Das haut dem Fass den Boden raus

Halt! War das nicht der Thesaurus? *rotfl* (owT)
.

Pontifex …
Hallo Barney,

Das ist gleich ein gutes Beispiel
für die Übernahme „heidnischer“ Begriffe in das Christentum.

Das ist ja wohl ein bisschen dumpf, oder?
In welcher Sprache sollten die römischen Christen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte den Begriff „Priester“ wohl sonst ausdrücken, wenn nicht mit dem lateinischen pontifex?

Es werden ihnen kaum mehrere Dutzend Fremdsprachen zur Verfügung gestanden sein. Und wozu auch?

Grüße,

Hasta Lavista

Top-Antwort, Juliane! owT
sag ich doch: owT.

Hasta Lavista

Hallo Tessa,

Hmmm… Wer von uns ist nun bibelfest? Tessa kommt ja
bekanntlich von Theresa und einen Engel Namens Theresus gab es
ja net, gell? Und an eine Theresa in der Bibel kann ich mich
nicht erinnern. *ätsch*

eine Theresa gibt es in der Bibel nicht.
Aber König Ahasveros hatte einen Diener, der hieß Theres *g*
(Esther 2,21)

Ach Du… Ein paar Ideen hätte ich da schon… BTW: ich dachte
auch immer, daß Engel irgendwie androgyn sind: Immer lange
Haare, sieht aber irgendwie nicht nach Weib aus…

na ja, was die Maler so zeichnen *g*
Aber heutzutage sehen auch nicht alle Frauen weiblich aus :wink:

Gruss Harald

Hallo Hasta Lavista,

Das ist ja wohl ein bisschen dumpf, oder?

Durchaus nicht!

In welcher Sprache …

Hier geht’s nicht um die Sprache. Das wär wirklich kindisch :wink:)
Pontifex hieß schon das Oberhaupt der alt-römischen Religion. Unter anderen war z.B. auch der hauptsächlich von anderen Funktionen her berühmte Gaius Iulius Caesar viele Jahre lang Pontifex.
Durch die simple Übernahme des Organisationsmusters und auch der Funktionsbezeichnung wurde keine ausreichende Distanzierung von der polytheistischen Religion geschaffen. Dorthin zielt meine Kritik.

Grüße
Barney

Hallo Barney,

Durch die simple Übernahme des Organisationsmusters und auch
der Funktionsbezeichnung wurde keine ausreichende
Distanzierung von der polytheistischen Religion geschaffen.

War das tatsächlich eine so simple Übernahme?
Die hauptsächlichen Organisationsstrukturen der christlichen Frühkirche bildeten sich ja schon zu einer Zeit heraus, als sie noch von der offiziellen römischen Staatsmacht unterdrückt bzw. verfolgt wurden.
Das Amt eines Pontifex sehe ich - abgesehen von der natürlichermaßen lateinischen Bezeichnung - doch auch eher in der monotheistischen Tradition des levitischen Priestertums und der Person des jüdischen Hohenpriesters.

Grüße,

Hasta Lavista

Hallo Hasta Lavista

Das collegium pontificum bestand seit Sulla aus 15, seit Cäsar aus 16 Mitgliedern. Der Vorsteher, der zugleich Aufseher des Vestakultes war, nannte sich pontifex maximus.
Vom Vestakult ist übrigens einiges in die römische Kirche eingeflossen…

Gruss
Mäni

Hallo,

Das Amt eines Pontifex sehe ich - abgesehen von der
natürlichermaßen lateinischen Bezeichnung - doch auch eher in
der monotheistischen Tradition des levitischen Priestertums
und der Person des jüdischen Hohenpriesters.

nur dass der jüdische Hohepriester jährlich ausgewechselt wurde, während der römische pontifex maximus sein Amt auf Lebenszeit bekommt.

Diese Struktur war allerdings weder von Jesus noch von Paulus gewollt. Egal ob das Prinzip von der jüdischen oder römischen Religion „abgeschaut“ wurde, es hat das Christentum verfälscht.

Gruss Harald

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Hallo Harald

nur dass der jüdische Hohepriester jährlich ausgewechselt
wurde, während der römische pontifex maximus sein Amt auf
Lebenszeit bekommt.

…von vielen Ausnahmen abgesehen. U.a. all die vielen Gegenpäpste. Auch wurde die Lebenszeit von etlichen Päpsten künstlich niedrig gehalten, sie wurden ermordet.

Gruss
Mäni

Hallo,

Durch die simple Übernahme des Organisationsmusters und auch
der Funktionsbezeichnung wurde keine ausreichende
Distanzierung von der polytheistischen Religion geschaffen.
Dorthin zielt meine Kritik.

Nun, man kann ja darüber streiten, ob man das Papstamt und seine spezielle Ausprägung nun für biblisch begründbar hält oder nicht…
Aber: Übernahme von Organisationsmuster und Funktionsbezeichnung hat wohl kaum etwas mit ungenügender Distanzierung von welcher Religion auch immer zu tun…
Das Christentum ist eine Religion, die sie explizit als geschichtliche versteht. Und in welcher Sprache hätten denn die Christen, als eine Konsolidierung nötig wurde, denn benutzen sollen, wenn nicht die Griechische, später die Lateinische? Warum hätten sie nicht erprobte Organisationsformen übernehmen sollen? Die verfaßte Kirche ist von Menschen konkretisiert. Wie hätten Menschen etwas tun können, was eigentlich nicht gedacht werden kann?
Ich finde diese Diskussion um „heidnische“ Relikte in den christlichen Kirchen wissenschaftlich interessant, aber diese Aufregung nach dem Motto „Haha, dann ist das ja gar nicht wirklich christlich!“ eher naiv. Es spricht nichts dagegen, wenn die Kirche(n) aus seelsorgerlichen Gründen Formen, Symbole und Rituale verwenden, deren Ursprung nicht christlich ist. Das bedeutet nicht, daß sie nicht ständig zu prüfen hat, ob alles hinnehmbar ist, aber einer Religion, die wie alles andere ein geschichtliches Phänomen ist, „vorzuwerfen“, sie habe etwas aus dem Grund ihrer Entstehung übernommen, ist doch eher obskur.
Noch zur Information: In der Zeit von Prinzipat, Dominat und Spätantike vom Polytheismus zu reden, ist nicht unbedingt angebracht. Ein paganer Priester hatte eine wesentlich andere Bedeutung als ein christlicher. Die Übernahme von Begriffen bedeutet also noch lange nicht die selbe inhaltliche Füllung. Selbst ein so harmloses Wort wie „Liturgie“ hat übrigens seinen Urspung in der Organisationsform der hellenistischen polis, die Übernahme des Begriffs ist auch daher bestimmt, trotzdem ist er ziemlich christlich gefüllt.

Grüße,
Taju

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