'Das Experiment' v.d Strugatzkis

hallo zusammen!

ich lese nun schon zum zweiten male dieses wundervolle buch - und
zwei fragen haben sich mir nun zum wiederholten male gestellt.
vielleicht kann mir jemand bei der beantwortung helfen?

a) die Mentoren.
welchen zweck erfüllen eigentlich die gespräche mit den mentoren. der
begriff ansich legt ja nahe das sie als ratgeber dienen, aber
tatsächlich erteilen die mentoren kaum rat sondern bekräftigen
alexeji immer nur in dem was er sowieso weiß/vorhat. trotzdem
beschränken sie sich nicht nur darauf - denn sie teilen ihm auch
dinge mit die er zu dem zeitpunkt nicht wissen kann. auch die
interpretation als „gewissen“ fällt eigentlich aus.

welchen zweck erfüllen also nun die gespräch zwischen dem
protagonisten und dem mentor?

b) Kunst in der Stadt der Verdammten
in dem kapitel „herr rat“ ist recht am anfang eine szene. isja, fritz
und alexeji unterhalten sich. fritz wirft die frage auf warum es
eigentlich in der stadt - die immerhin eine million einwohner umfasst

  • nicht einen anständigen künstler gibt. die drei erötern die frage
    welche vorraussetzungen eigentlich gegeben sein müssen um „kreatives
    talent“ in kunst umzuwandeln - und ob es normal sei das es keine
    künstler in der stadt gibt (die von richtigem wert sind). sie kommen
    jedoch zu keinem ergebnis.

fragen:

b1) warum ist diese szene überhaupt im buch? meiner erinnerung nach
wird das gespräch im weiteren verlauf nicht mehr wichtig sein.
erfüllt sie im kontext der geschichte einen zweck?

b2) was ist eigentlich die antwort auf die gestellte frage? wie und
wann entwickelt sich wo - unter welchen bedingungen - kunst?

danke fürs mitdenken :wink:

hallo Sir Roco,

a) die Mentoren.
welchen zweck erfüllen eigentlich die gespräche mit den
mentoren.

vorab - vielleicht hättest Du lieber im ScienceFiction-Brett gefragt.
Möglich, dass die Fangemeinde dort ganz andere Ansätze hat.

Hier mein persönlicher - ohne Anspruch auf Richtigkeit:
ich weiß nicht, ob das erwähnte Buch das einzige ist, das Du von den Strugatzkis gelesen hast.
Wenn ja - „die Mentoren“ tauchen auch noch in anderen Büchern auf (z.b. in: Der ferne Regenbogen).
Immer sind sie die rätselhaften Betreter einer anderen Rasse, deren Motive niemals richtig deutlich werden. Du findest das Thema „wir (Menschen) werden die Anderen niemals verstehen, sie sind einfach anders“ überall in den Büchern der Strugatzkis.

„die Kunstfrage“

b1) warum ist diese szene überhaupt im buch? meiner erinnerung
nach
wird das gespräch im weiteren verlauf nicht mehr wichtig sein.
erfüllt sie im kontext der geschichte einen zweck?

auch das findest Du immer mal wieder bei den Strugatzkis: Textstellen, aus denen keine Auflösung im Sinn einer Logik innerhalb des Buchzusammenhangs entsteht.
Meiner Meinung nach wollen die Autoren damit sagen: nicht alles ist erklärbar, lösbar.

b2) was ist eigentlich die antwort auf die gestellte frage?
wie und
wann entwickelt sich wo - unter welchen bedingungen - kunst?

Gegenfrage: wie, warum und unter welchen Bedingungen entwickeln sich Schriststeller?

Die Strugatzkis sind/waren Wissenschaftler, die in der Sowjetunion zur Zeit des kalten Kriegs unter schwierigen Bedingungen schrieben.
Wie viele ihrer Schriftsteller-Kollegen haben sie - und mussten - ihre Meinung zur real-existierenden Gesellschaft der UdSSR in Methaphern verbergen.
Viele dieser Metaphern lassen sich auch heute noch und von Menschen, die „im Westen“ leben entschlüsseln, auch wenn man sich nicht tief in die Psychologie des Sowjetmenschen kniet.
Bei anderen hilft wirklich nur ein grimmiger Anfall von Studium der neueren Weltgeschichte.

Die Stadt ohne Künstler wäre also durchaus denkbar als Metapher für die Kunst in der Sowjetunion.
Gegängelt und abgewürgt von der Partei.
Stell Dir vor, Du malst ein Bild und musst es unbedingt erst dem Genossen örtlichen Parteisekretär vorlegen, bevor Du es auch nur bei Dir selbst im Wohnzimmer aufhängen darfst.
Gefällt es ihm nicht, musst Du es vernichten.

Glaubst Du, sehr viele Künstler fühlen sich unter solchen Bedingungen frei genug, zu tun, was sie für richtig halten?
Wir werden niemals erfahren, wieviele Maler/Autoren/auch nur „einfach Kreative“ zwischen 1918 und 1989 den Mut verloren haben und verstummten. Oder stumm gemacht wurden.

viele Grüße
Geli

danke fürs mitdenken :wink: