Ich merke wieder einmal, das jede Situation juristisch
betrachtet niemals eine einfache Lösung möglich
Das ist so nicht richtig. Aber im Recht ist es wie sonst im Leben auch: Für etliche Probleme gibt es keine einfache Lösung. Für einige aber schon.
vermutlich aber auch gar nicht erwünscht ist.
Das ist auch nicht richtig. Aber ein Gesetz zu schreiben, das so einfach und durchsichtig ist, dass einjeder es sofort verstehen kann, hat man zum letzten Mal wohl in Zeiten der Aufklärung versucht. Die Vielgestaltigkeit des Lebens macht es unmöglich.
Eine Geheimwissenschaft ist Recht nun trotzdem nicht. Es gibt viele Möglichkeiten - z.B. dieses Forum -, sich nach einer Rechtslage zu erkundigen. Und in aller Regel hilft der gesunde Menschenverstand. Das wirst du jetzt vermutlich bestreiten wollen. Wenn du aber mal darüber nachdenkst: Ist es nicht so, dass die meisten Situationen in deinem Alltag rechtlich völlig klar sind? So klar, dass du dir über sie gar keine Gedanken machst, ja nicht einmal merkst, dass du gerade etwas mit rechtlicher Bedeutung tust? Das Reiten im Walde ist ein klassisches juristisches Thema, aber macht sich ein Mensch, der im Wald reitet, darüber Gedanken?
Beim Rechtswesen scheint es sich um eine Art Spiel (um Macht
und Einfluß) zu handeln, bei der zwei Kontrahenten, ein Duell
ausfighten
Nein, das „Rechtswesen“ ist (vor allem) um die Klärung dogmatischer Fragen bemüht. Im Zivilrecht etwa geht es immer um eine Frage:
Wer kann von wem was woraus (also aus welcher Norm) verlangen?
Auf einem ganz anderen Blatt steht dann die Frage, ob derjenige, der etwas verlangen kann, das auch tut. Ich habe im Leben viele Ansprüche, die ich nicht durchsetze, aus welchen Gründen auch immer. Nur dort, wo Verzicht oder Einigung nicht möglich sind, muss man eben die Regeln des Gesetzes bemühen. Und dann muss, soweit das eben möglich ist, ein möglichst gerechter Ausgleich der Interessen gefunden werden. Dies allerdings nach einem Gesetz und nicht nach einer Willkürentscheidung eines Richters. Nachteil, wenn man nach dem Gesetz und nicht der persönlichen Meinung eines Richters verfährt: Das Gesetz muss abstrakt sein, damit es alle erdenklichen Fälle berücksichtigt und zwar schon in dem Moment, in dem etwas geschieht. Nicht erst später.
Da werden also auf einer Pseudo-Ratio-Basis Standpunkte
verglichen die oft zu völlig irrationalen Entscheidungen
führen.
Dafür bräuchte man nun Beispiele. Es gibt absurde juristische Entscheidungen, unzweifelhaft. Das gilt aber nicht mehr oder weniger für Religion, Wissenschaft, Politik, Kunst und den Alltag.
Viele juristische Entscheidungen sind allerdings auch gar nicht absurd, sondern werden von Laien nur nicht verstanden. Ich erlebe das oft; da regen sich Menschen über eine Entscheidung aus, ohne auch nur erfasst zu haben, was sie eigentlich bedeutet.
Ich kenne die Streitgespräche mit meinem Juristenkumpel, der
auch solche Positionen vertritt, es sei denn, dabei geht es um
seine eigenen Interessen, dann zählen plötzlich Faktoren wie
Menschlichkeit, Mitgefühl, Vertrauen etc. Aber eben nur dann,
sonst ist er ein „eiskalter Hund“.
Und? Was soll das jetzt sagen? Ich z.B. bin nicht so.
Levay