Liegt der Patient bei einer analytischen Psychotherapie eigentlich immer auf der Couch? Oder kann man sich auch gegenüber sitzen?
Hallo!
Liegt der Patient bei einer analytischen Psychotherapie
eigentlich immer auf der Couch? Oder kann man sich auch
gegenüber sitzen?
Man kann.
Im Normalfall findet die Behandlung bei einer „Analytischen Psychotherapie“ als Liegendbehandlung statt, weil dieses Setting als „regressionsfördernd“ gilt. „Regression“ ist ja auch der Aspekt, durch den sich die AP wesentlich von anderen Therapieformen unterscheidet, und der auch ihren sehr großen Stundenumfang rechtfertigt.
Zum zweiten empfinden -meinem Wissensstand nach- die Therapeuten die Liegendbehandlung bei einer AP auch als wesentlich angenehmer für sie selbst als die Sitzendbehandlung.
Ich denke aber, dass fast alle Therapeuten die nicht seltene „Angst vor der Couch“ (begründet dadurch, dass das Liegen ungewohnt ist, als demütigend empfunden werden kann, irgendwelche Phantasien vom Ausgeliefertsein heraufbeschwören kann usw.) ernst nehmen und so (zeitweise) auch die Veränderung des Settings hin zur Sitzendbehandlung akzeptieren ohne einfach kraft ihrer Autorität aufs Liegen zu drängen.
Kurz: Flexibilität des Settings ist Standard in der AP, die Liegendbehandlung aber die Normalform der Behandlung.
Achja: das Erstgespräch wird in der Regel natürlich ohnehin im Sitzen durchgeführt.
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Ergänzend zu Candide
Hi
Liegt der Patient bei einer analytischen Psychotherapie
eigentlich immer auf der Couch?
Wir Freudianer behandeln grundsätzlich in Couchlage. Das hat wesentliche Vorteile für beide, für den Analytiker und für den Patienten:
Der Patient „kontrolliert“ (unbewusst oder bewusst) im Gegebnüber-Sitzen die Mimik des Analytikers. Wenn der Patient also gerade etwas sagte, schaut er anschließend, wie der Analytiker darauf reagiert. Zuckt er eicht mit einem Mundwinkel? Hat er gerade die linke Augenbraue etwas gehoben? Verachtet er mich jetzt? usw. usf.
Der Analytiker wird also „angestarrt“ und beobachtet. Ich persönlich könnte dann nur die Hälfte der Patienten am Tag behandeln oder eben nur halbe Stunden anbieten. Ich habe schon mal zu einem Patienten, der lieber sitzen wollte, gesagt: „Suchen Sie sich das aus: 50 Minuten auf der Couch oder 20 Minuten im Gegenübersitzen.“
Oder kann man sich auch
gegenüber sitzen?
Natürlich. Bei den Jungianern z.B. sitzt man sich eher gegenüber. Man kommt dabei als Patient, wie Candide schon schreb, nicht so tief in die Regression, man kommt auch nicht so tief zu sich selbst. Die Therapie ist im Sitzen also nicht so tiefgehend.
Gruß,
Branden
Lieber Branden!
Der Analytiker wird also „angestarrt“ und beobachtet. Ich
persönlich könnte dann nur die Hälfte der Patienten am Tag
behandeln oder eben nur halbe Stunden anbieten. Ich habe schon
mal zu einem Patienten, der lieber sitzen wollte, gesagt:
„Suchen Sie sich das aus: 50 Minuten auf der Couch oder 20
Minuten im Gegenübersitzen.“
Für mich als alten Hobby-Ferenczianer ist die Frage sowieso nicht die, warum denn nicht Therapeut und Patient beide sitzen würden, sondern vielmehr die, warum sie nicht beide liegen. So könntest du dann locker auch Doppel- und Vierfachstunden anbieten 
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Hi Candide!
Für mich als alten Hobby-Ferenczianer ist die Frage sowieso
nicht die, warum denn nicht Therapeut und Patient beide sitzen
würden, sondern vielmehr die, warum sie nicht beide
liegen. So könntest du dann locker auch Doppel- und
Vierfachstunden anbieten
Willst du denn mit Branden auf eine Couch?
Seltsame Hobbys hast du, da tun sich in der
Tat Abgründe auf!
))
Powenz
Willst du denn mit Branden auf eine Couch?
