Das Duell - Enenmy at the gates realistisch?

Hi,

wollte nur wissen in wie weit es historisch korrekt ist, oder ob doch mehr hollywood dahinter steckt. z.B. das die Russen auf ihre eigenen Soldaten geschossen haben und die ganze Propaganda schlacht, also eigentlich alles :smile:

Gruß Bonkers

Hallo,

ich lese gerade von Beevor „Stalingrad“ und das passt ziemlich gut zu Deiner Frage:

Also, die Russen waren total drauf bedacht, jeden kleinstmöglichen aufkommenden Funken Gegenwehr in den eigenen Reihen zu ersticken. Das heisst, sie wollten nicht, dass der „Faschismus zu ihnen rüberkommt“. Und wenn jemand sich unerlaubt zurückzog(wie das bei manchen strategisch kathastrophal durchdachten Schlachten war, dass die Soldaten einfach umgekehrt sind, weil sie sonst alle erschossen worden wären), dann wurde er wegen „Verrat am Mutterland“ liquidiert.

Das ging dann von Massenerschießungen (auf das Schlachtfeld) bis hin zu einzelenen(darauf komm ich später nochmal zurück). Es wurden für diese Massenerschießungen manchmal sogar 2te Reihen gebildet, um keinen „Verräter“ durchkommen zu lassen, meines Wissens von Leuten, die nicht direkt Soldaten waren, sondern eher von einer Art Staatspolizei.

Die Russen erschossen aber auch ihre Leute, wenn diese Kontakt mit den Deutschen gehabt hatten. Hierzu zählten ehemalige Gefangene der Deutschen, doppelte Überläufer, oder Spione, die wegen schlechter Sicht nicht genau am vereinbartem Treffpunkt eintrafen.

Verräter am Mutterland war aber auch jeder, der zB zum Feind überlief oder diese unterstützte. Eine Unterstützung einer Desertation/Mutterlandsverrat war

  • wenn man einen Soldaten beim Überlaufen nicht sofort erschossen hatte
  • wenn man zB als Zugführer unwissentlich Soldaten von der Front weggebracht hatte
  • wenn man Zweifel am Stalinistischen System/Befehlen äusserte(„das schafen wir nie“ oder „die sitzen ja im Warmen“ oder „das mache ich nicht, das ist ja Mord“ etc)

Ich habe den Film auch gesehen und später das Buch gelesen und bin der Auffasung, dass die Kerle in Hollywood die Leute eher noch geschont haben, denn was dort wirklich alles passiert ist, ist an Brutalität kaum zu überbieten. Das ging soweit, dass Russen, die -wie auch immer- von ihren Truppen weggekommen waren, sich automatisch den Deutschen angeschlossen haben, weil ihnen zuhause eine Liquidierung erwartet hätte.

Achja, in dem Buch stand auch, dass das Scharfschützentum eine ziemlch große Zeit hat (auch unter Saizew, den gabs nämlich wirklich) und es wurde auch ein Deutscher auf ihn angesetzt. wie die Geschichte allerdings in Wirklichkeit ausgegangen ist, weiss ich leider noch nicht.

Dann noch wegen Propaganda: Die Deutschen haben sich erst gegen Schluss davon beeinflussen lassen, nämlich dann, als deutsche Gefangene die Flugblätter verfasst haben. Und auch erst dann, als die Russen den Deutschen klargemacht hatten, dass sie beim Überlaufen zu den Russen nicht erschossen werden.
Es wird auch erzählt, dass die Russen bei den Rumänen und den Italienern (in deren Sprache) mit den Flugblättern sehr viel Erfolg hatten („das ist nicht euer Krieg“ etc).

Wenn Du noch detalliertere Fragen hast, ich schau gerne noch mal nach. *g

Grüsse

Andreas