Dank und Nachfrage

Hallo,

zunächst mal herzlichen Dank an alle, die auf meine Anfrage „Vater-Sohn-Problem“ hier etwas tiefer geantwortet haben. Jede Antwort war wertvoll, jede hat mir Mut gegeben, und jede wird, denke ich, helfen, wenn ich sie weitergebe.

Ich hatte gehofft, eine Reihe von Antworten zu bekommen, die ich meinem Sohn vorlegen kann, als Anregung für ein neues Gespräch. Eigentlich habe mich mich schon innerlich von ihm gelöst. Anders als vom Ehepartner kann man sich von Kindern nicht scheiden lassen, aber ich empfinde es so: Ich habe keinen Sohn mehr. Trotzdem will ich noch nicht aufgeben: Gespräche, die ich in der letzten Zeit mit ihm führte, auch diese Anfrage hier, sind sowas wie letzte Versuche, den endgültigen Bruch zu verhindern oder das Blatt sogar umzukehren. Was ich, es gäbe da noch mehr zu berichten, eigentlich für unerreichbar halte, mir aber trotzdem wünsche.

Nach Lesen der Texte werde ich sie aber zunächst nur meiner Frau vorlegen.

In dem Zusammenhang aber die Wiederholung meiner PS-Frage: Wo findet man einen hilfreichen Vermittler, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen? Natürlich wäre die Lösung des Problems ein Vermögen wert - aber wenn man es nicht hat, hat man es eben nicht.

In der Hoffnung, auch hier hilfreiche Antworten zu erhalten, beginne ich einen neuen Thread, weil vermutlich nicht mehr viele soweit runterscrollen und meine Anfrage bemerken werden.

Hintergrund meiner Frage ist auch, dass meine Frau und ich vor mehr als zehn Jahren schon einmal eine Partnervermittlung gesucht haben. Ein Therapeut, den uns sogar die Krankenkasse bezahlte, war zwar ein netter Mensch, trat aber auf der Stelle und brachte uns nicht weiter. Wir brachen die Therapie nach wenigen Sitzungen übereinstimmend ab, obwohl es uns nichts gekostet hätte. Ein Mediator der ev. Kirche, der am teuersten von allen Versuchen war, zeigte sich schon in der ersten Sitzung als derart inkompetent (schnauzte rum), dass wir ebenfalls übereinstimmend auf Fortsetzung verzichteten.

Grüße,
Carsten

Hallo Carsten,

mit wem willst du denn zur Beratung? Mit deinem Sohn oder deiner Frau?

Soweit ich weiss bietet z.B. die Caritas kostenlose Beratungen an, bundesweit und auch, wenn gewünscht, online.

Ob und wieweit man mit dem jeweiligen Therapeuten klarkommt ist natürlich eine andere Frage.

Zum Fall selbst noch einmal:

Meines Erachtens verhält sich dein Sohn ganz normal, evtl. von aussen betrachtet kaltschnäuzig.

Aber jemand der gewohnt ist von vorn und von hinten verpimpelt zu werden, warum sollte dieser Jemand plötzlich sich selbst in der Verantwortung sehen. All die vielen Artikel die da locken! Und wenn der Jemand dann auch noch merkt, das Mama ja einsieht, dass das viele schöne Geld allein dem Sohnemann gehört, was soll man sich dann drum scheren, das dieses Weichei von Papa 'nen Heulkrampf kriegt?

Hart ausgedrückt vielleicht, aber die Jugend ist in vielen Dingen sehr hart. Schließlich muss und soll sie sich ja auch aus der Umarmung der Eltern lösen und ein eigenes Leben anfangen. Da gehört eine gewisse Härte dazu.

Ganz eindeutig liegt deshalb in der inkonsequenten Haltung von euch beiden. Ihr müsst euch einig sein. Deine Frau möchte also lieber mit dem Sohn verheiratet sein, als mit dir? Woran liegt das? Fragen, die du hier nicht beantworten musst, sondern deine Frau dir.

Wenn der Sohn ausziehen will - bitte. Dann kann er ja mal sehen, wie das so ist, wenn man sich allein erhalten muss. Allerdings glaube ich eher, das er ausziehen will und erwartet weiter von euch in gewohnter Weise durchgebracht wird. Er arbeitet ja nicht dauernd, sondern nur zeitweise. Also sollt ihr - zusätzlich - auch noch seine Mietwohnung mitsamt der gesamten Einrichtung finanzieren.

Und das Studenten ein verbrieftes Recht darauf hätten, zu Hause mit durchgefüttert zu werden (wie deine Frau behauptet) sollte man mal an all die Studenten weitergeben die sich unter großen Mühen irgendwo weit entfernt von zu Hause durchschlagen. Die wissen ja gar nicht, was für einen großen Fehler sie da machen.

