Computersucht

Hallo,

angenommen, jemand (nicht ich) hat die Idee, Seminare gegen die Computersucht zu veranstalten. Die Seminare sollen auch zur Prävention dienen und sich z.B. an Eltern wenden.
Dieser jemand hat keine psychologische oder pädagogische Ausbildung, allerdings selbst Erfahrung mit dieser Sucht. Entsprechendes Fachwissen wird gerade erarbeitet.

Meint ihr, es gibt in Deutschland genügend Leute, die dieses Seminar besuchen würden?
Braucht man das? Hat das Zukunft?
Zwar gibt es ein paar Zahlen über die PC-Süchtigen in Deutschland, allerdings ist ja die Zahl der Süchtigen nicht gleich die Seminarteilnehmer. Und dann ist weiterhin die Frage, welchen Preis die Teilnehmer dafür zahlen würden.
Zudem besteht die Sorge, ob man solche Seminare ohne Psychologie- / Pädagogikstudium überhaupt machen sollte. Ich persönlich würde in einem solchen Fall wahrscheinlich nur zu Fachleuten gehen…

Wie findet ihr diese Idee?

Gruß
Tato

PS: Ich fand die Foren „Existenzgründung“ und einige andere ebenfalls passend, aber ich denke, es ist hier am besten aufgehoben…

moin,
ich finde diese idee prinzipiell nicht schlecht.
es gibt mit sicherheit auch genuegend „ansaetze“, die diese sucht belegen und beschreiben.
allerdings sehe ich da keinen „markt“ um mit bezahlten therapien weiterzukommen - das thema problem schon heiss, aber krankenkassen werden das ( noch nicht ) uebernehmen, und aus privater tasche sehe ich das thema noch nicht genuegend als ursache fuer viele verhaltensstoerungen thematisiert und erkannt.
gruss
khs

Hallo,

allerdings sehe ich da keinen „markt“ um mit bezahlten
therapien weiterzukommen - das thema problem schon heiss, aber
krankenkassen werden das ( noch nicht ) uebernehmen

Hmm, aber die Leute besuchen auch Nichtraucher-Seminare und müssen noch 150-300 Euro dazuzahlen… Das ist nicht wenig und wird anscheinend auch besucht.
Es gibt bereits eine Vorreiterin in diesem Gebiet. Sie therapiert per Mail, Telefon und Chat und nimmt für 6 E-Mail-Beratungen und 5 Chats 180 Euro. Ich finde es sehr bedenklich, Internetsüchtige im Internet zu therapieren…

und aus privater tasche sehe ich das thema noch nicht genuegend als
ursache fuer viele verhaltensstoerungen thematisiert und erkannt.

Das ist wohl das Problem. Vielleicht kann man aber dort noch die Augen öffnen? Das Problem wird ja m.E. deutlich zunehmen. Wäre ja schön, wenn man mit dem Trend gehen könnte und einer der ersten ist.

Trotzdem ist die Computersucht weder tödlich noch besonders gesundheitsschädlich, wie es bei den anderen Suchtarten der Fall ist.
Allerdings gibt es genug Nachteile, die durch die Computersucht entstehen…

Gruß
Tato

moin nochmals,

das sagst du ja schon selbst: nichtraucherseminare werden gefoerdert, weil sie

a. der gesundheit dienen
b. den geldbeutel entlasten

da hat also zumindest im punkt s. die gesundheitsindustrie interesse daran, einzugreifen.

zweifelsfrei fuehrt uebermaessiges " computern " auch zu gesundheitsschaeden.

das sage aber ICH nun mit meinem gesunden menschenverstand - langfristige studien dazu gibt es kaum bzw die auswirkungen werden ( noch nicht ) als gesundheitsrelevant in foerderungs/therapiewuerdige massnahmen anerkannt + umgesetzt.
gruss
khs

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tato!

Das Posting ist hier ganz gut aufgehoben, da es wohl darum geht, wie man Sucht behandeln kann.

