Daimler Kauf und Verkauf von Chrysler

Hallo

Kann mir jemand sagen, für wieviel die damalige Daimler-Benz AG die Chrysler Inc. im Jahr 1998 übernommen hatte? Soweit ich recherchiert habe, sollen es ca. 40,5 Mrd. Dollar damals gewesen sein.
Und warum hat sich Daimler von Chrysler nur für 6,5 Mrd. Dollar wieder getrennt?
Berücksichtigt man die seltenen (und mickrigen) Gewinne von Chrysler, dann dürfte doch die jetzige Daimler AG durch Chrysler für den Zeitraum von 1998 bis 2007 ein Verlust von über 30 Mrd. Dollar entstanden sein oder irre ich?

MfG

Hallo,

Kann mir jemand sagen, für wieviel die damalige Daimler-Benz
AG die Chrysler Inc. im Jahr 1998 übernommen hatte? Soweit ich
recherchiert habe, sollen es ca. 40,5 Mrd. Dollar damals
gewesen sein.

Es waren damals so um die 66 Mrd. DM Gesamttransaktionssumme ! Also etwas um die 35 Mrd. Euro.

Und warum hat sich Daimler von Chrysler nur für 6,5 Mrd.
Dollar wieder getrennt?

Das hatte schlichtweg den Grund, dass man die Notbremse gezogen hat. Diese „Ehe“ hat unmittelbar nach ihrer Schließung nur noch Verluste -für Daimler- eingebracht. Eine Fortführung dieses Engagements hätte dann dazu geführt, dass sich die kumulierten Verluste nahezu ins Unendliche erhöht hätten.
Daher gilt dann auch hier letztlich die Erkenntnis:
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

In diesem Zusammenhang spielt eine sehr wichtige „Verhaltensregel“ aus dem Bereich der Entscheidungstheorie eine Rolle: sunk costs

Es ist oft zu erkennen, dass z.B. Aktienbesitzer bei fallenden Kursen nicht verkaufen, weil sie den mitunter hohen Ankaufskosten hinterher trauern. Man will sich dann nicht trennen. Anfang der 90er konnte man dieses Verhalten auch bei der dt. Politik im Zusammenhang mit dem Eurofighter erkennen.

Sunk costs sind solche „Kosten“, die bereits angefallen sind und (!) in der Vergangenheit liegen - somit also nicht mehr beeinflussbar sind. Sie dürfen künftige Entscheidungen demnach auch nicht mehr beeinflussen. An diese „Grundregel“ hat sich auch Herr Zetsche gehalten.

Berücksichtigt man die seltenen (und mickrigen) Gewinne von
Chrysler, dann dürfte doch die jetzige Daimler AG durch
Chrysler für den Zeitraum von 1998 bis 2007 ein Verlust von
über 30 Mrd. Dollar entstanden sein oder irre ich?

Mit Sicherheit. Die genauen Verluste wird sowieso nie irgendjemand erfahren und wohl auch nur sehr wenige Leute auch nur annähernd quantifizieren können.

VG
Sebastian

Hi!

Kann mir jemand sagen, für wieviel die damalige Daimler-Benz
AG die Chrysler Inc. im Jahr 1998 übernommen hatte? Soweit ich
recherchiert habe, sollen es ca. 40,5 Mrd. Dollar damals
gewesen sein.

Es waren damals so um die 66 Mrd. DM Gesamttransaktionssumme !
Also etwas um die 35 Mrd. Euro.

Und warum hat sich Daimler von Chrysler nur für 6,5 Mrd.
Dollar wieder getrennt?

Das hatte schlichtweg den Grund, dass man die Notbremse
gezogen hat. Diese „Ehe“ hat unmittelbar nach ihrer Schließung
nur noch Verluste -für Daimler- eingebracht. Eine Fortführung
dieses Engagements hätte dann dazu geführt, dass sich die
kumulierten Verluste nahezu ins Unendliche erhöht hätten.
Daher gilt dann auch hier letztlich die Erkenntnis:
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne
Ende

So ist es.

Eigentlich hat Daimler für Chrysler nichts erlöst, sondern auch noch draufgezahlt, um die Pensionsansprüche der Mitarbeiter loszuwerden.

Auf der anderen Seite hat man jedoch auch keine Unsummen in Entwicklungskosten investiert, man sieht es an der aktuellen Produktpalette von Chrysler…

In diesem Zusammenhang spielt eine sehr wichtige
„Verhaltensregel“ aus dem Bereich der Entscheidungstheorie
eine Rolle: sunk costs

Es ist oft zu erkennen, dass z.B. Aktienbesitzer bei fallenden
Kursen nicht verkaufen, weil sie den mitunter hohen
Ankaufskosten hinterher trauern. Man will sich dann nicht
trennen. Anfang der 90er konnte man dieses Verhalten auch bei
der dt. Politik im Zusammenhang mit dem Eurofighter erkennen.

Sunk costs sind solche „Kosten“, die bereits angefallen sind
und (!) in der Vergangenheit liegen - somit also nicht mehr
beeinflussbar sind. Sie dürfen künftige Entscheidungen
demnach auch nicht mehr beeinflussen
. An diese
„Grundregel“ hat sich auch Herr Zetsche gehalten.

Berücksichtigt man die seltenen (und mickrigen) Gewinne von
Chrysler, dann dürfte doch die jetzige Daimler AG durch
Chrysler für den Zeitraum von 1998 bis 2007 ein Verlust von
über 30 Mrd. Dollar entstanden sein oder irre ich?

Mit Sicherheit. Die genauen Verluste wird sowieso nie
irgendjemand erfahren und wohl auch nur sehr wenige Leute auch
nur annähernd quantifizieren können.

So ist es.
Im Jahresbericht wird man als Aktionär diese Posten nicht klar identifizieren können.

Interessanter wäre es ohnehin, die Gesamtkosten von Schrempps Welt-AG zu umreißen. Debis, Chrysler, Mitsubishi,…

Es wäre zu prüfen, ob man als Aktionär Schrempp haftbar machen kann. Der Schaden aufgrund seiner klar verfehlten Managemententscheidungen geht für Konzern und Aktionäre in den mittleren bis hohen 2-stelligen Milliardenbereich.

Ich habe nur leider keine Daimler Aktie…

Grüße,

Mathias

Hallo

Interessanter wäre es ohnehin, die Gesamtkosten von Schrempps
Welt-AG zu umreißen. Debis, Chrysler, Mitsubishi,…

Es wäre zu prüfen, ob man als Aktionär Schrempp haftbar machen
kann. Der Schaden aufgrund seiner klar verfehlten
Managemententscheidungen geht für Konzern und Aktionäre in den
mittleren bis hohen 2-stelligen Milliardenbereich.

Ich habe nur leider keine Daimler Aktie…

Grüße,

Mathias

Soweit ich mal im Netz was gelesen habe, soll Schrempp wegen seiner Amtszeit schon mehrmals vor Gericht gestanden haben, eben wegen dem Scheitern der sog. „Welt-AG“. Er wurde aber bisher immer freigesprochen. Es ist überhaupt schwierig, juristisch gegen einen (ehemaligen) höheren Mitarbeiter von Daimler vorzugehen. Es wird oftmals behauptet, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nichts als eine Rechtsabteilung von Daimler sei.
Aber jetzt mal zu einer anderen Frage: nach dem ganzen Scheitern der Welt-AG, müsste das Eigenkapital von Daimler doch ziemlich gebeutelt sein, oder?
Wie wahscheinlich wäre es denn, dass Daimler von fremden Investoren übernommen wird? Geht das so einfach?
Immerhin ist Daimler doch der grösste Aktionär von EADS, einem Rüstungskonzern der EU, welche Schutzmechanismen hat Daimler denn gegen eine Übernahme? Würden sie vom Staat oder der Deutschen Bank Hilfe bekommen?

MfG

Hallo,

Soweit ich mal im Netz was gelesen habe, soll Schrempp wegen
seiner Amtszeit schon mehrmals vor Gericht gestanden haben,
eben wegen dem Scheitern der sog. „Welt-AG“. Er wurde aber
bisher immer freigesprochen.

Das stimmt in der Tat. Erst vor kurzem gab es dazu ein Urteil, welches Schrempp in dieser Angelegenheit weitgehend entlastet hat und welches auch in der Rechtswissenschaft für großes Aufsehen gesorgt hat.

Es ist überhaupt schwierig,juristisch gegen einen (ehemaligen)
höheren Mitarbeiter von Daimler vorzugehen.

