Das Dilemma der Muslime.........(langer Artikel)

Hallo

Soll dieser Artikel ins Brett Religion oder Aussenpolitik? Da da m.E. religiöse Aspekte überwiegen = Brett Religion

Die unselige Verquickung von Religion und Politik manifestiert sich einmal mehr…

Muslime dürfen Bin Laden nicht den Islam überlassen. Alles, was er tut und sagt, widerspricht der Lehre und dem islamischen Recht.

Von Bernard Haykel

Der Krieg, in dem sich Amerika seit den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon befindet, bedeutet Krieg für die Herzen und den Verstand der allermeisten Muslime überall auf der Welt. Bin Laden, wenn er denn der Kopf ist, der hinter den Angriffen steckt, hat den USA eine Falle gestellt, in die sie nicht hineintappen sollten. Indem er die USA im Rahmen eines Jihad angreift, eines „heiligen Krieges“, stellt er sich selbst als der Repräsentant ihrer Anliegen und als Repräsentant des wahren Islam dar. Tatsächlich sagt er: „Muslime, im Gegensatz zu euren korrupten und autoritären Regierungen teile ich eure Sorgen; ich bin der Einzige, der etwas unternimmt. Ich habe die Symbole des amerikanischen Kapitalismus zerstört und das Herz der von den USA dominierten Finanzwelt stillstehen lassen.“

Es ist kein Jihad
Die Vereinigten Staaten und auch die gemässigten Muslime in der Welt müssen sich zusammentun und ihm diesen symbolischen Sieg streitig machen. Wir sollten es nicht ihm überlassen, die Bedingungen unserer intellektuellen und symbolischen Kämpfe zu definieren. Wer sich mit den rechtlichen Aspekten des Jihad befasst, stellt unmissverständlich fest: Den Krieg, in den uns Bin Laden hineingezogen hat, kann man nicht als Jihad bezeichnen. Man könnte ihm vorwerfen, dass er die Lehren des Islam verletzt hat und aus der Gemeinschaft der gläubigen Muslime ausgeschlossen werden kann. Moderate Muslime sind über den Angriff entsetzt und möchten ihn unbedingt von ihrer Religion lösen. Der Westen muss ihnen einen Ausweg aus Bin Ladens Falle bieten.

Es gibt nach islamischem Recht sechs Gründe, warum Bin Ladens barbarischer Gewaltakt kein Jihad sein kann: Erstens können weder Einzelpersonen noch Organisationen einen Jihad ausrufen, das können nur Staaten. Zweitens dürfen im Zuge eines Jihad weder Frauen noch Kinder getötet werden. Drittens darf man in einem Jihad keine Muslime umbringen. Viertens kann sich ein Jihad nicht gegen einen Staat richten, in dem Muslime ihre Religion frei ausüben und andere dazu bekehren dürfen. Fünftens ist der Angriff von führenden islamischen Rechtsgelehrten verurteilt worden - und ihr Urteil ist ein juristischer Konsens, ein „Ijma“ gegen Bin Ladens Handeln, das es unislamisch macht. Und sechstens richten sich Bin Ladens Aktionen gegen das Interesse der muslimischen Gemeinschaft, das „Maslaha“ - und auch das ist unislamisch.

Die Amerikaner waren erstaunt über die Berichte, nach denen Muslime die USA nicht mögen oder gar hassen. Dass man das so auch nicht behaupten kann, lässt sich beweisen: Sieben Millionen Muslime leben in den USA; Muslime aus dem Ausland wollen in die USA immigrieren wie viele Andersgläubige auch; Muslime konsumieren amerikanische Waren, übernehmen amerikanische Lebensweisen und Moden; Muslime haben den Grossteil ihres Vermögens amerikanischen Banken anvertraut. Diese Liste könnte man ewig weiterführen.

Man kann nicht leugnen, dass viele Muslime die amerikanische Politik in Bezug auf den Irak und den Iran, Israel und Palästina und die Unterstützung korrupter und autoritärer Regimes in der islamischen Welt ablehnen. Es haben sich dennoch nur 4000 Muslime aufgemacht, die USA aktiv zu bekämpfen - Bin Ladens 4000 Fusssoldaten. Man muss sich klar werden, dass Bin Laden in zwanzig Jahren nur 4000 Männer hat rekrutieren können. Diese Gruppe hat theologische und Rechtsauffassungen, die dem Glauben von mehr als einer Milliarde Muslime in der restlichen Welt nicht entsprechen. Die Salafis, eine muslimische Sekte, deren intellektuelle Zentren in Saudiarabien, Jordanien und den arabischen Golfstaaten zu finden sind, wollen einen utopischen islamischen Staat errichten; sie wollen die Quellen der islamischen Religion wörtlich interpretieren und lehnen die mittelalterlichen Rechtskommentare ab. Sie stimmen auch nicht mit ihren Unterstützern überein, den Taliban, die ihrerseits fanatische Hanafis sind. 4000 Männer aber können sicherlich nicht die gesamte islamische Welt repräsentieren; und auf diesem Punkt sollten wir unermüdlich beharren. Wir sollten Bin Laden nicht die Gelegenheit bieten, den Ressentiments gegen Muslime Nahrung zu geben oder sich als ihr Repräsentant auszugeben.

