Coursing: Hetzen und die Folgen
Hallo Jenny!
Ich habe meinen Jazz, der ja eigentlich ein ausgebildeter
Jagdhund ist, aber nicht jagdlich geführt wird, vor Jahren,
als er noch ein Jungspund war, zum coursing gebracht -
gefunden habe ich das Training über den Windhundrennclub
Austria. Nach einiger Überredung durfte er da ab und an
„einfach so“ einmal in der Woche mitmachen - parallel dazu
musste ich ihm aber das Hetzen wieder abgewöhnen:frowning: Und ich
habe dann auch bald wieder aufgehört mit diesem „Spiel“.
Meinen Hund hat es nur „heiss“ gemacht auf Dinge, die er nicht
wirklich soll/darf.
Zwei Seelen ruhen, ach!, in meiner Brust! 
Mein Anton ist ja sozusagen schon hetzend zu mir gekommen. Mit Hilfe einer auf den Umgang mit jagenden Hunden spezialisierten Hundetrainerin arbeite ich zurzeit auch daran, seinen Hetztrieb so gut wie möglich in den Griff zu bekommen. Es hat auch schon etwas gefruchtet.
Nun bezweifle ich allerdings insgeheim, dass ich seine „Neigung“ je vollständig in den Griff bekommen werde.
Sollte dies nur um den Preis eines „absoluten Gehorsams“, wie es mir gegenüber einmal eine Jägerin betonte, möglich sein, ist dieser Preis in unserem Fall wahrscheinlich zu hoch, da Anton zum Teil wohl auch wegen seines Rasseerbes (Berger Picard und Podenco), zum Teil wegen seiner bisherigen Erfahrungen (Tierschutzhund aus schlechter Haltung) auch ein sensibles Seelchen bei gleichzeitigem Dickkopf und einer gewissen Eigenständigkeit ist. Ein guter Grundgehorsam ist in meinen Augen für einen Hund unabdingbar, aber seine Persönlichkeit möchte ich nicht zerstören. Der hat man schon zuviel angetan.
Wir balancieren also, wie so viele, auf einem schmalen Grat.
Ich frage mich halt: Ist es wirklich so, dass kontrolliertes Hetzen bei einem Hund, der sowieso schon hetzt, der es also nicht dadurch erst lernt, die Hemmschwelle generell verkleinert?
Die erwähnte Hundetrainerin hat einen Großen Münsterländer und diese Hündin hat z.B. gelernt, dass sie im Wald auf den Wegen bleiben muss und nicht drauflos rennen darf. Auf ausgesuchten Wiesen und Feldern darf sie hingegen schon einmal lossprinten.
Anton rennt halt für sein Leben gern und ist ansonsten nicht für allzu viele Dinge zu begeistern. Es scheint, dass man seine Neugierde und seinen Spieltrieb in jungen Jahren ständig sanktioniert hat, so dass er heute über eine sehr niedrige Frustrationstoleranz verfügt, schnell aufgibt, wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert oder er das Gefühl hat, gleich könnte ein Donnerwetter auf ihn niederkommen (was nie passiert, aber die Erfahrung sitzt tief). „Ich tue lieber gar nichts, denn, was ich auch immer ich tue, es könnte falsch sein“ scheint die Lehre zu sein, die er aus seinem bisherigen Leben gezogen hat.
Rennen und Hetzen ist neben dem Spielen mit einigen ausgesuchten anderen Hunden so ziemlich das Einzige, was ihm richtig Spaß macht.
Wahrscheinlich bin ich auf der Suche nach dem Stein der Weisen, den es gar nicht gibt, aber ich würde ihm gerne ermöglichen, dieser Leidenschaft kontrolliert in einem vorgegebenen Rahmen nachzugehen.
Autos, Fahrräder und Skates verunsichern ihn immer noch. Ich gehe schon davon aus, dass er das Laufen neben dem Rad lernen wird, bezweifle aber, dass es ihm je so richtige Freude bereiten wird.
Langer Rede, kurzer Sinn, ich würde mir das mit dem coursing
noch überlegen.
Deine Bedenken sind berechtigt. Ich werde darüber noch eine ganze Weile nachdenken und mit allen möglichen hundekundigen Leuten darüber sprechen. Zu einem Ergebnis bin ich noch nicht gekommen.
Schöne Grüße
Christiane