Servus!
klar - über dem König steht nur der Kaiser.
Aber wenn (wie in diesem Falle) der König von Böhmen, König
von Ungarn und Erzherzig von Österreich schon die gleiche
Person sind, dann muß diese person nicht noch ne Kaiserkrone
haben, um Chef zu sein.
MUSS sie nicht - aber wenn, wie im vorliegenden Fall, sich der betroffende Staat(enverbund) sich in einem Krieg gegen einen überlegenen Gegner befindet und dieser Gegner sich eine Kaiserkrone selbst aufsetzt (mit welcher Legitimation auch immer), dann muss besagter Staat schon mal rein diplomatisch dagegen halten.
Davon abgesehen, dass Franz II./I. fast eine Verpflichtung darin sah, die Kaiserkrone zu erhalten - so wurde das damals gesehen im Hause Habsburg. Wenn schon nicht als römisch-deutsche, dann als österreichische. Nach dem Motto: Wir lassen uns nicht unterkriegen!
Und Österreich sah sich damals als letzte Speerspitze gegen Napoleon (auf dem Kontinent zumindest). Nochmal was, das verpflichtet.
Denn damit ist man ja auch nur wieder
Chef von sich selber.
Nö. Damit zeigt man seinen Untertanen (und, fast noch wichtiger, den verbliebenen bzw. potentiellen Verbündeten) seinen wahren Rang. Kaiser bleibt Kaiser.
Das andere ist natürlich die rechtliche Legitimation. Und
damit sah es bei den Österreichern eher schlecht aus.
Denn Kaiser ist man ja eigentlich geschichtlich von Rom
gewesen, es kommt ja auch rein wörtlich vom römischen Caesar
her.
Seh ich nicht so. Das mit Rom war lang vorbei. Die Kaiser des HRR sahen sich in erster Linie als Kaiser des deutschsprachigen/-kulturellen Raums mit den historisch dazu gekommenen Anhängseln (Böhmen galt - noch - als „eigentlich deutsch“ und weniger als tschechisch).
Und den Titel vergab nun einmal traditionell der Papst
und kein anderer.
Lang vorbei im Jahre 1803!! Seit Karl IV. wurde der Kaiser von den Kurfürsten - und nur von ihnen - gewählt und gekürt.
Aber Herr von Italien war nun einmal
damals Napoeleon und der lies ja auch den heiligen Vater
zwecks Krönung nach Paris karren.
Mit dieser Autorität konnte es natürlich der Österreicher
nicht aufnehmen.
Dass Napoleon extra dieses uralte Ritual wieder ausgrub, zeigt nur, WIE verzweifelt er nach Legitimation suchte.
Die einzige Autorität, die Napoleon unter seinen gekrönten „Kollegen“ (die sich solche Gleichsetzung energisch verbeten haben dürften, allerdings nur, wenn der grosse Kleine nichts davon mitbekam) hatte, war militärischer Natur. Die war dafür umso überzeugender…
Und als Nachfolger des alten deutschen Kaiserreiches hat es
Österreich ja auch selbst nicht gesehen, schließlich landete
die alte deutsche Krone ja in der Rumpelkammer und wurde nicht
wieder verwendet bei den nachfolgenden Kaiserkrönungen.
Die neue Krone war Symbol des Neuanfangs, nachdem das Alte Reich von seinen Mitgliedern (Rheinbundstaaten) so schnöde verraten worden war.
Man hat sich also in Österreich einen vorher nicht
existierenden und druch nichts legitimierten Kaiser einfach
erfunden. Aber darin haben die Österreicher ja Übung -
schließlich ist ja auch der komische Titel des Erzherziges
eine ihrer Erfindungen, die durch eine später von einem
Österreicher selbst geblaubigte Geschichtsfälschung in die
Welt gekommen ist.
Des is a andre G´schicht.
VG
Christian