Seltsame Hobbys hast du, da tun sich in der
Tat Abgründe auf!))
*lach*
Ach, POwenz, du und deine homoerotischen Gelüste …
Ich spreche doch nicht von einer Couch 
Was glaubst du übrigens, was die Schar der Körpertheurapeuten alles so macht. Tilman Moser (der ist ja recht bekannt) soll sich bei manchen Themen den Kopf des Analysanden in den Schoß legen haben lassen (dem Gerücht nach zumeist nicht vom Körper abgetrennt, sonst wäre er ja auch endgültig zum Kopftherapeuten geworden).
DAS würde mir nun bei Branden allerdings in der Tat zu weit gehen 
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Lieber Candide!
…warum sie nicht beide
liegen.
Du wirst vielleicht lachen: Wir liegen beide. Ich meine jetzt nicht dich und mich gerade, sondern ich will sagen, dass ich meine Beine bequem auf einer elektr. Heizung lagere, während der Patient nicht minder bequem auf der Couch liegt.
Es grüßt dich
Branden
Hi nochmal
Tilman Moser (der ist ja recht bekannt) soll
sich bei manchen Themen den Kopf des Analysanden in den Schoß
legen haben lassen (dem Gerücht nach zumeist nicht vom Körper
abgetrennt, sonst wäre er ja auch endgültig zum
Kopftherapeuten geworden).
Sehr schön! 
Wir haben den Tilman Moser mal in unseren Arbeitskreis eingeladen. Er kam dann (sogar) auch und erzählte freundlich und freimütig von diesen Sachen, betonte aber auch gleichzeitig, dass man als Therapeut hierbei genau nachspüren sollte, ob man das macht, weil es der Patient jetzt gerade braucht oder ob man sich selbst nur was Schönes antun möchte…
Es grüßt dich einmal mehr
Branden
…warum sie nicht beide
liegen.Du wirst vielleicht lachen: Wir liegen beide. Ich meine jetzt
nicht dich und mich gerade, sondern ich will sagen, dass ich
meine Beine bequem auf einer elektr. Heizung lagere, während
der Patient nicht minder bequem auf der Couch liegt.
Lieber Branden, ich lache kein bißchen, das zeigt doch die Berechtigung meiner Frage!
Mir ist in der neueren einschlägigen Literatur diese Frage des „liegenden Therapeuten“ noch nicht begegnet (gut, ich habe auch noch nicht speziell danach gesucht; wenn ein Mitleser mir einen Titel nennen kann, bitte gerne!), was mich verwundert, weil ich vermute, dass du nicht der einzige Analytiker bist, der die Füße irgendwo hochlegt.
Aber mal indiskret gefragt: Warum zweckentfremdest du eine Heizung anstatt dir zum Beispiel gleich sowas
http://www.moebel-eins.de/images/Beimoebel/Sessel/ma…
reinzustellen?
Das wäre schon zu viel „Symmetrie“ zwischen Arzt und Patient, oder?
(du weißt ja, ich mein das nicht polemisch, sondern mich interessiert dieser Aspekt seit langem, darum der Hinweis auf Ferenczi)
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Herzlichen Dank an alle für die Antworten! Lieber Gruß
Hi Candide
Mir ist in der neueren einschlägigen Literatur diese Frage des
„liegenden Therapeuten“ noch nicht begegnet (gut, ich habe
auch noch nicht speziell danach gesucht; wenn ein Mitleser mir
einen Titel nennen kann, bitte gerne
Ich wäre ebenso interessiert an Literaturempfehlungen deser Art. Nachdem schon as von mir geschätzte Buch „Der Schlaf des Analytikers“ vergriffen ist und ich mein Exemplar leider vor Jahren wohl verborgt und nicht zurückbekommen habe, möchte ich also wenigstens dazu etwas Neues lesen. 
Aber mal indiskret gefragt: Warum zweckentfremdest du eine
Heizung anstatt dir zum Beispiel gleich sowas
http://www.moebel-eins.de/images/Beimoebel/Sessel/ma…
reinzustellen?
Das von dir gelinkte (neuer Wortzusammenhang) Möbel ist zweifelsfrei schön, aber ich liebe es, eine wärmende Fußbank zu haben.
Das wäre schon zu viel „Symmetrie“ zwischen Arzt und Patient,
oder?
Ach, weißt du, Ferenczi ist mir ja ähnlich sympathisch wie dir…
Gruß,
Branden