Ich soll bei meinem Referat besonderes Augenmerk auf
Militärwissenschaften legen … also die ethischen
entscheidungen, die ein Wissenschaftler fällen muß, der für
das Militär forscht.
Hallo,
es gibt Leute, die analysieren militärische Strategien vergangener Auseinandersetzungen und entwickeln neue Strategien. Dann gibt es Leute, die entwickeln das „Handwerkszeug“ für die Strategen. Das sind Natur- und Ingenieurwissenschaftler der verschiedensten Disziplinen. Zumindest bei der letztgenannten Gruppe weiß ich aus eigener mehrjähriger Tätigkeit, daß ethische Gesichtspunkte dem einzelnen Ingenieur zu schaffen machen können. Das sind Dinge, die jeder mit sich selbst ausmachen muß. Bei der praktischen Arbeit kommen ethische Gesichtspunkte nicht vor. Es gibt die Aufgabe, eine bestimmte Waffe, ein System, meist aber einen kleinen Teil davon zu entwickeln. Ziel ist stets ein effizientes Mittel zur Verfügung zu stellen. Eine Zieleinrichtung soll möglichst alle vorkommenden Einflüsse auf das Geschoß berücksichtigen. Eine Stabilisierung für den Panzerturm soll das Rohr auch im unebenen Gelände auf dem Ziel halten. Ein Geschoßmantel soll eine Panzerung durchschlagen, unabhängig davon, ob die dahinter befindlichen Menschen bei lebendigem Leib gegrillt werden. Kampfkraftschwächung des Gegners bei möglichst klein zu haltender eigener Schwächung ist stets das Ziel und nichts anderes.
Es ist verlogen, dabei von Ethik zu sprechen. Wer anderer Ansicht ist, sehe sich beliebige Kriege in einer beliebigen Epoche an. Im Zweifel wird auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, auf keine Zivilisten, nicht einmal auf die eigenen Soldaten und nachhaltige Naturschäden kommen in militärischem Denken nicht vor. Hier werden ein paar tausend Menschen verheizt und anderweitig eine Gegend vermint, entlaubt oder überflutet. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Es gibt ein Ziel (oft genug gibt es nicht einmal das) und der Einsatz bestimmter Mittel wird allenfalls noch dadurch vermieden, weil Militärs und Politiker sonst Erklärungsnot in der Öffentlichkeit haben.
Es hat Versuche an lebendigen Menschen über die Wirkung von Geschossen gegeben. An Tieren gibt es diese Versuche bis heute. Die Generation unserer Großväter brachte es fertig, Menschen eine Kugel in den Leib zu schießen, Ein- und Austrittsöffnung nebst Schußkanal genau zu analysieren, den Betreffenden Menschen wieder zuzunähen, ihn genesen zu lassen, um ihm erneut eine Ladung zu Forschungszwecken zu verpassen. Ethisch hochstehend, nicht wahr? Heute wird eher an Leichen oder an lebendigen Tieren geübt und erprobt.
Ach ja, internationale Abkommen zur Ächtung bestimmter Waffen. Alles schlicht dummes Zeug und Augenwischerei. Die Ächtung von Landminen hält der Leithammel unserer Leitkultur für überflüssig. Dum-Dum-Geschosse (die mit der flachen Spitze, die so große Löcher reißen) gehören sich zwar nicht, aber man könnte sie gerne erlauben. Gibt es doch weit schlimmere Geschosse. Die Entwicklung ist eben viel schneller als irgendwelche Abkommen aus Papier. Es gibt so wohldosierte Geschosse, die am Ein- und Austritt nur ein winziges Loch hinterlassen. Dazwischen ist aber wie nach einer Explosion nur noch Mus.
Rede nicht im Zusammenhang mit Militär von Ethik. Das tun nur Politiker in Festtagsreden zur Volksverdummung. Bei jedem Militäreinsatz (Ausnahme ist das Sandsackstapeln bei Flutkatastrophen) werden sämtliche niederen Instinkte von der Leine gelassen. Es gibt deshalb keine Militärethik.
Gruß
Wolfgang