Bin Laden will den Aufmarsch
Es gibt praktische Schritte, mit denen die Vereinigten Staaten Bin Laden den Wind aus den Segeln nehmen können. Zunächst einmal etwas Offensichtliches: Die Entsendung von amerikanischen oder westlichen Truppen nach Afghanistan, um Bin Laden festzunehmen oder ihn zu töten, wäre falsch. Dieses Szenario hat sich Bin Laden selbst ausgedacht - genau so will er es haben. Ein Militärschlag wäre für ihn ein doppelter Sieg: Er würde als Märtyrer sterben und zum Symbol des Widerstands gegen die westliche Dominanz werden; und es wird ihm auch gelingen, ein paar amerikanische Soldaten mit in den Tod zu nehmen und die Sicht einfacher Muslime auf Amerika weiter zu trüben. Afghanistan ist das rückständigste und wahrscheinlich auch das ärmste Land in der islamischen Welt - das Bild, wie die mächtigste aller Nationen dieses Land in Grund und Boden stampft, wird ein Public-Relations-Desaster. Das wird arabische Regimes destabilisieren.

Wir müssen die islamischen Länder ermutigen, den Kampf mit Bin Laden aufzunehmen. Man muss die Truppen der Nord-Allianz unterstützen und die gemässigten Pakistaner bearbeiten, sich an dem Kampf zu beteiligen. Wenn es Vergeltung geben muss - und es scheint so zu sein - und Amerika das Gefühl braucht, der oberste Vollstrecker der Gerechtigkeit zu sein, kann man sich keine militärische Aktion ohne die Beteiligung gemässigter Muslime leisten. Dies ist kein Aufruf zum Krieg, im Gegenteil - es gibt schon genug kriegstreiberische Rhetorik.

Ausserdem müssen wir aufhören, verbal zu zündeln. Bushs Aussage - für die er sich inzwischen entschuldigt hat - es handle sich um einen Kreuzzug, löst monströse historische Assoziationen bei Muslimen aus, Erinnerungen an barbarische Europäer, die im östlichen Mittelmeerraum wüten. Anzudeuten, es könne sich um einen Kampf des Christentums gegen den Islam handeln, wäre sowieso nicht die richtige Botschaft. Das hat man dem Präsidenten inzwischen auch zu verstehen gegeben.

Es sollte unbedingt eine Liste der Muslime veröffentlicht werden, die beim Anschlag auf das WTC ums Leben gekommen sind - das islamische Recht verbietet kategorisch solchen Mord an Unschuldigen. Die Führer der islamischen Gemeinden in den USA sollten miteinbezogen werden, prominente Geistliche sollten sich mit unparteiischen Rechtsgelehrten im Nahen Osten und in Südostasien treffen, die auch von einfachen Leuten respektiert werden, und nicht als Helfershelfer ihrer jeweiligen Regierungen abgetan werden können.

Fatwa gegen Bin Laden?
Dafür kämen Gelehrte in Mekka, Medina und Riad infrage, aus Indien und Pakistan. Diese Gelehrten müssen Fatwas aussprechen, die Bin Ladens Lehren und Handlungen zu Unrecht erklären. Weil das im Allgemeinen im Islam verboten ist, können sie ihn nicht als ungläubig bezeichnen, und man sollte das nicht von ihnen erwarten. Diese Meinungen ermutigen zu einem Konsens und könnten vielleicht sogar die Taliban überzeugen, dass sie Bin Laden ausliefern müssen.

Und wir sollten in der Zukunft gelegentlich Hinweise darauf geben, dass wir bereit sind, die Aussenpolitik in der Welt neu zu bewerten. So könnte man Bin Laden in der Gemeinschaft der Muslime isolieren und den gemässigten Muslimen wieder zu einem Platz in der Mitte verhelfen. Dann werden die Amerikaner den Krieg gewinnen - und mit ihnen die überwältigende Mehrheit der Muslime.
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Gruss

Und wem nutzt das?
Hallo Scriptor,
um diesen Artikel richtig einordnen zu können, müßte man wissen, wer Bernard Haykel ist, welche Richtung er vertritt und von wem er spricht, wenn er „wir“ sagt. Ohne diese Informationen kann das genausogut ein Propagandatext aus irgendeiner trüben Quelle sein.
Tu also Dir und uns den Gefallen, solche Texte in einen Zusammenhang zu stellen. Gewöhne Dir bitte nicht die Art von B2 an, mit dem Du gerade aus diesem Grund so oft aneinandergeraten bist.
Gruß Eckard.

Hallo Eckard

Ich teile Deiner Meinung. Eigentlich wollte ich einen Link zur zweitgrössen Tageszeitung der Schweiz (Tagesanzeiger ta.ch) posten, doch der funktionierte nicht. Man sollte einfach nichts zwischen Tür und Angel machen – ich übe mich in Zerknirschung…
Zum Autor: Haykel lehrt Islamwissenschaft an der New York University.

Dieser Artikel kommt ohne meinen Senf aus. Deshalb war die Absicht, ihn als lesenswerten Link zu posten. Die Überlegungen von Haykel sprechen m.E. für sich. Nur sind sie in der Anfangsphase, vermutlich aus emotionalen Gründen, etwas unter den Tisch gefallen.

Gruss

Mäni, mit Donnergrollen im Ohr…