Hi Sylvia
credere deo - dem Gott glauben
credere deum - glauben, daß Gott ist
credere in deum - in Gott glauben
Welche Variante ist denn die heutig-christliche?
Daß ich „Variante“ schrieb, war eindeutig mißverständlich, sogar falsch. Es sollte nur andeuten, daß die drei „credere“ in verschiedenen Kontexten ihre Hauptrolle spielen. Die drei Aussagen über „glauben“ sind eigentlich keine „Varianten“ dieses Begriffes. Es sind vielmehr drei verschieden Bedeutungen, in denen von „glauben“ gesprochen werden kann. Diese Bestimmungen oben stammen aus den Anfängen der sog. „Scholastik“ (= „Schul“-Philosophie, ca 11. bis 14. Jhdt) und ich bin fast sicher, daß sie von Anselm von Canterbury so nebeneinandergestellt wurden, der ja einer der ersten war, der die Probleme des Verhältnisses zwischen Glauben und Vernunft aufdöselte, das in der Schlostik eines der Hauptthemen werden sollte.
Die Frage war, ob Glauben und rationales (also der Begründungs- und Beweispflicht unterworfenes) Denken einen Gegensatz darstellen, oder ob sie sich gegenseitig beinhalten, oder ob sie sogar überhaupt nicht unterscheiden. Alle Standpunkte wurden heftig behauptet und bestritten… wie ja überhaupt die Scholastiker in Paris, Padua, Straßburg… die Meister der Argumentationskunst und der Diskussionstechnik waren.
Paulus und Johannes sind doch beide Vorläufer oder Initiatoren des Christentums!?
Für die Institutionalisierung der Kirche war wohl eher Paulus (mit Petrus) der Stammvater, weshalb ja auch der Petersdom auf dem Grab von Paulus und Petrus steht (ob das stimmt ist ja gleichgültig). Johannes unterscheidet sich enorm (wie ich in langjähriger Arbeit an dem Ev. und an dem 1. Brief meine herausgefunden zu haben) von dem Quereinsteiger Paulus und auch von den anderen (sog. synoptischen) Evangelien, sowohl was die Konzeption des Begriffes „Glauben“ angeht, als auch besonders des Begriffes „Geist“ und auch bezüglich der Darstellung der Person Jesu und der Bedeutung seiner Rolle als „Christus“.
Johannes wurde immer als der „vergeistigte“, „philosophische“ aufgefaßt, im Gegensatz zu den vermeintlich konkreteren, handfesteren anderen Autoren. Dadurch ist er stets irgendwie im Hintergrund geblieben, wenn auch nie ganz verdrängt, aber doch eher was für Spezialisten oder fürs Wochenende. Es zeigt sich aber, daß gerade er äußerst sinnlich und „hautnah“ ist.
In einem Christentum, das diesen Text ins Zentrum gestellt hätte, wäre jedenfalls das Christentum, das reale Geschichte gemacht hat, und auch das heutige, nicht wiederzuerkennen… aber das ist nur eine These 
Gruß
Metapher