Das Geld der Staufer

Hallo ihr Wissenden,

ich bechäftige mich derzeit mit dem Geld/den Einkünften der Staufer bzw. ich versuche es. Mein Referat behandelt die Frage, wie das Königs- und Kaisergeschlecht der Staufer aus dem Mittelalter zu ihrem Geld kam. Was waren ihre Einnahmequellen? Wie sammelten sie das Geld ein? Gab es direkte oder indirekte Steuern, von denen sie profitierten? Bestand ihr Reichtum aus Bargeld oder etwa Naturalien, etc.? Wie funktionierte das ganze Finanzsystem mit den unterschiedlichen Münzen und Währungen im deutschen Reich? Gibt es einschlägige Literatur dazu?

Viele Fragen, die mich da beschäftigen und ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen.
Vielen Dank schonmal im Voraus und viele Grüße, Balance.

Hallo, Balance,

natürlich bekamen die Staufer Steuern und Friedrich II. hat schon ein sehr modernes Verwaltungssystem in Italien eingerichtet.

Spezialuntersuchungen dazu habe ich nicht parat. Aber ich schwärme für biografische Werke; diese, sofern sie seriös und neueren Datums sind, behandeln solche Aspekte auch und in den Literaturlisten findest du weitere Angaben.

Zu Stauferzeit und zu zwei Kaisern kann ich sehr empfehlen, vorausgesetzt, dass die „Wissenschaftlichkeit“ nicht abhält von der Lektüre:

  • Friedrich Opll, Friedrich Barbarossa, ISBN 3-534-04131-3 Buch anschauen
  • Klaus van Eickels / Tania Brüsch, Kaiser Friedrich II. (Ein Quellenband), Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Bestellnummer 14926-2,
  • Wolfgang Stürner, Friedrich II, Teil 1, ISBN 3-534-04136-4 Buch anschauen,
  • Wolfgang Stürner, Friedrich II, Teil 2, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Bestellnummer 12229-1,
  • Gerd Althoff, Spielregel der Politik im Mittelalter, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, ISBN 3-534-12997-0 Buch anschauen.

Alles keine leichte Kost, aber du kannst ja z. B. in einer Bibliothek reinschauen und dann feststellen, was dir nützen könnte, bzw. Spezialuntersuchungen im Literaturverzeichnis aussuchen.

Zwei der Bände scheinen bloß bei der Buchgesellschaft selber zu bekommen und einer vergriffen zu sein.

Viel Spaß und gute Nerven.
Fritz

Hallo Fritz,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Aber irgendwie bin ich jetzt immer noch nicht weiter. Die angegebenen Bücher sind hauptsächlich Biographien und da kann ich ja nur peripher was finden.

Bist Du sicher, daß es feste Steuern gab? Wie wurden die denn eingesammelt? Und wie hoch waren sie? Kennst Du oder irgendwer anderes vielleicht eine Umrechnungstabelle im Internet, wo man einsehen kann, was z.B. eine Kölner Mark im Vergleich zu … was auch immer wert ist?

Und meine wichtigste Frage: Wodurch haben die Staufer noch ihr Geld bekommen?

Viele Grüße, Balance.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Balance,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Aber irgendwie bin ich
jetzt immer noch nicht weiter. Die angegebenen Bücher sind
hauptsächlich Biographien und da kann ich ja nur peripher was
finden.

Das hatte ich befürchtet. Schade.

Bist Du sicher, daß es feste Steuern gab?

Aber gewiss doch! Die „Regalien“ standen dem König zu.
=> http://www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D8038…
Dort auch genauere Literaturangeben.

Durch die Vergabe von solchen Regalien machte sich der König/Kaiser auch seine Gefolgsleute zu sicheren Vasallen.

Wie wurden die denn eingesammelt?

Meist in Form von Naturalien, also Ernteerträge und Vieh. Zölle, Marktrechte etc. wohl auch in Edelmetallen oder Bodenschätzen.

Und wie hoch waren sie? Kennst Du oder irgendwer
anderes vielleicht eine Umrechnungstabelle im Internet, wo man
einsehen kann, was z.B. eine Kölner Mark im Vergleich zu …
was auch immer wert ist?

Da muss ich passen. Aus einem Gedicht Walter von der Vogelweides geht hervor, dass ein Ross „drier marke wert“ war. „Mark“ ist da noch eine „markierte“ Menge Silbers; man nimmt an, dass es ein Pfund Silber war.

Und meine wichtigste Frage: Wodurch haben die Staufer noch ihr
Geld bekommen?

Als Erben des Königreichs Sizilien, das so etwas wie ihre „Hausmacht“ darstellte und das schon vorher ein moderneres Steuersystem hatte, bekamen sie wohl das meiste rein. Die Verwaltung und Verwertung wurde von Beamten durchgeführt, die den Staufern verpflichtet und von ihnen abhängig waren. Brachten sie nicht genug rein, wurden sie ausgewechselt.
Besiegte Feinde oder bestrafte Übeltäter hatten eine Strafe zu entrichten, um ihr Leben behalten zu dürfen.

Das steht alles im Text der Biografien.