Du selbst sagst: Ich habe keinen Sohn mehr. Entschuldige bitte, du kommst mir insgesamt sehr dramatisch rüber. Natürlich hast du noch einen Sohn! Er ist vielleicht nicht so zuvorkommend wie du ihn dir wünschst. Er könnte vielleicht einen klareren Blick darauf haben, was er bei dir auslöst. Er könnte vielleicht bereiter sein Dinge an- und auszudiskutieren.

Aber er ist und bleibt dein Sohn und auch Zeiten in denen man sich voneinander entfernt müssen deshalb nicht unbedingt schädlich sein. In dieser Zeit kann man sich selbst wieder etwas sammeln, einen neuen Blick aufeinander gewinnen und sich womöglich morgen oder übermorgen mit frischer Lust auf Familie wieder an einen Tisch setzen. Wobei morgen natürlich auch erst Mitte nächsten Jahres sein kann.

Ist dein Sohn, sind deine beiden Kinder über eure finanzielle Situation informiert? Habt ihr ihnen klargemacht, das ihr zurücksteckt, um ihnen gewisse Dinge zu ermöglichen? Solange sie glauben ihr habt es ja… Und solange deine Frau diesen Eindruck weiterhin verbreitet damit sie nicht Gefahr läuft ihre Kinder zu verlieren, wird sich da auch nix ändern.

Lange Rede kurzer Sinn: deine Frau und du müsst euch dringend einigen, wo die Reise hingehen soll. Deine Frau muss sich von den Kindern lösen, damit ein langes und freundschaftliches Familienleben auch für die Zukunft gesichert ist. Denn sonst hauen die Kinder womöglich irgendwann ab und werden nicht mehr gesehen.

Dies alles sind natürlich Annahmen auf Basis der von dir dargestellten Situation, meine persönliche Meinung etc.

Gruß und Glück
Nita

Moin Carsten,

hier ein paar Anregungen, wo Du Hilfe finden könntest (Du hast leider keinen Wohnort in Deine Visitenkarte geschrieben, sonst hätte ich Dir auch konkretere Sachen rausgesucht):

  • profamilia (machen auch psychologische Beratungen)
  • Bundeskonferenz für Erziehungsberatung --> Online-Beratung und Beratungsstellen vor Ort (Suche per PLZ) e.V.http://www.bke.de/?SID=15B-58E-308-C7B
  • Guck mal in die Gelben Seiten; hier in Hamburg findet man dort mehrere Seiten Beratungsstellen
  • Falls Du aus Berlin kommst, bekommst Du hier Hilfe: http://www.efb-berlin.de/dokument.py
  • Google mal mit den Stichworten „Erziehungsberatungsstelle“ + „Deine Stadt“

Und wirf nicht gleich die Flinte ins Korn, wenn Dir der/die BeraterIn nicht sympatisch ist, ja? Es dauert manchmal bis man jemanden findet, dem man sich anvertrauen kann. Und wenn Du so jemanden gefunden hast, halte durch, auch wenn unbequeme Wahrheiten an den Tag kommen.

Und Carsten, tu was für Dich selber! Wenn Du zufrieden, glücklich, ausgeglichen, fröhlich, freundlich, mutig und zuversichtlich bist, bist Du nicht so davon abhängig, was Dein Sohn tut. Ich würde mir wünschen, dass Du gelassener auf die Situation reagieren könntest. Denn meiner Meinung nach ist das, was da gerade stattfindet, ein ganz normaler Abnabelungsprozeß (und das tut nun mal weh).

Was sind Deine Träume? Worauf hast Du die Jahre verzichtet? Was wolltest Du immer schon mal machen? Los mach es!

Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass Du Dich daran gewöhnst, dass Du nicht mehr als Vater so präsent sein mußt, weil Deine Kinder jetzt langsam groß sind und eigenständig sind. Das ist eine Entwicklungsaufgabe, die Dich herausfordert. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt für Dich gekommen, Deine Kinder gehen lassen zu können und zusammen mit Deiner Frau wieder ein Paar zu werden (statt Versorgungseinheit).

Und das bedeutet nicht(!), dass Du keinen Sohn mehr hast. Was Du gerne möchtest ist Dankbarkeit. Das ist etwas, was man nie einfordern kann. Du kannst einfordern, dass er Kostgeld abgibt, aber nicht, dass er dankbar ist. Das kommt vielleicht irgendwann mal und wenn dauert das mit Sicherheit noch ein paar Jahre (und vielleicht auch nie).

Und wo wir gerade bei dem Thema sind: Wofür bist Du denn Deinem Sohn dankbar? Was liebst Du an ihm? Erkennst Du ihn an? Wie bereichert er Dein Leben? Was hast Du durch ihn kennen gelernt, was Du sonst nicht kennen gelernt hättest?

Alles, was ich geschrieben habe, sind meine Gedanken zu dem, was ich von Dir hier gelesen habe. Es sind Spekulationen! Ich kann nur ahnen, in was für einer Situation Du steckst. Und vielleicht ist doch die eine oder andere Anregung dabei.

Ich wünsche Dir Gelassenheit und Mut und Zuvertrauen!
Viele liebe Grüße Stefanie

hallo carsten,

das letzte zuerst, ich weiss leider keine tips die hier nicht schon genannt wurden oder die du nicht schon versucht hast - in sachen
paartherapie. - aber ich weiss, wenn es nicht passt, soll man nicht aufgeben sondern sich den richten suchen. man kann doch nicht erwarten,
dass der erste oder die erste thera gleich für euch beide passt.
zuviele menschliche dinge kommen hier ins spiel nebst erwartungen, vorstellungen etc.

ich finde das normal und meine, ihr solltet ein wenig geduld mitbringen, schliesslich gehts da ja um was, ist ja kein besuch beim frisör und dann sagt man sich, ich schneide in zukunft meine haare selbst…

was nun dein aussage über/zu deinem sohn betrifft, so meine ich, du solltest dich da ein wenig bedeckt halten. denn sonst setzt du dich selbst unter druck und auch wenn ich deine verletzung und die enttäuschung verstehe - so hat dein sohn so reagiert, wie er es letztlich bei euch gelernt hat - auch wenn das sicher nicht eure absicht war. das ist auch keine rechtfertigung, andererseits ists nunmal auch so, er hat nicht versucht euch zu ermorden und hier nun schon davon zu sprechen, du hast keinen sohn, finde ich ehrlich gesagt übertrieben und auch unfair.
will sagen, deine aussage ist nicht angemessen.
wobei du dir evtl die frage stellen könntest, ob hier nicht viele andere verletzungen hineinspielen, so dass du so extrem fühlst.
das können verletzungen sein, zu denen dein sohn gar nichts beigetragen hat, die mit eurer beziehung zu tun haben und die du unbewusst nun auf seinem rücken ablädst.

aber auch das ist klärbar mit einem profi.

des weiteren klingt es für mich ein wenig so, als würdest du so aus hilflosigkeit reagieren. wie du aber selbst mit deiner verletzung umgehst carsten, liegt in deiner verantwortung und nicht in der deines sohnes oder um welches gegenüber es sich auch immer handelt.
zum anderen - du bestrafst dich nur selbst mit solchen aussagen, sie vergiften dich…bedenke das. sie sind auch keinesfalls kontruktiv und des weiteren verbirgt sich dahinter viel wut.
das alles sollte in die richtigen kanäle und deshalb wiederhole ich:
mit hilfe von profis wird vieles möglich werden zu reflektieren wo jetzt so scheinbar klar jemand da ist, der schuldig ist.
es geht aber nicht um schuld. nicht bei dir, nicht bei deiner frau und nicht bei deinem sohn.

ich kann mir vorstellen, dass du es nicht leicht hast und dir irgendwie selbst im wege stehst in den emotionalen belangen*reine vermutung

aber auch da kann ich nur sagen, hab geduld mit dir und entscheide nichts was du demnächst evtl bitter bereuen würdest.
deshalb kannst du ja deinem sohn dennoch mitteilen, dass du auf distanz gehst eine weile um mit den verletzungen klarzukommen. und in einer weile kannst du die dinge evtl ein wenig anders sehen und nochmal mit ihm reden über sein fehlverhalten aber evtl auch über das von euch als eltern - sofern ihr gemeinsam als eltern eine neue idee habt, die ihr auch gemeinsam durchziehen wollt. sonst würde ich auch diesbezüglich erstmal den verlauf der thera abwarten.

ich wünsche dir und deiner frau, dass ihr bald helfer findet.

alles gute!

LG
nina

Hallo Carsten.

Zu Deiner Ansicht betr. Deinem Sohn haben wurde mir hier schon aus dem Herzen geschrieben, das wiederhole ich deshalb nicht.

Wegen Therapeutensuche, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Beratungsstellen wurden hier schon genannt, aber, was bei uns in der Schweiz eine Möglichkeit ist (keine Ahnung wie das in Deutschland läuft) ist, dass man die Problematik mit dem Hausarzt bespricht und der einen geeigneten Spezialisten empfiehlt.

Gruss Pascal