Hallo,
das ist ein hübsches Durcheinander. Gehen wir mal Punkt für Punkt durch.
1.) Die Türken hatten kein Motivationsproblem. Ganz und gar nicht. Die Entente-Mächte hatten geglaubt oder gehofft, die Türken hätten eines. Aber die Türken haben jeden Meter Graben bis aufs Messer verteidigt, was einer der Gründe war, warum die Sache so wild wurde.
2.) Es gibt die berühmte Geschichte mit Ketten in den verschiedensten Versionen. Tatsächlich wurden in Unterständen in der Nähe des Strandes Eisenketten gefunden als die Engländer diese Unterstände einnahmen. Angeblich wurden auch ertrunkene türkische Soldaten im Wasser selbst gefunden, zusammen mit eingerammten Balken. Daraus hatte sich dann bereits am zweiten Tag das Gerücht entwickelt, dass die Türken weglaufen würden, wenn sie nicht von ihren Offizieren angekettet worden wären. Was natürlich dazu verwendet wurde, die ANZACS zu motivieren, denen man weismachen wollte, sie bräuchten ja nur noch einmal richtig durchzustoßen und die Türken rennen. Nur die Türken waren nicht angekettet und rennen taten sie auch nicht.
Aber aus diesen Tagen stammt auch die Geschichte mit der abgenommen Gewehrmunition, die Borthi angesprochen hat.
3.) Atatürk wurde erst 1934 der türkische Obervater, auch den Begriff „Achsenmächte“ gab es damals noch nicht und die Türkei wurde auch nicht durch Deutschland in den Krieg hineingezogen, die hatte bereits ihre Kriegserklärungen erhalten.
4.) Die Engländer haben nicht die erste Landungsoperation der Geschichte durchgeführt. Archäologische Spuren einer sher frühen „amphibischen“ Landung finden sich in der Bretagne etwa aus dem 3.Jahrtausend v. Chr. Aber selbst da sind sich Archäologen ziemlich einig, dass es nicht die erste gewesen sein konnte, weil die Jungs das damals schon überrschend gut im Griff hatten.
5.) Die Landung bei den Dardanellen war, soweit es die Landung selbst und die vorhergehenden Beschießungen betraf, ohnehin keine rein britische Sache. Die Franzosen waren auch dabei und die verloren auch zuerst mal die Bouvet wenn ich mich richtig erinnere, weil sie so etwas lästiges wie Minen nicht einkalkulierten.
Um die Sache nochmal auf den Punkt zu bringen: Nicht die grundsätzliche Art der Schlacht, sondern die Größenordnung und die eingesetzte Technologie waren neu. Da wurde eine moderne Schlacht mit den Vorstellungen des Krimkrieges geführt, und zwar auf beiden Seiten. Die Türken und Deutschen hatten immerhin den Wert von Funkkommunikation bereits erkannt, aber im Grunde wurden (wie noch lange später in anderen Schlachten des 1WK) Bajonettangriffe gegen Maschinengewehrstellungen durchgeführt. Beide Armeen waren bereits ziemlich gut auf moderne Technik eingestellt, wenn es um Verteidigung ging, aber im Angriff wurde die gleiche Technologie nicht in Betracht gezogen.
Soweit es die Landung selbst angeht, so spielten hier zum ersten Mal Seeminen und Küstenfeldbefestigungen eine Rolle (die berühmten Ketten haben wohl auch dazu gehört). Auch hier dauerte es sehr lange, bis sich die Befehlshaber auf die neuen Regeln einstellten.
Gruß
Peter B.
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