Dardanellenschlacht

Hallo Wissende,

einem Bericht über die Dardanellenschlacht des 1. WK entnahm ich, dass türkische Soldaten in dem sich entwickelnden Grabenkrieg angekettet wurden, wohl um nicht zu fliehen, denn eine Phalanx nach antikem Muster wäre im Grabenkrieg mit Schusswaffen sinnlos gewesen. War das Anketten eine Idee des Befehlshabers Atatürk oder der Deutschen Militärberater? Wie waren die militärischen Gegebenheiten, die zu einer derartigen Behandlung der Soldaten führte?
Wurde das Anketten in einem einmaligen Fall durchgeführt oder war es allgemein in dieser Schlacht üblich? Wie hoch waren dabei die Verluste? Atatürk hat diese Ungeheuerlichkeit wohl nicht geschadet, er wurde ja nach der Schlacht als Volksheld und Gazi (Führer) gefeiert.

Danke für Eure Auskünfte

Hallo Wolfgang,

ehrlich gesagt halte ich das für unglaubwürdig. Die osmanische Armee stand ja nicht im Ruf, feige zu sein. Und bedenke die logistische Probleme: woher die Kette nehmen, wie schwer ist die…

Kannst Du die Quelle nennen?

Gruß,
Andreas

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Hallo !

Türkische Soldaten, die weglaufen! Kaum zu glauben.

Während des Koreakrieges zeichneten sich türkische Einheiten durch besondere Tapferkeit aus. Und dabei ging es nicht um ihr eigenes land!

mfgConrad

Hallo Wolfgang,

ehrlich gesagt halte ich das für unglaubwürdig. Die osmanische
Armee stand ja nicht im Ruf, feige zu sein.

Sie war allerdings schlecht ausgerüstet und schlecht organisiert. Hochmotiviert auf der Ebene der Soldaten wohl auch nicht, weil sie merkten, dass die Deutschen Militärberater die Türken in den WK1 auf Seiten des Kaiserreichs hineinziehen wollten. Trotzdem gewannen die Türken die Schlacht, allerdings mit enormen Verlusten, wobei die Achsenmächte ebenfalls 50 % ihrer Truppen verloren. Angeblich wurden sie von unfähigen Offizieren geführt, die erstmals in der Geschichte mit der Marine anlanden wollten und prompt in einen Grabenkrieg verwickelt wurden, heftig unter Feuer genommen von der eigenen Kriegsflotte. Selbst Minister Churchill mußte nach dem Desaster den Hut nehmen.

Und bedenke die logistische Probleme: woher die Kette nehmen, wie schwer ist
die…

Kannst Du die Quelle nennen?

Ja, es war ein Polyglott-Reiseführer. Außerdem wurde der Vorgang kurz erwähnt in einem Film über Atatürk am 01.Nov. bei Arte,Thema „Türkei“.

Wolfgang D.

Gruß,
Andreas

Hallo Wissende,

einem Bericht über die Dardanellenschlacht des 1. WK entnahm
ich, dass türkische Soldaten in dem sich entwickelnden
Grabenkrieg angekettet wurden, wohl um nicht zu fliehen, denn
eine Phalanx nach antikem Muster wäre im Grabenkrieg mit
Schusswaffen sinnlos gewesen. War das Anketten eine Idee des
Befehlshabers Atatürk oder der Deutschen Militärberater? Wie
waren die militärischen Gegebenheiten, die zu einer derartigen
Behandlung der Soldaten führte?
Wurde das Anketten in einem einmaligen Fall durchgeführt oder
war es allgemein in dieser Schlacht üblich? Wie hoch waren
dabei die Verluste? Atatürk hat diese Ungeheuerlichkeit wohl
nicht geschadet, er wurde ja nach der Schlacht als Volksheld
und Gazi (Führer) gefeiert.

Danke für Eure Auskünfte

Sie war allerdings schlecht ausgerüstet und schlecht
organisiert. Hochmotiviert auf der Ebene der Soldaten wohl
auch nicht, weil sie merkten, dass die Deutschen
Militärberater die Türken in den WK1 auf Seiten des
Kaiserreichs hineinziehen wollten. Trotzdem gewannen die
Türken die Schlacht, allerdings mit enormen Verlusten, wobei
die Achsenmächte ebenfalls 50 % ihrer Truppen verloren.
Angeblich wurden sie von unfähigen Offizieren geführt, die
erstmals in der Geschichte mit der Marine anlanden wollten und
prompt in einen Grabenkrieg verwickelt wurden, heftig unter
Feuer genommen von der eigenen Kriegsflotte. Selbst Minister
Churchill mußte nach dem Desaster den Hut nehmen.

Hallo Wolfgang,

im I.WK, ist es, zu so manchen Absurditäten gekommen, warum nicht auch
anketten, wie seinerzeit die Galeerensträflinge.
Vielleicht hat es sich um eine Strafeinheit gehandelt, oder wieder eingefangene Desateure.
Gängig war diese Praxis aber wohl eher nicht.
Die brit.Befehlshaber, z.B. ließen vor einem Bajonettangriff, sämtliche Gewehrmunition einsammeln, damit die Soldaten vorwärts stürmten und nicht liegen blieben und schossen.
Auch eine kluge Taktik,nicht?
Viele Befehlshaber waren mit der neuen und „modernen“ Kriegsführung noch nicht vertraut.
Auch waren die meisten Komandeure nicht wegen ihres milit.Könnens, sondern Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Herrkunft Befehlshaber geworden. (Naja es gab auch Ausnahmen)

Dann fragst du nach den Verlusten.
In den elf Monaten verloren beide Seiten zusammen, in und um Gallipoli, etwa je 250.000 Soldaten.

Und dann wirfst du noch da einiges durcheinander.

Einmal wurde Atatürk erst 1934, der Vater der Türken.
Vorher hieß er Kemal Mustafa(Pascha).

Zwotens, die Bezeichnung Achsenmächte, geht auf eine Rede Mussolinis, vom 1.Nov. 1936, in der erstmals von der „Achse Berlin-Rom“ sprach.

Dreitens, schlecht ausgerüstet, war die türk.Armee bis 1913.
Danach begann mit deut.Hilfe eine erhebliche Modernisierung, die dann 1915 schon weit fortgeschritten war.

Viertens,brauchte das Kaiserreich das osman.Reich nicht in den Krieg ziehen, weil Nov.1914 bereits Russland und einige Tage später Frankreich und England dem osman.Reich den Krieg erklärt hatten.

Füneftens, die brit. haben nicht „erstmals in der Geschichte“ eine
Langung von See durchgeführt.

grüsse borthi

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Hallo,

das ist ein hübsches Durcheinander. Gehen wir mal Punkt für Punkt durch.

1.) Die Türken hatten kein Motivationsproblem. Ganz und gar nicht. Die Entente-Mächte hatten geglaubt oder gehofft, die Türken hätten eines. Aber die Türken haben jeden Meter Graben bis aufs Messer verteidigt, was einer der Gründe war, warum die Sache so wild wurde.

2.) Es gibt die berühmte Geschichte mit Ketten in den verschiedensten Versionen. Tatsächlich wurden in Unterständen in der Nähe des Strandes Eisenketten gefunden als die Engländer diese Unterstände einnahmen. Angeblich wurden auch ertrunkene türkische Soldaten im Wasser selbst gefunden, zusammen mit eingerammten Balken. Daraus hatte sich dann bereits am zweiten Tag das Gerücht entwickelt, dass die Türken weglaufen würden, wenn sie nicht von ihren Offizieren angekettet worden wären. Was natürlich dazu verwendet wurde, die ANZACS zu motivieren, denen man weismachen wollte, sie bräuchten ja nur noch einmal richtig durchzustoßen und die Türken rennen. Nur die Türken waren nicht angekettet und rennen taten sie auch nicht.
Aber aus diesen Tagen stammt auch die Geschichte mit der abgenommen Gewehrmunition, die Borthi angesprochen hat.

