsthaft gemeint sein kann?

Ich vermute viel eher, daß das eine Vertuschung und ein scheinbares Zugeständnis an den „Zeitgeist“ ist, denn das ursprüngliche Argument war einmal dasselbe wie das gegen die Masturbation, daß nämlich der „Same“ sinnlos vergeutet werde.

Wenn auch immerhin hier vorausgesetzt wird, daß auch die Frau ein Anrecht auf Befriedigung hat und daß auch dies zum sexuellen Akt dazugehört, so wird zugleich vorausgesetzt, daß das Interesse, daß es nicht zu einer Befruchtung komme, immer ausschließlich vom Manne ausgehe. Undenkbar, daß eine Frau dasselbe Interesse hat? Oder doch vielmehr undenkbar, daß der Frau ein gleichberechtigtes Mitspracherecht zugestanden wird?

Bei solchem Vorgehen schenken sich die Gatten einander weder der Zeit noch dem Inhalt nach voll;

Das wiederum zeigt die nachwievor beschränkte Auffassung von Sexualität, die ja ganz andere als nur koitale Möglichkeiten kennt, „sich der Zeit noch dem Inhalt nach voll zu schenken“.
Und diese hätte das Problem der Schwangerschaftsverhinderung ja gar nicht.

Wenn auch dies hier tatsächlich gut beobachtet ist (nein, das heißt nicht, daß die Autoren wissen wovon sie reden - obwohl das vorausgesetzt werden kann - es heißt nur, daß sie für die Klage von Gemeindeschäfchen ein offenes Ohr hatten):

schon durch das Bedachtsein auf das rechtzeitige Abbrechen wird die (eigentl. ersehnte) gelöste u. vorbehaltlose Hingabe verhindert.

so blitzt auch hier wieder die Auffassung von Sexualität durch, daß es dabei ausschließlich um die Fortpflanzung gehen dürfe - deshalb muß auch diese Möglichkeit wegargumentiert werden.

Auch die ebenso rührende, als auch vor allem einseitige Ausdrucksweise der „Hingabe“ und des „sich schenkens“, die das genau umgekehrte Moment völlig außer acht läßt, zeugt noch von der völlig schiefen Deutung der Sexualität. Es ist also nur „die halbe Wahrheit“. Nein - sie wissen nicht , wovon sie reden :smile:)

Gruß

Metapher

Hallo Metapher,

dieser Text entlarvt so herrlich die ihm zugrunde liegende
Denkweise:

ich stimme mit dir hier vollkommen überein! Die Antwort galt ja nur der Beantwortung der Frage, wie die katholische Kirche zum Interruptus steht. Ich wollte das ganz wertneutral beantworten.

Nein - sie wissen nicht , wovon sie reden :smile:)

Der Satz, auf den sich das bezieht, stammt nicht von mir - wollte ich nur gesagt haben … (Man kommt ja sonst in einen völlig falschen Ruf :smile: !)

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Metapher,

auf „Humanae Vitae“ hätte ich ja noch selbst kommen können …,

aber wie kommt man auf sowas:

Johannes Paul II., Brief an die Familien „Gratissimam sane“ (1994).

Oder muss man das einfach wissen?

fragt ein neugieriger

Thomas Miller

Vatikan …
ganz einfach: indem man sich hier:

http://www.vatican.va/

mal hinundwieder ein wenig herumtreibt :smile:

Oder muss man das einfach wissen?

wenn man u.a. mit Familen-Konflikt-Beratung beschäftigt ist, kommt man darum nicht herum, es gehört dann zum „Berufsethos“ *kichergrins*

LG & SWE

Metapher

falsche Rüfe :smile:
Hi Thomas

… Die Antwort galt ja nur der Beantwortung der Frage, wie die katholische Kirche zum Interruptus steht. Ich wollte das ganz wertneutral beantworten.

logo - ich ja auch (wertneutral). War nur ergänzend zur Frage von Hasta Lavista gemeint.

Nein - sie wissen nicht , wovon sie reden :smile:)

Der Satz, auf den sich das bezieht, stammt nicht von mir -
wollte ich nur gesagt haben … (Man kommt ja sonst in einen
völlig falschen Ruf :smile: !)

ich weiß. Es war Pietro (*wink*), der seinerseits ja immer weiß, wovon er schreibt (

Hallo Metapher,

Wollte um Himmels willen deinen guten Ruf nicht schänden *ggg*
(geht das überhaupt? *michduck*)

Du weißt doch:

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert!