Ja, das ist allgemein eine sehr schwierige Sache, da vor allem das AktienG hier sehr restriktive Schranken hat. Im Grunde geht letztlich immer um den Nachweis des Vorsatzes. Dies ist aber vor dem Hintergrund der nahezu immer sehr komplexen Abläufe -gerade bei Großkonzernen- kaum zu beweltigen.
In den USA sieht es hier nicht zuletzt auch durch den Sarbanes-Oxley-Act mittlerweile schon ganz anders aus. Gleichwohl ist die Haftung für den Manager auch „bregrenzt“, wenn er sich an gewisse Verhaltensweisen im Rahmen der Publizität von Unternehmensdaten hält. In Deutschland ist man dabei mal wieder „etwas hinterher“.

Es wird oftmals behauptet, dass die
Stuttgarter Staatsanwaltschaft nichts als eine Rechtsabteilung
von Daimler sei.

Also dem kann ich nicht zustimmen. Ehrlich gesagt halte ich das für pP - puren Populismus.

Aber jetzt mal zu einer anderen Frage: nach dem ganzen
Scheitern der Welt-AG, müsste das Eigenkapital von Daimler
doch ziemlich gebeutelt sein, oder?

Man könnte es sich jetzt einfach machen und auf den Börsenkurs schauen: Da werden ja Anteile der Eigentümer bewertet. Nach der Trennung machte der Kurs einen starken Sprung nach oben.
Darüber hinaus muss man sehen, dass es nicht alleine auf das Eigenkapital ankommt.
Sicherlich war der Marktwert des Unternehmens schon einmal höher und mit Sicherheit auch das „bilanzielle“ Eigenkapital. Letztlich ist das aber niemals der alleinige Grund, etwa für eine feindliche Übernahme. Wie bereits erwähnt war die Trennung gut für den Börsenkurs und somit besteht auch in Zukunft ein deutlicheres Potential nach oben. Das ist die beste Maßnahme gegen feindliche Übernahmen - unternehmenswertsteigerndes Mangement. In der Person des Dieter Zetsche scheint dies möglich.

Wie wahscheinlich wäre es denn, dass Daimler von fremden
Investoren übernommen wird? Geht das so einfach?

Also wenn sie die Mehrheit der ausstehenden Anteile erlangen, wäre das natürlich machbar. Allerdings -wie bereits gesagt- kann man das nie so einfach und klar sagen, denn:

  1. Es kommt auf die Aktionärsstruktur an. Wer würde sich von seinen Aktien trennen (wollen), wer nicht. Wie hoch ist der Streubesitz. je höher der Streubesitz, desto geringer das Interesse.

  2. Angenommen man hat das UNternehmen. Was könnte man dann damit machen ? Es macht ja kaum Sinn, dass z.B. ein Mischkonzern aufspringt und auf einmal Autos dazu nimmt. Auf der anderen Seite sind die anderen großen Autokonzerne auch nicht dazu veranlasst, jetzt Daimler zu kaufen.

  3. Die Heuschrecken. Auch hier sollte die Gefahr einer Aktivität -zumindest für den momentanen Zeittraum und die nahe Zukunft - ausgeschlossen sein. Grund hierfür ist, dass das Geschäftsmodell dieser Investoren, die sog. leveraged buy outs, aufgrund der stark angespannten Lage an den Finanzmärkten und insbesondere bei den kreditgebenden Banken, gegenwärtig nicht oder nur sehr teuer zu realisieren ist.

Immerhin ist Daimler doch der grösste Aktionär von EADS, einem
Rüstungskonzern der EU, welche Schutzmechanismen hat Daimler
denn gegen eine Übernahme? Würden sie vom Staat oder der
Deutschen Bank Hilfe bekommen?

Zum einen kann das Unternehmen selber etwas tun. Hier reichen die Maßnahmen zunächst einmal natürlich von einem wertorientierten Management mit der Folge eines steigenden Aktienkurses bis hin zur Suche eines sog. White Knights, der dem anderen Unternehmen zuvor kommen würde.
Dann gibt es natürlich auch Möglichkeiten der Politik. Wobei diese natürlich immer sehr skeptisch und mit äußerster Vorsicht zu betrachten sind. Mitunter kann der Wirtschaftsstandort Deutschland nämlich durch solche Maßnahmen, aus blanken Politikaktionismus heraus, auch einen sehr starken Schaden nehmen.

VG
Sebastian