3.) Atatürk wurde erst 1934 der türkische Obervater, auch den Begriff „Achsenmächte“ gab es damals noch nicht und die Türkei wurde auch nicht durch Deutschland in den Krieg hineingezogen, die hatte bereits ihre Kriegserklärungen erhalten.

4.) Die Engländer haben nicht die erste Landungsoperation der Geschichte durchgeführt. Archäologische Spuren einer sher frühen „amphibischen“ Landung finden sich in der Bretagne etwa aus dem 3.Jahrtausend v. Chr. Aber selbst da sind sich Archäologen ziemlich einig, dass es nicht die erste gewesen sein konnte, weil die Jungs das damals schon überrschend gut im Griff hatten.

5.) Die Landung bei den Dardanellen war, soweit es die Landung selbst und die vorhergehenden Beschießungen betraf, ohnehin keine rein britische Sache. Die Franzosen waren auch dabei und die verloren auch zuerst mal die Bouvet wenn ich mich richtig erinnere, weil sie so etwas lästiges wie Minen nicht einkalkulierten.

Um die Sache nochmal auf den Punkt zu bringen: Nicht die grundsätzliche Art der Schlacht, sondern die Größenordnung und die eingesetzte Technologie waren neu. Da wurde eine moderne Schlacht mit den Vorstellungen des Krimkrieges geführt, und zwar auf beiden Seiten. Die Türken und Deutschen hatten immerhin den Wert von Funkkommunikation bereits erkannt, aber im Grunde wurden (wie noch lange später in anderen Schlachten des 1WK) Bajonettangriffe gegen Maschinengewehrstellungen durchgeführt. Beide Armeen waren bereits ziemlich gut auf moderne Technik eingestellt, wenn es um Verteidigung ging, aber im Angriff wurde die gleiche Technologie nicht in Betracht gezogen.
Soweit es die Landung selbst angeht, so spielten hier zum ersten Mal Seeminen und Küstenfeldbefestigungen eine Rolle (die berühmten Ketten haben wohl auch dazu gehört). Auch hier dauerte es sehr lange, bis sich die Befehlshaber auf die neuen Regeln einstellten.

Gruß
Peter B.

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Hallo Peter,

Soweit es die Landung selbst angeht, so spielten hier zum
ersten Mal Seeminen und Küstenfeldbefestigungen eine Rolle
(die berühmten Ketten haben wohl auch dazu gehört). Auch hier
dauerte es sehr lange, bis sich die Befehlshaber auf die neuen
Regeln einstellten.

da hast du am Schluß, mit einem banalen Satz für mich die Erklärung gefunden.
Natürlich, Mensch da hätte ich auch drauf kommen müssen, die gefundenen Ketten, waren für die Befestigung der Ankertauminen, die haufenweise in den Dardanelleneinfahrten ausgelegt waren.

grüsse borthi

Hallo,

Ketten wurden da in rauen Mengen verwendet. Befestigungen (nicht gerade für Ankertauminen, aber gespannt zwischen eingerammten Pfählen im Flachwasser im Boote zum kentern zu bringen). Weiter im Hinterland wurden Ketten bisweilen auch verwendet um Hindernisse zusätzlich zu verstärken, weil man zwar Stacheldraht durchknipsen kann, aber bei Ketten muss man drüber. Jedenfalls waren die Türken auf derartige Ideen gekommen.

Gruß
Peter B.

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Hier sind noch allgemein interessante Links (Google). Die Hauptfrage wurde ja schon beantwortet.
Gallipoli/ Gelibolu/ kalli Polis

http://www.stahlgewitter.com/erlebnisberichte/sander…
http://www.stahlgewitter.com/15_04_30.htm
http://tuerkei.wordpress.com/