Hallo Physiker,
ich habe in einem Artikel über physikalische Eigenschaften von Blutdruckmesssystemen den Begriff „Dämpfungsfaktor“ gefunden. Ich glaube ich verstehe zwar qualitativ ganz gut die Auswirkungen von Dämpfung auf ein solches Messsytem: Die Dämpfung ist um so niedriger je laenger es dauert, bis das System wieder im ursprünglichen Zustand ist.
Der „Dämpfungsfaktor“ soll jetzt wohl ein quantitatives Mass für die Däempfung darstellen. Er geht gegen 0 für den Extremfall der ungedämpften Schwingung und gegen 1 im Falle der absoluten Dämpfung.
Angeblich ist ein Wert zwischen 0,5-0,7 für ein Messsystem anzustreben, in der Realität erreichen die medizinischen Messysteme wohl 0,2-0,4.
Meine Frage: Weiss jemand, wie dieser Faktor berechnet wird oder ob diese Bezeichnung überhaupt existiert?
Achtung: Wie Ihr wahrscheinlich gleich bemerkt habt, bin ich Mediziner mit eingeschränkten Mathematik-kenntnissen. Über eine „populärwissenschaftliche“ Antwort würde ich mich daher sehr freuen.
Gruss, Dennis
Hm, habe in der WP schon geguckt… Aber der Begriff Daempfungsfaktor taucht da nicht auf. Welcher Begriff waere denn als Synonym zu werten?
Was das nun bei
Blutdruckmessgeräten bedeutet, weiß ich nicht, weil ich da
keine Schwingung erkennen kann, die zu dämpfen wäre.
Es geht um kontinuierliche BD-Messung ueber eine Kanuele in einer Arterie. Angeschlossen wird eine Fluessigkeitsleitung, die die Druckschwankungen auf eine Membran uebertraegt. Deren Bewegung erzeugt elektrische Potentialschwankungen. Diese werden als Kurve aehnlich einem EKG dargestellt. Je nach Material hat das System andere Daempfungseigenschaften, und sowohl ueberdaempfte als auch unterdaempfte Systeme fuehren zu relevanten Messwertveraenderungen.
…immer noch ratlos…Dennis
Hi Dennis,
Aber der Begriff Daempfungsfaktor taucht da nicht auf.
klammere Dich nicht an den Faktor, gemeint ist das kleine Delta in der Formel im Abschnitt „Gedämpfte und ungedämpfte Schwingungen“.
sowohl ueberdaempfte als auch unterdaempfte Systeme fuehren zu
relevanten Messwertveraenderungen.
Die Begriffe ueberdaempft als auch unterdaempft sind mir aus der Physik leider nicht bekannt. Schwingungen können mehr oder weniger gedämpft sein; wenn die Dämpfung einen kritischen Wert erreicht, wird die Schwingung abgewürgt. Damit wären wir wieder beim Ausgangsproblem: Wo keine Schwingung ist, da gibt’s auch keine Dämpfung.
Du hast hier eine Messeinrichtung, die mit Trägheit behaftet ist. Ohne Trägheit bekämst Du ein Signal, das genau den Druck schwankungen folgt, wobei über die absoluten Druckwerte selbst damit noch nichts gesagt ist. Vielleicht solltest Du das Verfahren mal mit einem Messtechniker besprechen.
Gruß Ralf
Hi Ralf,
klammere Dich nicht an den Faktor, gemeint ist das kleine
Delta in der Formel im Abschnitt „Gedämpfte und ungedämpfte
Schwingungen“.
Das beantwortet meine Frage.
Ich weiss jetzt glaube ich auch, warum Du nicht nachvollziehen kannst, wo hier was schwingen soll: damit die Spitze der Messleitung nicht mit Blut verklebt (Gerinnung), muss regelmaessig „gespuelt“ werden. Das geschieht mit unter 3-4mal so hohem Druck wie der Blutdruck stehender Kochsalzloesung. Die Zeit, bis die Messkurve nach dieser „Stoerung“ wieder so aussieht wie vorher (also ausgeschwungen hat), ist abhaengig von der Daempfung des Systems.
Die Begriffe ueberdaempft als auch unterdaempft sind mir aus
der Physik leider nicht bekannt.
Mein Fehler: sind so medizinische pseudo-wissenschaftliche Begriffe und beziehen sich eben auf die Blutdruckkurve:
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unterdaempft ist ein System, das durch Schwingungsartefakte die Druckkurve verzerrt
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ueberdaempft ist ein System, das sehr feine Veraenderungen unterschl;aegt
Vielen Dank fuer Deine Hilfe, Dennis