Das Gemüsebeet und die Nährstoffe

Hallo an alle Gemüsegärtner und Pflanzenernährer,

mein Vater hat mich gestern gefragt, ob ich wüßte, wie seinen Gemüsepflanzen im Hochbeet zu helfen wäre. Die Pflanzen kümmern ein wenig vor sich hin, wachsen nicht so wie erwartet, obwohl Pflanzen aus der gleichen „Serie“ (selbstangezogen, verschenkt an Familienmitglieder) an anderer Stelle deutlich besser wachsen. Die Pflanzen kümmern einfach, sind teilweise etwas heller als üblich aber nicht direkt chlorotisch.

Es handelt sich um Mischkulturen mit Salat, Kohlrabi, Brokkoli, Karotten, Zwiebeln, Spinat, Radieschen, Kräutern, Schnittsellerie und noch verschiedenes mehr. So bald ein Platz geräumt ist, kommt gleich das nächste Pflänzlein rein.

Die Hochbeete bestehen schon einige Jahre, werden nie mit Volldünger behandelt, sondern mit Kompost, Hornspänen, Brennesseljauche etc. Und da meine ich liegt der Hase im Pfeffer. Über die Jahre ist das Nährstoffgleichgewicht nicht mehr intakt.

Hier die Werte der Bodenuntersuchung (vom letzten Herbst):

Beet 1:
pH 7,1 (hoch)
Phosphor: 136 mg/100g Boden (sehr hoch)
Kali: 17 mg/100g Boden (optimal)
Mg: 31 mg/100g Boden (sehr hoch)

Beet 2:
pH 7,1 (hoch)
Phosphor: 195 mg/100g Boden (sehr hoch)
Kali: 30 mg/100g Boden (hoch)
Mg: 45 mg/100g Boden (sehr hoch)

Es wurde geraten, mindestens 4 Jahre Düngepause mit Phosphor einzulegen, auch sollen zumindest vorerst keine Kalieinzeldünger wie Kalimagnesia oder Kaliumsulfat verwendet werden. Es sollen nur reine Stickstoffdünger verwendet werden.

So weit, so gut. Kann es sein, daß der spärliche Wuchs mit Eisen- und/oder Kupfermangel zu erklären ist - bedingt durch die hohen Phosphatgehalte? Was könnte sonst noch fehlen?

Was wären kurzfristige Maßnahmen für die laufende Gartensaison? Blattdüngungen mit Spurenelementen? Wenn ja, in welchen Konzentrationen bzw. Aufwandsmengen? Alternativen zur Blattdüngung?

Und was sollte mittelfristig gemacht werden? Bodenaustausch?

Ein Mensch vom Gartenbauverein meinte, er solle nur kalken, was ich aber eher für kontraproduktiv halte. Der pH ist eh schon hoch genug.

Bin gespannt auf eure Tips
Eva

Welche

Servus,

der hohe pH-Wert nimmt mich etwas Wunder; er kann dafür verantwortlich sein, dass u.a. Eisen nicht ausreichend pflanzenverfügbar vorliegt. Wenn man ihn kurzfristig einregeln will, kann man mit (fein strukturiertem, faserigem und möglichst schon etwas zersetzten) Rindenmulch arbeiten. Dabei aber dringend auf N-Ausgleich achten! C/N-Gleichgewicht ist ein Problem bei viel eingebrachtem organischem Material wie Kompost, im Hochbeet eventuell auch Schnittgut.

Hornspäne bringen sehr langsam fließenden N, man braucht hier eine Ergänzung mit N, der schneller in die Bodenlösung geht. Wenn grundsätzlich kein Mineraldünger gegeben werden soll, und Mist (dieser eh erst für 2010) nicht verfügbar ist, kann man hier mit Rizinusschrot und mit pelletierten Mälzereiabfällen (Maltaflor) arbeiten. Beide sind stark N-betont und dürften keine Schmerzen mit der P-Überversorgung bereiten. Viel einfacher sind natürlich ein paar Handvoll Kalkammonsalpeter (wirkt schnell, aber hebt den pH-Wert) oder schwefelsaures Ammoniak (senkt den pH-Wert, wirkt langsamer, daher auf feine Körnung achten).

Ebenfalls bloß mittelfristig, aber insgesamt scharmant (auch auf die Durchwurzelung, Struktur und Pufferkapazität des Bodens) wirkt hier eine Untersaat mit Weißklee: Der schafft auch einiges an N ran und kommt mit basischem Milieu prima zurecht.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

auf eine Antwort von dir hatte ich ja gehofft :smile:

Ich werde die Infos mal so weitergeben und dann hoffen, daß Besserung eintritt und das Gemüse wieder zur Zufriedenheit meines Vaters sprießt. Eine Blattdüngung hältst du nicht für erforderlich?

Viele Grüße
Eva