Hallo Musikfreunde!
Ich, als junger Mensch der Ende des 20.Jahrhunderts geboren wurde, höre gerne Musik.
Doch wie entwickelte sich die Musik des 20. Jahrhunderts eigentlich? Was sind musikalische Merkmale dieser Zeit?
Gibt es besondere Stilrichtungen in dieser Zeit die sich erst vor kurzem gebildet haben?
Mich würde das wirklich einmal interessieren!
Danke im Voraus!
Viele Grüße und einen guten Rutsch!
Marie
Hallo Marie!
Deine Fragen sind komplex und lassen sich kaum beantworten, wenn man den vorherigen Stand de(ine)r Kenntnisse nicht weiß. Deswegen kurz. Falls du es möchtest, sag mehr, dann bekommst du auch mehr zurück 
Doch wie entwickelte sich die Musik des 20. Jahrhunderts
eigentlich?
Sehr sprunghaft, schnell und höchst widersprüchlich. In verschiedenen Länder, bei verschiedenen Komponisten im Laufe ihrer Laufbahn seltsamste Unterschiede. Mit einem Wort pluralistisch.
Was sind musikalische Merkmale dieser Zeit?
Es gibt wie gesagt keinen einheitlichen Stil, sondern mehrere Stile, zum Teil gleichzeitig - von dem Serialismus bis zum Minimalismus, von der tradionellen tonalen Musik bis zur musique concrète etc.
Gibt es besondere Stilrichtungen in dieser Zeit die sich erst
vor kurzem gebildet haben?
Einige vergleichsweise junge Komponisten haben es versucht, auf diese Weise sich zu vermarkten. Aus meiner Sicht gibt es nach dem Minimalismus der 60er, der Neuen Einfachheit und der Polystilistik der 70er vorläufig nichts mehr Neues.
Auch dir alles Gute! 
Gruß
Sehr sprunghaft, schnell und höchst widersprüchlich.
interessant… deine aussagen stimmen zwar zweifellos, sind aber wohl ergebnis deines blickwinkels. aus meinem blickwinkel ist zumindest die stark bestimmende entwicklung in mitteleuropa (atonalität - zwölftonmusik - serialität - aleatorik) sehr logisch und konsequent. und vieles andere läßt sich auch daraus ableiten. aber das ist wie immer einfach eine frage der perspektive.
Mit einem Wort pluralistisch.
auch das kann man unterschreiben - und vielleicht noch anmerken, daß der pluralismus mit der zeit auch immer pluralistischer wird 
[aber ich frage mich (das ist jetzt gewissermaßen OT): war das nicht auch schon immer so? ich meine, daß wir es aus unserer historischen distanz, die einerseits nur einen sehr selektiven und andererseits einen stark alles-mögliche-in-ein-und-den-selben-topf-werfenden blick erlaubt, gar nicht sehen können, wie groß der subjektive pluralismus früherer zeiten war…]
Einige vergleichsweise junge Komponisten haben es versucht,
auf diese Weise sich zu vermarkten. Aus meiner Sicht gibt es
nach dem Minimalismus der 60er, der Neuen Einfachheit und der
Polystilistik der 70er vorläufig nichts mehr Neues.
darüber ließe sich auch diskutieren. ich glaube, es ist nie einfach, eine zeitgenössische strömung als „neuen stil“ wahrzunehmen und gegen die jüngste vergangenheit abzugrenzen, sofern nicht irgendwelche manifeste vorhanden sind - was allerdings eher eine sache der moderne war. die postmoderne denkt gar nicht mehr so richtig in stilen und störmungen, sondern hat den pluralismus als konzept adaptiert.
man wird vermutlich in 30-40 ganz anders über die heutige zeit denken, so wie man ja heute auch ganz anders über die 60er denkt, als damals.
Ohne eine Diskussion fortführen oder gar entfachen zu wollen, hier mal die Stile, die mir persönlich an der Musik des 20. Jahrhunderts am wichtigsten erscheinen:
Jahrhundertwende: Spätromantik /Impressionismus (Strauss, Debussy, Ravel)
1910-20 ff. : Expressionismus, Atonalität (Strawinsky, Bartók, Schostakowitsch)
-> Neue Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern),
aus dieser entwickelten sich dann bis in die 50er/60er Jahre diese ganze „verkopfte“ Zwölfton- und Würfel-„Spielerei“
20er Jahre: daneben gab es als Gegenzug den Neoklassizismus (Poulenc, Milhaud, Satie, auch Strawinsky)
in den 50ern kam dann mehr und mehr Computermusik auf (Stockhausen)
Heute wird alles meistens einfach als „Neue Musik“ bezeichnet, die wirkt zwar schon wieder weniger „ausprobierhaft“ wie die 12-Ton- oder die Computermusik, aber dennoch leicht unterkühlt.
In anderen Ländern (bspw. GB: Mark-Anthony Turnage) experimentiert man ein wenig „populistischer“ - verknüpft Sinfonieorchester mit Jazzbands und lässt auch wieder mehr Emotionen zu (Penderecki, Gorecki z.b.)