Aber vielleicht kommst du mit dem Link weiter.

Gruß Fritz

Lieber Balance,

1977 hat in Stuttgart eine große Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Staufer stattgefunden; dazu ist ein fünfbändiger Katalog erschienen, und im dritten Band ist eine Reihe von Aufsätzen abgedruckt, u.a. auf den Seiten 87-102 eine Arbeit von Elisabeth Nau über „Münzen und Geld in der Stauferzeit“.

Ich vermute aber, daß auch andere Aufsätze in diesem Band verstruete Informationen zu Deinem Thema bieten könnten.

Jede gutsortierte Stadtbibliothek sollte diesen katalog haben, jede Unibibliothek aber allemal, und da Du ja Student bist…

Gruß - Rolf

Hallo ihr Wissenden,

ich bechäftige mich derzeit mit dem Geld/den Einkünften der
Staufer bzw. ich versuche es. Mein Referat behandelt die
Frage, wie das Königs- und Kaisergeschlecht der Staufer aus
dem Mittelalter zu ihrem Geld kam.

Hallo!

Zu den (sizilischen) Münzen: http://mitglied.lycos.de/wpeter/hmuenz/tafel9a.htm
Zum Rest deiner Frage:
Ich hab mir mal eine alte Vorlesung von Prof.Peter Schmid (Bayer.Landesgeschichte) aus Regensburg vorgenommen und die Literaturliste durchgeschaut:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II…
Engels, Odilo, Die Staufer, 7., verb. und erg. Aufl. (Urban-Taschenbücher 154) 1998.
Bärmann, Johannes, Die Städtegründungen Heinrichs des Löwen und die Stadtverfassung des 12. Jahrhunderts, 1961
Boshof, Egon, Königtum und Königsherrschaft im 10 und 11. Jahrhundert (Enzyklopädie deutscher Geschichte 27) 1993
Decker-Hauff, Hansmartin, Das Staufische Haus, in: Die Zeit der Staufer, Bd. 3, 1977, S. 339-374 (Übersichtstafeln in Bd. 4).
Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur (Katalog der Ausstellung Stuttgart) Bd. 3, 1977 (Aufsätze u.a. von K. Schreiner über die Staufer als Herzöge von Schwaben, H. Löwe über die Staufer als Könige und Kaiser, H. Patze über Herrschaft und Territorium der Staufer).
Fehn, Klaus, Die zentralörtlichen Funktionen früher Zentren in Altbayern. Raumbindende Umlandbeziehungen im bayerisch-österreichischen Altsiedelland von der Spätlatènezeit bis zum Ende des Hochmittelalters, 1970.
Flohrschütz, Günther, Machtgrundlagen und Herrschaftspolitik der ersten Pfalzgrafen aus dem Haus Wittelsbach, in: Wittelsbach und Bayern, Bd. I/1, 1980, S. 42-110; vgl. auch ZBLG 34 (1971) S. 85-164, 462 - 511 und Oberbayerisches Archiv 97 (1973) S. 32-339.
Bührlen, Reinhold, König Heinrich von Hohenstaufen (VII.), in: Jb. für schwäb.-fränk. Geschichte 228 (1976) S. 29-40.
Hauser, Sigrid, Staufische Lehnspolitik am Ende des 12. Jahrhunderts 1180-1197 (Europäische Hochschulschriften 3; 770) 1998.

Damit solltest Du schon mal was anfangen können…
Generell glaube ich sagen zu können - da Sizilien ja erst mit Heinrich VI. für die Staufer wichtig wird - dass die Staufer einen Großteil ihres Geld über ihre Lehen (sprich von den Ministerialen) und aus ihren Städten erwirtschafteten. Natürlich darf v.a. für die späten Staufer Friedrich II., Konrad IV. und vor allem Konradin und Manfred Sizilien nicht vernachlässigt werden, für die dürfte es tatsächlich die wichtigsten Einnahmequelle dargestellt haben. Aber auch für die waren die Besitzungen und Rechte nördlich der Alpen nicht unwichtig!
Die Städte - darauf sind in dieser Zeit fast alle Geschlechter gekommen, die heute als „die großen Geschlechter“ gelten, alle anderen haben nur als historischen Marginalien überlebt, wenn überhaupt - waren „die“ Geldmaschinen des hohen Mittelalters, neben dem Bergbau. Nicht zuletzt deshalb gründeten neben den Staufern auch die Welfen, Zähringer usw. wie die Weltmeister eine Stadt nach der anderen. Schau dir nur mal die vielen späteren Reichsstädte im Süden des Alten Reichs an: Fast alles ehemalige Stauferstädte, die die Staufer seit Barbarossa v.a. im Gebiet ihres Herzogtums Schwaben gründeten und die sich nach dem Aussterben der Staufer im sozusagen „herrenlosen“ Htm.Schwaben verselbständigen konnten, indem sie die Rolle der Staufer als Herzöge vernachlässigten und sich auf die Staufer als Könige/Kaiser beriefen - sie stellten sich selber unter die Herrschaft des Reichs.

Viel Spass beim Forschen!
Christian