Meiner Auffassung nach ist Sucht selten das eigentlich Problem: wenn jemand eine Spielsucht am PC entwickelt, dann gibt es spezielle Persönlichkeitsmerkmale, die diese Entwicklung fördern.

Im PC Spiel geht es - anders als im richtigen Leben - stark reglementiert vor und man kann mit einiger Übung relativ große „Erfolge“ feiern. Dieser Wunsch lässt auf Defizite im „echten“ Leben schliessen (nicht selten Selbstwertprobleme).

Worum es im Grunde also geht, ist nicht die PC-Spielsucht zu besiegen, sondern vielmehr eine Alternative im „echten“ Leben kennenzulernen (sich selber akzeptieren, sich selber schätzen lernen). Dabei ist „PC-Spielsucht“ eben teilweise auch mit anderen Süchten austauschbar - die zugrunde liegen Probleme sind individuell verschieden.

Eine solche Behandlung würde ich aber einem Fachmann überlassen.

Im Grunde kann jeder andere Menschen „psychologisch beraten“ und sogar eine Prüfung nach dem „Heilpraktikergesetz“ machen (und somit eine „Praxis“ führen), aber fundiert geht anders („Ohne Fleiss kein Preis“).

Lieben Gruß
Patrick

Hallo, Tato,
gut zu deiner Frage passt ein Artikel, der gerade heute bei Heise zu lesen war: http://www.heise.de/newsticker/meldung/67852
Grüße
Eckard

Hallo Eckard,

danke für den Link. Dieser kommt jetzt in die private Linksammlung zu diesem Thema (heise schreibt da recht viel drüber).

Gruß
Tato

Hallo Tato,

Du schreibst weiter unten von den Leuten die auch Nichtrauchertrainings besuchen- nun ich bin so jemand der solche Seminare gibt und ich bin jemand der in der Suchthilfe arbeitet OHNE therapeutische Ausbildung- meine eigene Erfahrung ist auch mein Wissen. In vielen DROBS sind solche Leute gefragt, weil sie oft den Kontakt zum Süchtigen auf Grund ihrer besonderen Nähe herstellen können. Wenn ich in einer beratenden Funktion tätig bin ist es mir aber wichtig dem Klienten ganz deutlich zu sagen, dass ich nicht therapeutisch arbeite und das ohne Ausbildung auch gar nicht darf.

Mein Tabakentwöhnungsprogramm ist „verhaltenstherapeutisch orientiert“ das ist wieder etwas anderes- aber auch hierfür habe ich eine Ausbildung absolvieren müssen- sonst würde es von den Krankenkassen nicht anerkannt.

Man kann durchaus hilfreich tätig sein und oft ist die eigene Erfahrung auch sehr von Nutzen für andere. Die Idee heiße ich daher willkommen- ich sehe eigentlich auch nur einen Haken- da es keine Krankenkasse oder irgendeinen Kostenträger geben wird, wird es auch keine Interessenten geben. Geld verdienen kann man damit m.E. nicht.

Ich denke auch, dass wir genügend gut ausgebildete Fachleute in Suchthilfeeinrichtungen und Drogenberatungsstellen haben, die professionell mit dieser Thematik beschäftigt sind.

Raucher kommen in meine Seminare, nachdem schon zig eigene Versuche gescheitert sind und sie von der Krankenkasse grünes Licht haben, dass ein Teil der Kosten übernommen wird. Der Arbeitsaufwand, den ich habe, wird durch meine Einnahmen gerade mal gedeckt- ich machs ja auch nicht um Geld damit zu verdienen- sondern weil es mir Spass macht.
Bei PC- Sucht sehe ich noch viel größere Schwierigkeiten- ähnlich wie bei Arbeitssüchtigen ist die Krankheitseinsicht selten und wenn dann kommt sie spät. Raucher hingegen haben schon körperliche Beschwerden, die sie im Alltag behindern…

Nur wer wirklich keinen anderen Ausweg mehr sieht -das gilt für Betroffene wie für Angehörige oder Eltern- wird den Weg in ein solches Seminar gehen. Für einen Süchtigen ist dieser Weg unbeschreiblich schwer und er wird noch viel, viel schwerer, wenn er dafür auch noch BEZAHLEN soll. Es ist das niederschmetternde Eingeständnis einer Schwäche, mit der er nicht zurecht kommt. Damit ist er schon genug gestraft.

Im übrigen lege ich persönlich großen Wert auf das Zusammenspiel von Menschen mit eigener Erfahrung, (u.U. ohne Ausbildung) UND Professionellen im Hilfesystem- beides ist wichtig und beides kann hilfreich sein- zusammen ist es oft optimal.

Liebe Grüße

Frank

Hallo,

angenommen, jemand (nicht ich) hat die Idee, Seminare gegen
die Computersucht zu veranstalten.

Schade das (nicht du) keine Kurse gegen Bücher-, Radio-, Zeitungs-, Kaffeemaschinen- und Autosucht anbieten will.

Die Seminare sollen auch
zur Prävention dienen und sich z.B. an Eltern wenden.
Dieser jemand hat keine psychologische oder pädagogische
Ausbildung, allerdings selbst Erfahrung mit dieser Sucht.
Entsprechendes Fachwissen wird gerade erarbeitet.

Geht es um Knete machen oder helfen? Wie wäre es erstmal mit der Gründung einer Selbsthilfegruppe?

Meint ihr, es gibt in Deutschland genügend Leute, die dieses
Seminar besuchen würden?
Braucht man das? Hat das Zukunft?

Wenn das Marketing stimmt hat das Zukunft.

Zwar gibt es ein paar Zahlen über die PC-Süchtigen in
Deutschland, allerdings ist ja die Zahl der Süchtigen nicht
gleich die Seminarteilnehmer.

Ja es gibt auch Zahlen über Entführungen per UFO …

Und dann ist weiterhin die
Frage, welchen Preis die Teilnehmer dafür zahlen würden.
Zudem besteht die Sorge, ob man solche Seminare ohne
Psychologie- / Pädagogikstudium überhaupt machen sollte.

Was ist denn das Ziel? Die Leute von einem Bildschirm zum andern zu verschieben? Die glotzen dann nur noch TV und sind wieder normal?

Ich
persönlich würde in einem solchen Fall wahrscheinlich nur zu
Fachleuten gehen…

Wozu gehen? Dazu gibts doch Onlineforen!!

Wie findet ihr diese Idee?

Als ersten Entwurf für einen neuen Monty Python Film nicht schlecht … sonst völlig bescheuert. Es mag ja durchaus Süchte im zusammenhang mit Computern geben, aber die spielen sich dann doch eher im Bereich Onlinespielen ab.

Der Begriff „Computersucht“ oder „Internetsucht“ ist blanker Unsinn der von unseren misserablen Massenmedien verbreitet wird. Es gibt ja auch keine Zeitungssucht oder Büchersucht. Bin ich Podcast süchtig, weil ich die teilweise täglich höre? Nein das mache ich, weil die im Gegensatz zum dt. Dummfunk anspruchsvolle "Radio"unterhaltung bieten. Jemand der den ganzen Tag „die grössten Hits der 70er, 80er und 90er“ und billige Witzchen hört, scheint mir dagegen Süchtig nach Dummheit zu sein.

Nach meinem ersten hautnahen Kontakt mit einem Computer 1987, wusste ich das ich so ein Ding haben musste. Weil das programmieren in BASIC mir damals als eine neue wunderbare Welt mit unglaublichen kreativen Möglichkeiten gezeigt hat. Ok ich bin aber auch Kreativitätssüchtig, ich muss immer zwanghaft versuchen alles auszuleben was mir neue Welten eröffnet.

Gruss Jan

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1…