In diesem Sinne beste Grüße :smile:

Thomas Miller

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert!

Heeeeee, moment, das ist mein Spruch.

Ich hab doch hoffentlich keinen schlechten Einfluss auf dich gehabt ? :smile:

lieben Gruss
Marion

Urheberrechte :smile:
Tja Marion,

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert!

Heeeeee, moment, das ist mein Spruch.

jetzt erinnere ich mich wieder, dass du das auch verwendetest. Allerdings habe ich diesen Spruch schon vor 20 Jahren gehört (1982 zum ersten Mal).

Nun warst du ja damals auch in Münster. Es könnte also ein Zusammenhang bestehen zwischen dir als Urheberin und meiner Quelle. Der Mann hieß „Meinolf Schulte“, wohnte mit mir im selben Wohnheim, studierte - glaube ich - Geographie und Germanistik auf Lehramt und ist inzwischen leider verstorben. Er hatte solche Sprüche drauf wie: „Wer früher stirbt, ist länger tot“ und so. Sollten hier urheberrechtliche Bedenken bestehen, können wir ja mal erruieren, wie hoch die Vergütung für unerlaubte Verwendung von 10-Wort-Sätzen ist - und ob ich mir die Benutzung überhaupt leisten kann. Mit der Alternative einer Entfernung des Eintrages wäre ich aber wohl doch überfordert, weil ich ja dazu MOD im Religionsbrett - Gott bewahre! - werden müsste. :smile:

Ich hab doch hoffentlich keinen schlechten Einfluss auf dich
gehabt ? :smile:

Aber natürlich, sehr schlechten sogar! Hast du was Anderes erwartet??? :smile:

Herzliche Grüße

Thomas

Weiterentwicklung
Moin Thomas,

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert!

Heeeeee, moment, das ist mein Spruch.

jetzt erinnere ich mich wieder, dass du das auch verwendetest.
Allerdings habe ich diesen Spruch schon vor 20 Jahren gehört
(1982 zum ersten Mal).

Hättest du ihn damals doch auch beherzigt dann müsstest du jetzt nicht bangen *fg*.

Nun warst du ja damals auch in Münster. Es könnte also ein
Zusammenhang bestehen zwischen dir als Urheberin und meiner
Quelle. Der Mann hieß „Meinolf Schulte“, wohnte mit mir im
selben Wohnheim, studierte - glaube ich - Geographie und
Germanistik auf Lehramt und ist inzwischen leider verstorben.
Er hatte solche Sprüche drauf wie: „Wer früher stirbt, ist
länger tot“ und so. Sollten hier urheberrechtliche Bedenken
bestehen, können wir ja mal erruieren, wie hoch die Vergütung
für unerlaubte Verwendung von 10-Wort-Sätzen ist - und ob ich
mir die Benutzung überhaupt leisten kann. Mit der Alternative
einer Entfernung des Eintrages wäre ich aber wohl doch
überfordert, weil ich ja dazu MOD im Religionsbrett - Gott
bewahre! - werden müsste. :smile:

Da kann ich nur mit einem Wahlspruch antworten, der mit zunehmendem Alter obigen aus meinem Repertoir verdrängt:

„Nimm das Leben nicht so ernst, es handelt sich nur um eine vorübergehende Angelegenheit“ :smile:

Diesen Spruch darf aber nur anwenden, wer obigen jahrelang zuverlässiger immer wieder neu unter Beweis gestellt hat *g*.

Ich hab doch hoffentlich keinen schlechten Einfluss auf dich
gehabt ? :smile:

Aber natürlich, sehr schlechten sogar! Hast du was Anderes
erwartet??? :smile:

Nicht wirklich. Wenn zwei Leute wie wir aufeinandertreffen passiert sowas glaub ich automatisch. Ich hab so eine Wirkung auf manche Menschen, ich kann da nix für *g*

liebe Gruss
Marion

Hallo Marion,

„Nimm das Leben nicht so ernst, es handelt sich nur um eine
vorübergehende Angelegenheit“ :smile:

ok, ich werde mich bessern …

Ich habe so eine Wirkung auf manche Menschen, ich kann da nix
für *g*

Jaja, das sagen alle …

Herzliche Grüße

Thomas